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Kriegsruine: Rätsel um die alte Radarstation im Wald

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Eine Elitetruppe, stationiert im Birkenwald bei Eppingen. Soldaten von weither, die ein für Kriegszeiten schillerndes Leben führten: Von der alten Nazi-Radarstation namens Eulenhorst sind nur noch Mauerreste geblieben - und einige Rätsel.

Von Alexander Hettich
Jürgen Kobold vor den Ruine der alten Radarstation.
Jürgen Kobold vor den Ruine der alten Radarstation.  Foto: Hettich, Alexander

Eine Elitetruppe, stationiert im Birkenwald bei Eppingen. Soldaten von weither, die ein für Kriegszeiten schillerndes Leben führten: Von der alten Nazi-Radarstation namens Eulenhorst sind nur noch Mauerreste geblieben - und einige Rätsel. Heimatforscher Jürgen Kobold hat ein Buch über das Camp geschrieben.

 

Lange war über die Überreste dieser Luftwaffen-Stellung wenig bekannt. Haben die Eppinger kein Interesse an diesem Teil ihrer Geschichte gehabt?

Jürgen Kobold: Das hat kaum jemanden interessiert, die Jüngeren wussten ohnehin nichts von den Ruinen und ihrer Geschichte. Das hat aber weniger mit Verdrängung zu tun, sondern ist wohl einfach in Vergessenheit geraten.

 

Sie haben Quellen erforscht und mit Zeitzeugen gesprochen. Welche neuen Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Kobold: Wir haben viel über die Abläufe und die Bedeutung der Station erfahren. Dort waren zeitweise mehr als 200 Soldaten stationiert, eine Elitetruppe, bunt zusammengewürfelt aus allen Teilen des Landes. Die Dienstzeiten in Eppingen waren für den Einzelnen relativ kurz. Im Vergleich zu anderen haben die gelebt wie Gott in Frankreich.

 

Das müssen sie erläutern.

Kobold: Die Soldaten dort haben eine ruhige Kugel geschoben, und hatten wesentlich bessere Verpflegung wie an der Front. Es gab keine Kriegshandlungen, weil die Stellung nie angegriffen wurde. Das ist ein Rätsel, denn zumindest der Krähenhorst mit den Radarantennen bot auf freiem Feld ein gutes Ziel. Es gibt Luftaufnahmen der Amerikaner vom Areal aus dem Jahr 1941. Die wussten also genau, was da vor sich geht. Man kann nur vermuten, dass die Alliierten das teure Gerät nicht zerstören wollten, um es selbst zu analysieren und zu verwenden.

 


 

Was ist mit den Anlagen nach dem Krieg passiert?

Kobold: Das liegt etwas im Dunkeln. Zum Teil sind sie schnell zerlegt, verladen und weggeschafft worden. Das weiß ich von einem noch lebenden Zeitzeugen, der heute in der Nähe von Leverkusen lebt. Die großen Radarantennen, Würzburger Riesen genannt, waren auch zivil von Bedeutung, die USA haben sie lange in der Weltraumforschung eingesetzt.

 

Wie muss man sich das Zusammenleben der Eppinger Bevölkerung mit den hier stationierten Soldaten vorstellen?

Kobold: Es gab wenige, die lang da waren. Bei den meisten waren es drei, vier Monate. Eppingen war nicht weit weg, da gab es ein Kino und ein Schwimmbad. Die Gaststätten haben ein gutes Geschäft gemacht. Das Gasthaus Palme wurde in "Bunker" umgetauft und war viel frequentiert von Soldaten aus dem Eulen- und Krähenhorst. Durch die nächtlichen Dienste der Luftwaffensoldaten, hatten diese tagsüber viel Freizeit. Oft gab es auch Schlägereien in der Stadt.

 

Warum das?

Kobold: Bei den Frontsoldaten waren die Eulenhorst-Leute als "Schlipssoldaten" verschrien. Oft gab es deswegen Ärger. Der Kommandant des Stützpunktes hat zum Beispiel einmal einen einfachen Landser, der auf Fronturlaub war, zusammengestaucht, weil er heruntergekommene Stiefel hatte. Die lebten auf ihrer Radarstation in einer anderen Welt.

 

Und für manche der Eulenhorst-Soldaten wurde Eppingen zur dauerhaften Heimat?

Kobold: Ja, da sind viele Ehen entstanden, und einige Soldaten sind hier geblieben. Der Leverkusener Zeitzeuge ist heute 95, er hat zum Beispiel eine Rohrbacherin geheiratet. Er war für die Verpflegung der Truppe zuständig und hatte beim Vater des Mädchens in Rohrbach eingekauft. So lernten sich die beiden kennen.

 

Hat die Eppinger Stellung eine strategische Rolle gespielt?

Kobold: Ja, eine sehr große sogar. Das war ein Frühwarnsystem, auch für zivile Zwecke. Die haben die Bewegungen der Bomber ausgespäht und durch das Heranführen von Nachtjägern einige Flugzeuge zum Abschuss gebracht.

 

Was passierte nach dem Krieg mit den Gebäuden?

Kobold: Das waren Baracken aus Holz. Die US-Kommandeure haben die beschlagnahmt und an den Kreis Sinsheim verkauft. Der wiederum verkaufte sie an die Gemeinden. In Eppingen kenne ich heute noch zwei solch ehemalige Eulenhorst-Baracken, die als Wohnhaus oder Clubhaus genutzt werden.

 

Die Reste der Mauern sind im Wald überwuchert. Was soll damit geschehen? Ist etwa ein historischer Pfad geplant?

Kobold: Nein, ich glaube, die Stadt hat daran kein Interesse. Der Deutsche Alpenverein, Ortsgruppe Eppingen, hatte mal Pläne für eine Kletteranlage, das hat sich aber zerschlagen. Heute gibt es am Waldrand die Eulenhorst-Hütte mit ein paar Tafeln, die historische Hintergründe erläutern. Das ist gut so, wie es ist

 
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