Modellhäuser gleichen sich wie ein Ei dem anderen
Stadtführer Christoph Waidler begibt sich auf die Spuren der Vergangenheit. Bei der 98. Halbe nach fünf erkunden die Besucher die Modellhäuser an der Rappenauer Straße.

Mit einer stattlichen Anzahl von Teilnehmern begab sich Stadtführer Christoph Waidler auf die Spuren der Vergangenheit. Bei der 98. Halbe nach fünf erkundeten die Besucher die Modellhäuser an der Rappenauer Straße. "Das Thema ist sehr interessant", erklärte Waidler, der den kurzfristig verhinderten Heinrich Vogel vertrat, und fügte an: "Das Material reicht für eine zweite Führung, zu der wir Sie schon heute für das kommende Jahr einladen."
In den bekannten Listen, so Waidler, ist die Rede von 35 bis 40 Modellhäusern. Während der Materialsuche hat sich Heinrich Vogel auf deren Spuren begeben. Bei 100 hat er aufgehört zu zählen.
Die Bedeutung der Modellhäuser, nach dem Vorbild Durlacher Bauten und den Plänen des Hofbaumeisters Ende des 18. Jahrhunderts errichtet, wurde Waidler erstmals so richtig bewusst, als er Planern im Zuge der kleinen Gartenschau 2021 über die Heimatgeschichte berichten sollte. "Ich hätte gerne erzählt, dass Goethe hier zu Besuch war, aber damit können wir nicht dienen." Die Modellhäuser seien mit ihren hinter den Gebäuden liegenden Gärten das grüne U entlang des Hilsbachs und der Elsenz, die Verbindung in der Stadt.
Urbaner Charakter
Die Pläne entwickelte der damalige Hofbaumeister schon vor der Zerstörung Durlachs. Sein Ziel: das Stadtbild zu verändern, einen urbanen Charakter zu schaffen. Waidler: "Die Intension des Hofbaumeisters war, die Überreste der zerstörten Stadt einzubeziehen, wobei er mit Höhenunterschieden durch Keller zu kämpfen hatte."
Die Häuser wurden traufseitig zur Straße errichtet, wobei die Frontseiten schön gemacht wurden. Oft waren sie verputzt, so dass man das eingezogene Fachwerk nicht mehr sehen konnte, sondern nur noch die Steine, mit denen das Erdgeschoss errichtet worden war.
"Ich habe das Glück, dass meine Großmutter in einem Modellhaus lebte, so dass sie mir vertraut sind", meinte Waidler. Denn viel Platz für individuelle Ideen der Bauherren gab es nicht. "Die Häuser haben ein großes Einfahrtstor, dahinter kam entweder rechts oder links der Eingang zum Haus. Dahinter erstreckte sich ein zwei mal zwei Meter großer Hof."
Der Abort auf der Zwischenempore
Doch nicht nur die Außenbereiche ähnelten sich wie ein Ei dem anderen, wie Waidler anhand der beiden Nachbargebäude neben der Palme verdeutlichte: "Hinter dem Eingang war der Abgang zum Keller, rechts davon war die große Stube, die zur Straße hin zeigte. Geradeaus die große Küche und die Treppe hoch auf der Zwischenempore der Abort. Rechts eine Kammer, die über der Einfahrt lag, danach wieder Küche, Stube und Kammer."
Hinter der Küche war der Zugang zu Altanen und Kleintierställen. Unter der Scheune gab es Keller für die Einlagerung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse. In den Modellhäusern wurde jeder Raum genutzt, der sich geboten hat. "Über viele Einfahrten war ein Schacht bis unter den Dachfirst eingebaut, durch welchen man Säcke durch das Haus bis in den Speicher ziehen konnte", schilderte der Stadtführer.
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