Kraichgau-Bier auf Welttournee
Kuckucksuhren, Dirndl, Palmbräu: Das ist der gastronomische Dreiklang in einer der ungewöhnlichsten Kneipen Singapurs. Bier aus Eppingen wird nicht nur in Fernost goutiert, sondern auch im Hochgebirge. Ein Edelgebräu aus Bad Rappenau hat es an der Waterkant zum Szenedrink gebracht.

"Stuttgart Blackforest Boutique S-Café" heißt der Laden. Bisschen viel auf einmal. Zumal die urige Kneipe in Singapurs Zentrum mit Boutique-Gastro auf Anhieb so viel zu tun hat wie Stuttgart mit dem Schwarzwald. Doch das nimmt man hier nicht so genau. An den Wänden aus groben Holzplanken hängen Kuckucksuhren, die Damen vom Service tragen bayrische Dirndl, und auf der Karte stehen Schweinshaxe und andere deftige Genüsse – und natürlich Palmbräu. Eine Flasche des Biers aus Eppingen geht für umgerechnet elf Euro über den Tresen.
Die deutsche Anzeige in der englischen Speisekarte ist auffällig: „Palmbräu. Das Original“, steht da. Dass die Eppinger Brauerei mit Alpirsbacher Klosterbräu und Engel aus Crailsheim als Stuttgarter Premium-Bier ausgegeben wird, geht aus asiatischer Sicht völlig in Ordnung. Es liegt ja relativ dicht beieinander. Der Betriebsleiter in Eppingen, Oliver Kohler, ist stolz darauf, es in die weit entfernte Gaststätte geschafft zu haben. „Das ist schon toll.“ Ohnehin kommt Palmbräu immer wieder nach Asien.
Lustiger Name
Einst importierte sogar ein Neckarsulmer das Bier nach Malaysia, erzählt Kohler. Fast schon um die Ecke liegt da der Tresen in der Heilbronner Hütte, an dem Palmbräu ausgeschenkt wird. Dennoch ist es „recht abenteuerlich“, die 50-Liter-Fässer in die Alpen zu bringen, erzählt Kohler. Mit dem Lastwagen gelangen die 80 Stück zum Saisonstart hinauf. Der achtjährigen Femke aus Kiel hat es der lustige Bier-Name aus Bad Rappenau angetan. Hopfenstopfer, verrät ihr Vater Lars Müller, war eine zeitlang das Lieblingswort seiner Tochter. Es wurde ihm fast schon zu viel, so häufig sagte sie das Wort. Und überhaupt: Was denkt die Schule, wenn herauskommt, worüber die Kleine da eigentlich redet? Was denken Lehrer, wenn sie nicht wissen, wofür das Wort steht? Dass Femke das Bad Rappenauer Getränk kennt, hat mit dem Nebenberuf ihres Vaters zu tun.

Der 35-Jährige betreibt in Kiel ein Fachgeschäft für Craft Beer, Brewcomer. Für Hopfenstopfer ist es die nördlichste Verkaufsstelle. In einer kleinen Nebenstraße in Kiel mit den typischen Backsteingebäuden befindet sich Lars Müllers übersichtlicher Laden, der nur freitags und samstags öffnet. Mittendrin: ein paar Hopfenstopfer-Flaschen. Aufmerksamkeit erregte das Bad Rappenauer Bier „nicht wegen des Etiketts“, vergleicht der Ladenbesitzer das unscheinbare Emblem aus dem Kraichgau mit den Hinguckern der Konkurrenz. „Der Name ist cool“, findet der Kieler, der einen Weizenbierblog hat.
Neugierde geweckt
Letztendlich war es die Bezeichnung, die seine Neugierde weckte: In Szenekreisen seien die Bad Rappenauer Biere Klassiker gewesen, er entdeckte sie außerdem in Hamburg und in Münster - „dann waren sie gesetzt.“ Die Flaschen bezieht er über einen Hamburger Händler. „Es gibt abgefahrene Sude“, schaut Lars Müller auf die vielfältigen Angebote im Craft-Beer-Bereich, Hopfenstopfer sei anders. „Es ist solide, man kann sich auf die Qualität verlassen.“ Im Sortiment hat er nur zwei Craft-Beer-Sorten aus der Kurstadt: Citra Ale, eher etwas für Einsteiger, meint er. Und Incredible Pale Ale - für Fortgeschrittene, so Müller.
Lars Müller handelt mit 100 Sorten von 50 Brauereien, Häffnerbräu gehört mit zu den südlichsten, die bei ihm zu haben sind, und zählt zu den außergewöhnlichsten: Die meisten Kunden kommen ins Fachgeschäft, um viele verschiedene Biere zu probieren. Hopfenstopfer hingegen wird auch zwei, drei Mal hintereinander gekauft. Das wirkt sich auf Lars Müllers Bestellungen bei seinem Händler aus. „Es ist eines der wenigen, von denen ich auch einmal zwei Kisten kaufe.“
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