Naturkindergarten Hüffenhardt: Im Herbst könnte es losgehen
Der Hüffenhardter Gemeinderat entscheidet sich für eine Hütte auf dem Gelände des geplanten Naturkindergartens. Auch ein Bauwagen stand zur Diskussion.

Dass Hüffenhardt einen Naturkindergarten bekommen wird, steht schon länger fest. Und auch auf ein geeignetes Grundstück am Waldrand hinter dem Umspannwerk hat man sich bereits geeinigt. Ob dort ein Bauwagen oder eine Hütte stehen wird, wurde in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats hingegen ausdauernd diskutiert. Denn ein Bauwagen für 152 000 Euro und eine Hütte für über 200 000 Euro bedeutete für die Mitglieder des Rats nicht nur einen finanziellen Unterschied.
"Ich finde, man sollte sich auf das Wesentliche konzentrieren", erklärte Bernd Siegmann. Und das sei ein Bauwagen. Damit sprach er vielen seiner Ratskollegen aus der Seele, denn ein Natur- oder Waldkindergarten wird meistens mit einem solchen Wagen in Verbindung gebracht. Für die zukünftige Leiterin Ute Beck, die seit dem 1. Januar für die Gemeinde arbeitet und auf 20 Jahre Erfahrung in dem Bereich zurückschauen kann, bietet eine Hütte allerdings nicht nur pädagogische Vorteile: "Wir könnten so eine Einrichtung schaffen, die eine wertvolle Arbeit zulässt."
Nachteile bei Bauwagen
Außerdem habe sich das Wetter in den vergangenen Jahren geändert, es gebe immer öfter Stürme. "Und dann muss man den sicheren Hafen verlassen und eine Schutzhütte im Ort aufsuchen", so Beck. Das wäre allerdings nur bei einem Bauwagen der Fall.
Gemeinsam mit Ortsbaumeister Torsten Hahn hat die Pädagogin beide Varianten durchgespielt und versucht, "pädagogische und bauliche Aspekte in Einklang zu bringen", so Beck. Und auch Hahn sprach sich eindeutig für eine Hütte aus, die drei Mal größer sei. "Außerdem ist ein Bauwagen nicht gut isoliert", gab er zu bedenken.
Und mit dem Kauf wäre es nicht getan, denn zusätzlich müsste ein Vordach installiert werden. Größtes Manko neben den baulichen Bedenken ist für Torsten Hahn allerdings die Lieferzeit eines Bauwagens. Momentan liegt die bei rund einem Jahr, der Kindergarten soll aber bereits im Herbst eröffnet werden.
Lernprozess und Nachhaltigkeit
Einer, der sich nun klar für die Hütten-Lösung ausgesprochen hat, ist Erhard Geörg. Ursprünglich war er von dem Plan, einen Naturkindergarten zu eröffnen, zwar nicht begeistert. "Aber ich finde, wir sollten jetzt nicht kleckern und lieber ein richtiges Gebäude hinstellen", so der Gemeinderat. Für den Moment würde man zwar Geld einsparen. "Aber was ist mit später?"
Damit spielt Geörg auf die verfügbaren Plätze an. Zwar könnte man bei beiden Varianten rund 20 Kinder aufnehmen, im Bauwagen wäre es aber wesentlich beengter. Der vorgeschriebene Arbeitsplatz für die Leiterin könnte dort ebenfalls nicht eingerichtet werden.
Das Interesse an einem Platz im Naturkindergarten sei da, berichtete Hauptamtsleiterin Karin Ernst. Bisher sei die Nachfrage zwar nicht so groß, um die geplante Einrichtung direkt auszulasten. "Aber wenn die steigt, bräuchten wir vielleicht einen zweiten Bauwagen. Also möchten wir es gleich richtig machen", so Ernst, die mit einer hohen Förderung durch den Ausgleichsstock rechnet. "Wir wollen 60 000 Euro beantragen", erklärte sie. Doch nicht nur die Bauweise wurde diskutiert - auch die Heizmöglichkeiten standen zur Debatte. Laut Torsten Hahn wäre eine elektrisch betriebene Heizung an dem Standort nicht möglich. Weshalb er gerne eine Gasheizung einbauen möchte. "Ist das wirklich nötig? Wäre nicht auch Holz oder gar keine Heizung möglich?", wollte Gemeinderat Oliver Hohenhausen wissen.
Eine "Vollausstattung" würde in seinen Augen weit weg von der Idee eines solchen Kindergartens abkommen. "Für eine Betriebserlaubnis ist eine Heizung aber nötig", entgegnete Karin Ernst.
Letztendlich stimmte lediglich Bernd Siegmann für die Bauwagenlösung. Mehrheitlich entschied sich das Gremium für eine Hütte.
Bio-Toilette
Der Naturkindergarten in Hüffenhardt soll im Herbst eröffnet werden. Zusätzlich zu der Hütte würde dann auch ein Bio-WC gebaut werden, das laut Torsten Hahn ähnlich wie ein Plumpsklo funktioniert und für die Sägemehl nach dem Toilettengang benutzt wird. Toilettenpapier wird nicht in den Eimer geworfen, sondern beispielsweise in Tüten gesammelt. "Das Ganze ist komplett bio und könnte sogar im Wald ausgeleert werden", erklärt Torsten Hahn. Soweit wird es allerdings nicht kommen, der Eimer wird regelmäßig, im Sommer sogar täglich ausgetauscht.
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