Kleine Denkmale voller Geschichte
Gehört das Land Württemberg oder Baden? Oberhalb von Kleingartach stehen 50 bis zu über 500 Jahre alte Grenzsteine. Der Lehrpfad beginnt mit einem seltenen Dreimärker aus dem Jahr 1814, der die ehemalige Grenze zwischen Kleingartach, Michelbach und Eppingen markiert.

Ein Weg mit in Stein gemeißelter Geschichte verläuft durch die Birnbaumallee nordwestlich von Kleingartach und führt in den Wald von Eppingen. Den rund zwei Kilometer langen Grenzsteinpfad schmücken 50 Kleindenkmale: Dreißig von diesen historischen Zeugnissen sind an dem Feldweg aufgestellt, 20 befinden sich innerhalb des Waldes entlang des alten baden-württembergischen Grenzweges. Wie in einem Mini-Freiluftmuseum sind sie beschildert mit Hinweisen und Erläuterungen.
Spontane Führung im Mini-Freiluftmuseum
An diesem sonnigen Frühlingstag haben den Pfad zwischen Feldern und den stattlichen Birnbäumen zwei Wanderer aus dem württembergischen Nordheim zufällig auf ihrem Weg von der ehemaligen Leinburg zum Ottilienberg entdeckt. "Wir gehen jetzt zu den Gelbfüßlern", sagt Kurt Plieninger witzelnd. Der 60-Jährige spricht damit den Necknamen von Schwaben für Badener an. "Er hat diesen Weg ganz liebevoll gemacht", sagt Christa Plieninger über Gotthilf Sachsenheimer. Spontan hat der Lehrpfad-Verantwortliche vom Heimat- und Kulturverein Kleingartach dem Ehepaar eine kleine Führung gegeben. Ihr Mann fügt hinzu: "Es ist wertvoll, wenn sich jemand in ein solches Thema reinkniet. Sonst gehen kleine alte Zeugnisse wie diese verloren."
Bei Interesse bietet Sachsenheimer außerhalb von Corona-Zeiten Gruppen auch Führungen an. "Jeder Stein hat seine Geschichte", sagt der 77-Jährige. Sein Vater habe ihm als Kind bei Spaziergängen durch den Eppinger Wald die Grenzsteine gezeigt. "Erst ab 1843 gab es Flurkarten, "bis dahin waren die Grenzzeichen eine wichtige Sache." Sie sind aus Sandsteinbrüchen der Umgebung und bildeten die Gemarkungen für Flure, Besitztümer, Königreiche.

Auch heute werden Grenzpunkte verwendet, aber diese kleinen vermessungstechnischen Kennzeichnungen auf dem Boden sind leicht zu übersehen. Sie zeigen etwa den Übergang zwischen Stadtbezirken oder Privateigentum. Eine Beschädigung der Steine hat früher harte Strafen nach sich gezogen, "im Mittelalter konnte man gar mit dem Tode bestraft werden", weiß Sachsenheimer.
Dem Vergessen vorbeugen
Um dem Vergessen dieser Symbole vorzubeugen, beging der Mechanikermeister 2007 einen klassischen Grenzumgang, wie das bis ins 19. Jahrhundert Gemeinden etwa alle sieben Jahre praktizierten, mit Stadtschreibern und vielen Bürgern. Sachsenheimer dokumentierte jeden Stein, viele lagen umgekippt im Wald.

Dreißig beschädigte Kleindenkmäler haben er und ein Steinmetz restauriert. 2009 war die feierliche Einweihung des Weges. Der Grenzsteinpfad oberhalb der Eppinger Ortschaft Kleingartach ist selten in Baden-Württemberg, einzig in Wildberg im Schwarzwald gibt es einen weiteren.
An der zwischen Feldern gelegene Birnbaumallee zu entdecken sind uralte Markierungen ab 1365, als die Grenzen gezogen wurden. Der älteste dokumentierte Stein ist der aus dem Jahr 1515. Auf ihm ist ein Hirschgeweih eingemeißelt, das Zeichen für das Königreich Württemberg.
Auf vielen der Steine ist an einer Seite das Kleingartacher Wappen, ein Burgturm zu sehen. Die Rückseite schmückt etwa ein MB für Michelbach oder ein E für Eppingen. Auf anderen Grenzsteinen, sogenannten Zehntsteinen ist ein Schlüssel, symbolisch für das Ritterstift Wimpfen zu erkennen. An das
Stift mussten die Landnutzer bis zur Reformation eine zehnprozentige Steuer abgeben. Besonders sind auch Dreimärker, große dreieckige Steine zwischen drei Gemarkungsgrenzen wie etwa Eppingen, Kleingartach und Niederhofen.
Kombinieren lässt sich dieser Erlebnisspaziergang auch gut mit dem sich anschließenden biblischen Weinpfad, der in zwölf Stationen von der Birnbaumallee bis zur Weinbaustube in der Ortsmitte von Kleingartach führt. Dort kann gleich auch der dritte Themenweg der Eppinger Ortschaft erkundet werden: der Weidenlehrpfad am Seebach.

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