Getreide wie aus Ötzis Speisekammer
Ein Eppinger Betrieb baut Urkorn an. Dazu zählen Dinkel, Blue-Velvet-Urdinkel, Einkorn, Emmer, Waldstaudenroggen und Khorasan-Weizen. Diese Sorten gelten als robust und wertvoll für die Ernährung, benötigen aber mindestens einen Bearbeitungsschritt mehr.

Der Bauernhof von Reinhard Hecker in Eppingen ist umgeben von Getreidefeldern. Treckerfahrer erscheinen mit voll beladenen Hängern und schütten das Getreide in der neu errichteten Lagerhalle ab. Von dort wird das Korn mit Radladern in einen Trichter verfrachtet und per Förderband an seinen endgültigen Lagerplatz transportiert. Das angelieferte Korn ist Dinkel, ein Urkorn.
"Wir haben uns auf alte Getreidearten spezialisiert", erläutert Hofinhaber Reinhard Hecker. Dinkel, Blue-Velvet-Urdinkel, Einkorn, Emmer, Waldstaudenroggen, Khorasan-Weizen heißen einige der alten Getreidearten, die von dem Eppinger Betrieb angebaut und weiterverarbeitet werden. Getreideanbau betreibt der Familienbetrieb schon seit 60 Jahren. Urkorn-Sorten baut die Familie erst seit zehn Jahren an.
Warum urwüchsiges Korn im Trend liegt
"Alte Getreidesorten liegen stark im Trend", weiß Hecker zu berichten. Immer mehr Menschen würden die Vorzüge der urwüchsigen Getreidearten schätzen und die Körner, beziehungsweise das daraus gewonnene Mehl in ihre Küche integrieren. Urkorn ist laut Hecker sehr robust, sodass der Betrieb ohne chemisch-synthetischen Pflanzenschutz auskomme. Das Getreide sei für viele Menschen bekömmlicher, als moderne Hochleistungs-Sorten. In Ötzis Provianttasche habe man Einkorn gefunden, erzählt Hecker. "Seine Nahrung kann nicht schlecht gewesen sein, wenn er sich 3000 Jahre lang so gut gehalten hat."
Natürlich gibt es auch Nachteile. Die ursprüngliche Genetik der Pflanzen bringt mit sich, dass die Hektarerträge niedriger ausfallen, als bei modernen Getreidesorten. Und Urkorn-Sorten benötigen eine Verarbeitungsstufe mehr: Während die Körner der gängigen modernen Getreidearten Weizen, Gerste und Roggen im Mähdrescher bereits aus der Spelze gelöst werden, kommt Urkorn in seiner Schale auf den Hof. Dinkel, Emmer, Einkorn und Co. müssen erst in die Schälmaschine rein. Dort wird die Spreu vom Korn getrennt. "Wir haben uns vor fünf Jahre eine solche Anlage zugelegt", berichtet der Landwirt. Die ganze Familie arbeitet im Betrieb mit, vier Mitarbeiter sind beschäftigt. Silas Hecker sichert als Mitinhaber und Juniorchef die Betriebsnachfolge.
Was den Unterschied zu modernen Getreidesorten ausmacht
Durch die Partnerfirma Urkornpuristen wird das Getreide von Reinhard Hecker zu feinstem Mehl pulverisiert. Der wertvolle Keimling wird dabei nicht entfernt, so dass das volle Korn im Mehl enthalten bleibt. Zum Angebot der Urkorn-Puristen zählen Mehl, Getreide, Flocken und Backmischungen. Zum Kundenkreis des Eppinger Betriebs zählen Mühlen, Bäckereien und Privathaushalte. Einen Hofladen betreiben die Urkornpuristen nicht nicht. Dafür einen Online-Bestellservice mit Lieferung oder Selbstabholung ab Hof.
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