Holger Schnell baut Harleys extrem um - aber nur für Kunden, die Pulver haben
Von Adrian Hoffmann
Ein harter Mann mit weichem Kern: Holger Schnell auf einem seiner Meisterwerke, der Ground Zero. Mit ihr schaffte er es in die Weltpresse.
Fotos: NLC
Es gibt Leute, die können es einfach - und genau zu denen gehört Holger Schnell. Was der 43-jährige Muskelmann jeden Tag in seiner Hüffenhardter Werkstatt macht, das ist eigentlich nichts anderes als Kunst. Die Fotos beweisen es. Seine Maschinen sind edel, sie sind breit und brutal, sie sind Monster-Motorräder.
Hammerteile, oder? Die Angst einflößende Violence, ...
Holger Schnell umschreibt das alles pragmatischer: „Es muss halt zusammenpassen.“ Wirklich wahr, das tut es. Selbst er passt ins Bild, so muss ein Motorradtuner aussehen. Auf seiner linken Schulter trägt er ein großes Tattoo, bestehend aus breiten Bögen und Linien, um den Hals hängt eine schwere Silberkette, die aussieht wie eine seiner vielen Motorradketten, die er in der Werkstatt liegen hat. Und: Wie es sich für die Szene gehört, besitzt er einen Kampfhund.
... die ruhmreiche Victory ...
Im eher ländlichen Hüffenhardt ist er bekannt. Für einen Mann wie ihn wahrscheinlich völlig normal. „Dem Bürgermeister habe ich mal eine Probefahrt angeboten“, erzählt er, und selbst Gemeinderäte haben bei ihm ihren Rundgang gemacht, immerhin macht er mit seiner international bekannten Schmiede den Ort fast auf der ganzen Welt bekannt. Vor zwei Tagen erst wieder kam ein neuer Kunde vorbeigerauscht. Aus Moskau. Weitere Kunden sind ein Bodybuilding-Weltmeister und ein Schweizer Rechtsanwalt. Da muss also Vertrauen vorhanden sein, obwohl Schnell in manchen Dingen rigoros sein kann. „Ein Kunde muss mich mit seiner Harley machen lassen, was ich will, sonst lasse ich’s bleiben“, sagt er.
Wer sein Reich betritt und die Motorräder erblickt, frisch poliert, glänzend, glühend, der will den Motorradführerschein machen. Wenn er ihn nicht schon hat. Im Verkaufsraum stehen seine Meisterwerke, und eigentlich sind alle verkauft bis auf zwei. Das seiner Frau, Modell Cocain, und sein eigenes, Modell No-Limit, 36,5 Zentimeter breiter Hinterrreifen, Kostenpunkt: mehr als 60 000 Euro.
... die No Limit (Schnells teuerstes Modell) ...
Erst diesen Monat hat Schnell sein Team erweitert. Neben seiner Frau Tatjana, 36 Jahre alt, die sich um die Arbeit im Büro kümmert, gibt es Lothar Scheuermann, Kfz-Mechaniker, und Marco Ajsen, CNC-Fräser. Drei Harleys stehen gerade halbfertig hinten, die nächsten Wochen und Monate sollen sie parallel fertig gestellt werden. Viel Freizeit bleibt deshalb nicht. „Es ist der ganz normale Wahnsinn“, sagt er. Manchmal komme es vor, dass er nachts um drei Uhr eine Idee habe. Dann rennt er runter in die Werkstatt und fertigt ein Plastilin-Modell an. „Zeichnen kann ich nicht.“
Bis aus einer Harley ein Monster-Motorrad wird, muss so einiges an ihr aufgemotzt werden. Vieles wird komplett neu gemacht: die Räder, die Gabel, die Schwinge, der Motordeckel, die Auspuffrohre, die Pulley (quasi der Sattel) und noch einiges mehr. Für Laien ist das nicht zu durchschauen. Aber für Holger Schnell, der bis 2004 so genannte Streetfighter gebaut hat, mittlerweile Routine. „Ich bin ein Getriebener“, sagt er von sich selbst.
und die stahlharte Stealth.
In der Region bekommt man die No-Limit nur selten zu sehen. Schon deshalb, weil sie für den Sommer geschaffen ist. Zum Cruisen. Wenn Schnell mal Lust verspürt, dreht er eine Runde, meidet aber scharfe Kurven, weil sein Motorrad äußerst tiefergelegt ist. Kinder kommen nicht mehr aus dem Staunen heraus, wenn er vorbeifährt. An Tankstellen zücken die Leute ihr Fotohandy. „Das gibt jedes Mal eine Menschenansammlung“, erzählt Schnell, natürlich mit Stolz.
Der harte Mann hat einen weichen Kern, die vielen Pin-Up-Kalender täuschen. Er ist ein Familienmensch. Seine Frau nennt ihn Schatzi. Um die Mittagszeit holt er brav seinen siebenjährigen Sohn Tim von der Schule ab - übrigens nicht mit einem seiner Harleys. Am liebsten würde er keine verkaufen. „Aber der Mensch lebt nicht von Brot allein“, sagt er. Wenn ihn jemand um eine Probefahrt bittet, antwortet er übrigens kühl „Vergiss es“.
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