Mühlbacher Experten bringen den (Sand-) Stein ins Rollen
Betriebe verärgert über die Entscheidung des Gemeinderats Eppingen - Vorwurf der Rufschädigung wird laut - Alternative Ausschreibung gefordert

Der Mühlbacher Sandstein - ist er etwa nicht gut genug? Die Frage drängte sich auf, als der Gemeinderat Eppingen über den Anbau ans Alte Rathaus diskutierte. Nach heftiger Kontroverse erteilte eine knappe Mehrheit dem heimischen Naturstein eine Absage (wie berichtet). Enttäuscht reagieren die Steinmetze vor Ort und formulieren ihren Widerspruch.
"Es ist Rufschädigung", kommentiert Harald Holz die Ratsentscheidung für Kalkstein. Ins gleiche Horn stößt Kollege Jens Reimold: "Ich fühle mich vor den Kopf gestoßen." Bei einem städtischen Bau gehört Sandstein bevorzugt, findet Holger Reimold. Um zu zeigen: Das gibt es bei uns, das ist unser Produkt. "Ich bin nicht sauer, aber enttäuscht", so Holger Reimold. "Gott und die Welt" schimpfe sich Steinhauerdorf - die Mühlbacher sind vergrätzt.
Dass Sandstein rascher altert und deshalb häufiger ausgetauscht werden muss, hatte der Architekt aus Stuttgart im Gemeinderat erklärt. Stimmt nicht, protestieren die Mühlbacher: Kalkhaltige Natursteine weisen gegenüber vielen Sandsteinen nach Jahren oft größere Schäden auf, erklärt Holz. Holger Reimold bekräftigt: "Wir verbauen ihn täglich, es passiert nichts." Als Beispiele führen die Experten Mühlbacher Sandsteingebäude ins Feld: die Fassaden der Sparkassen in Eppingen und Sulzfeld; das Bezirksbauamt und Oberlandesgericht in Karlsruhe; Altes und Neues Schloss Stuttgart; selbst auf der Insel Mainau wurden riesige Balustraden und Treppenanlagen aus Mühlbachs Sandstein gefertigt. Allein Eppingen zaudert.
Weshalb zeigt sich der Planer dem Material gegenüber so skeptisch? "Der kommt von weiter her, er hat bestimmt eher Kontakte zu Kalkstein verarbeitenden Betrieben", vermutet Holger Reimold. Den Rohstoff Sandstein kenne der wohl gar nicht. Problemen im Sockelbereich, die durch Feuchtigkeit und Streusalz entstehen können, wissen Steinmetze zu begegnen. "Die unterste Steinschicht wird aus Hartgestein - zum Beispiel Granit - ausgebildet", erklärt Holz. So werde dies seit Jahrhunderten an vielen Gebäuden gehandhabt. Holz: "Den Mühlbacher Sandstein in Unkenntnis seiner Eigenschaften so schlecht darzustellen, halte ich schlichtweg für eine Rufschädigung des Materials und der ihn verarbeitenden Betriebe." Zumal er wie alle Natursteine regelmäßig durch Prüfungsanstalten nach geltenden DIN-Normen untersucht werde. Wasseraufnahme, Frost- und Säurebeständigkeit - alle Werte im grünen Bereich.
Sie hätten im Vorfeld das Gespräch suchen müssen, kritisiert Jens Reimold die Verwaltung. Und der Planer habe dem Gemeinderat viel zu wenige Alternativen aufgezeigt. Ob Sandstein, wie seine Gegner argumentieren, tatsächlich teurer kommt, lasse sich erst sagen, wenn klare Kostenermittlungen auf dem Tisch lägen.
Die Stadt Eppingen verpachtet ihre Steinbrüche an die Betriebe und kassiert Bares. Die Pächter möchten eine Chance: "Wir wollen am Wettbewerb teilnehmen."
Kommentar "Überdenken"
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