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Eppingen/Sulzfeld

Mittagessen und Kaffee aus dem Pfandbehälter

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Erste Nahrungsmittelproduzenten im Kraichgau setzen auf Mehrwegboxen, um Verpackungsmaterial zu sparen. Dabei kommen zwei verschiedene Systeme zum Einsatz, die sich ein wenig unterscheiden.

Bettina Höfle zeigt die Pfandboxen: Eingesetzt werden ein Kaffeebecher und drei verschieden große Behälter. Foto: Nicole Theuer
Bettina Höfle zeigt die Pfandboxen: Eingesetzt werden ein Kaffeebecher und drei verschieden große Behälter. Foto: Nicole Theuer  Foto: Theuer, Franz

Pfandbehälter sind im Getränkebereich seit Jahrzehnten gang und gäbe, jetzt halten sie auch bei Lebensmitteln zunehmend Einzug. Was zunächst noch freiwillig ist, wird ab 2023 Pflicht.

Jetzt sind auch die Eppinger Metzgerei Höfle und die Sulzfelder Metzgerei Klebsattel in das Mehrweg-System eingestiegen. Die genannten Handwerksbetriebe zählen im Landkreis neben einigen Gastronomen zu den Pionieren, die Speisen und Getränke in wiederverwendbaren Boxen über die Theke reichen. Zuvor bereits hatte Bettina Höfle am Projekt "Klima-Fair" teilgenommen und Nahrungsmittel verpackungsfrei verkauft.

Seit 16. August können ihre Kunden nun das Mittagessen, Kaffee und andere Spezialitäten in Pfandbehältern einkaufen. Davon ist Bettina Höfle ganz begeistert. "Ich hatte für den Anfang mit vielleicht zwanzig Kunden gerechnet, jetzt sind es mehr als sechzig." Sie habe sogar eine Veranstaltung mit 50 Personen per Pfandsystem versorgt. "Das Ganze ohne Abfall zu machen", freut sich die Inhaberin der Eppinger Metzgerei. Die Kundschaft sei gemischt: "querbeet, von der Hausfrau bis zum Bankangestellten."

Wo die Schalen und Becher produziert werden

Bettina Höfles Geschäftspartner ist die Cleebronner Firma "Local to go." Die GmbH um Geschäftsführerin Stephanie Fischer bezieht derzeit vier Gefäßtypen von einem Hersteller in Minden (Nordrhein-Westfalen), der die Schalen und Becher in Deutschland produziert. Stephanie Fischer arbeitet zur Zeit mit einem Kaffeebecher, zwei Rundbehältern mit einem Volumen von 600 und 900 Milliliter sowie einem rechteckigen Behälter mit innenliegenden Fächern, der 1100 Milliliter fasst. Alle Behälter seien auslaufsicher verschließbar, versichert Stephanie Fischer.

Essensanbieter, die sich am Pfandsystem beteiligen, schließen mit den Cleebronnern einen Abovertrag mit Laufzeiten zwischen sechs Monaten und zwei Jahren ab. Seit August fördern der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Heilbronn und die Kreissparkasse Heilbronn das Projekt. "Die ersten 30 Teilnehmer erhalten je nach Laufzeit des Abovertrags eine Einmal-Pauschale in Höhe von 200 oder 400 Euro", berichtet Susanne Breuer vom Abfallwirtschaftsbetrieb. Als Kommunikatoren konnten der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband und die Metzgerinnung gewonnen werden.

Wie viele Pfandboxen die Sulzfelder Metzgerei bereits verteilt hat

Simone Weiland von der Metzgerei Klebsattel hat einen anderen Logistikpartner gefunden. Sie arbeitet mit der Firma Ibonic aus Weiterstadt (Hessen) zusammen, die das System Eco-Box vertreibt. "Wir bieten unseren Kunden Vorratsboxen an, die vakuumiert werden können", berichtet die Inhaberin der Sulzfelder Metzgerei.

Seit Mai habe sie schon mehr als 80 Pfand-Systemboxen an ihre Kunden weitergereicht. Sie nehme aus Überzeugung am Pfandsystem teil: "Jeder kann einen Beitrag leisten, dass es weniger Abfall gibt", ist sie überzeugt. Wirtschaftlich gesehen gehe das Pfandsystem möglicherweise gerade so auf, "vielleicht legen wir aber auch drauf". Schließlich betrage die Laufzeit der Mehrwegboxen - die Metzgerei Klebsattel arbeitet mit einem Modell, das in der Neuanschaffung 20 Euro kostet - drei Jahre. Hinzu komme die regelmäßige Reinigung der Behälter. "Wir haben natürlich eine Gewerbe-Spülmaschine", berichtet Simone Weiland. Das Profigerät laufe seit Mai deutlich häufiger als zuvor.

Was die Verpackungsnovelle vorsieht

In der Stadt Brackenheim ist in Zusammenarbeit mit dem städtischen Klimaschutzmanager Jonathan Wein und "Local to go" das Mehrweg-Netzwerk "Brackenheim to go" entstanden. Auch die Metzgerei Kopf in Lauffen und der Landgasthof Krone in Ilsfeld-Auenstein nutzen das Angebot.

Die Novelle des Verpackungsgesetzes legt fest, dass ab 2023 Lieferdienste, Restaurants, Metzgereien und andere Take-Away-Anbieter verpflichtet werden, auch Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegbehältern für Essen und Getränke zum Mitnehmen und Bestellen anzubieten. Der Landkreis Heilbronn organisierte deshalb im Juli zwei Online-Informationsveranstaltungen für Take-Away-Anbieter mit dem Ziel, Essen in Mehrwegsystemen bereits jetzt zu etablieren und interessierten Take-Away-Anbietern Hilfestellung bei der Einführung zu geben.

 

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