Karikaturen zu Altersdemenz
Ausstellung "Demensch" mit Cartoons von Peter Gaymann

Die Fußgängerampel zeigt Rot. Dessen ungeachtet schlurft ein alter Mann mit Rollator über den Zebrastreifen Richtung Bäcker. "Hallo! Es ist Rot!!" brüllt sichtlich entnervt ein sonnenbebrillter, schnittiger Cabrio-Fahrer dem Senior zu. "Na dann halt an!" entgegnet der cool. Ein Motiv, das Gegensätze aufeinanderprallen lässt: hier das PS-starke, schnelle Leben der Jungspunde, dort der verlangsamte Trott der Generation Rock’n’Rolli.
Komik Die Beschwerlichkeit des Alters samt unfreiwilliger Komik, zeigt die Wanderausstellung "Demensch", ein Worthybrid aus Demenz und Mensch. Aus der Feder des Cartoonisten Peter Gaymann sind derzeit 18 Motive im Foyer der Mauritiuskirche zu sehen.
Bekannt wurde der 1950 in Freiburg geborene Grafiker und Schriftsteller Peter Gaymann vor allem durch seine Hühner-Bilder. Immer auf Suche nach der perfekten Zeichnung, einem Dreiklang aus Farbe, Form und Witz gewesen, sei er zufällig aufs Huhn gekommen.
Er habe für eine Serie alle möglichen Tiere gemalt, unter anderem eben auch Hühner. "Das merkwürdige war nur, dass die Hühner ohne mein Zutun eine ganz eigene Karriere hingelegt haben. Das Publikum reagierte stärker auf sie als auf alles andere", erinnert sich Gaymann in einem Interview.
Des Dauerbrenners überdrüssig habe er mit einem Kochbuch das Huhn-Motiv endgültig in die Pfanne hauen wollen − hat aber nicht geklappt. Vor allem Frauen seien verrückt nach Hühnern. Psychologisch gut beraten ist ihnen die Deutsche Post AG 2014 entgegengekommen und hat mit zwei Sondermarken − "Frohe Ostern" (45 Eurocent) und "Für Dich" (60 Eurocent) − dem Huhniversum ein Denkmal gesetzt. Mittlerweile altersmilde hat sich der 66-jährige Humorist einerseits mit dem Unveränderlichen abgefunden, andererseits ist er auch seiner Lust auf etwas Ernstes gefolgt. Seit ein paar Jahren rückt Gaymann altersbedingte Beschwerden, unter anderem das Thema (krankhafte) Vergesslichkeit, in den Fokus.
Sind Karikaturen über Demenz denn politisch korrekt? "Ja!" sagt der Gerontologe Thomas Klie, mit dem Gaymann bei dem Projekt zusammenarbeitet: "Humor hat die Kraft, die drückende Sicht auf Probleme zu entschärfen. Solange man sich nicht über Menschen lustig macht, die an Demenz leiden, wohl aber die Situationskomik aufs Korn nimmt, tragen Scharfsinn und Esprit dazu bei, die gesellschaftliche Wahrnehmung von Demenz zu entkrampfen.
Überzeichneter Humor schafft, was sonst nur schwer gelingt: Das Thema Mensch und Demenz aus der Ecke zu holen − mitten in die Gesellschaft, wo es hingehört."
Alltag Gaymann setzt den Alltag von Menschen in Szene. Ob mit oder ohne Demenz, er zeigt sie im Dialog und auf Augenhöhe. Berührende Momentaufnahmen locker aquarelliert, nie derb, aber dennoch aussagekräftig wie das Stammtischgespräch bei einem Glas Wein: "Hauptsache gesund!" sagt der eine, und der andere antwortet: "Alles andre kannste vergessen!"
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