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Gemeinde Kirchardt entzieht Hitler die Ehrenbürgerschaft

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Signal: Die Kirchardter Gemeinderäte votieren geschlossen und entziehen Adolf Hitler, Paul von Hindenburg sowie Heinrich Robert Wagner die Ehrenbürgerwürde. Damit reagiert die Gemeinde auf anhaltende Kritik am Umgang mit den historischen Protagonisten.

Ehrenurkunden, Straßennamen, Patenschaften und Co.: Der Umgang mit historischen Protagonisten unterliegt der kommunalen Selbstverwaltung. Das Bild zeigt die Hindenburgstraße in Eppingen. 
Foto: Franz Theuer
Ehrenurkunden, Straßennamen, Patenschaften und Co.: Der Umgang mit historischen Protagonisten unterliegt der kommunalen Selbstverwaltung. Das Bild zeigt die Hindenburgstraße in Eppingen. Foto: Franz Theuer  Foto: Theuer, Franz

Hitler ist nicht mehr Ehrenbürger von Kirchardt. Mit einem Beschluss hat der Gemeinderat am Montag einstimmig bekräftigt, dass der entsprechende Ehrenstatus für Adolf Hitler, Reichspräsident Paul von Hindenburg sowie Reichspolizeikommissar Robert Wagner aberkannt wird. "Die Gemeinde setzt damit ein klares Zeichen, dass Kirchardt mit den genannten Personen nichts mehr am Hut hat", so Bürgermeister Gerd Kreiter.

Nach der bisherigen Rechtsauffassung der Gemeinde ist die Ehrenbürgerschaft Hitlers, Hindenburgs und Wagners mit deren Tod erloschen. Dies war bereits 1978 vom Gemeinderat festgestellt worden. In seinem Buch "Dies eine Leben" (2006) hatte Autor Gunter Haug die Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hitlers in Kirchardt kritisch hinterfragt und damit eine Diskussion losgetreten. Der Gemeinderat beschloss im Jahr 2010, die 1978 vorgenommene Distanzierung zu bekräftigen. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Heilbronner Kaffeehaus Hagen im Februar dieses Jahres unter der Moderation von Gunter Haug stand der Umgang der Gemeinde Kirchardt mit der fragwürdigen Ehrenbürgerschaft erneut im Fokus.

Letzte Zweifel ausräumen

In den letzten Monaten sei "von einzelnen Personen außerhalb Kirchardts" behauptet worden, dass Hitler, von Hindenburg und Wagner immer noch Ehrenbürger der Gemeinde Kirchardt seien, so steht es in der Beschlussvorlage. Mit dem förmlichen Beschluss wolle man "den letzten Zweifel" ausräumen.

Der Gemeinderat verabschiedete auch eine Resolution. Inhaltlich geht es um die Ächtung von Gewalt aller Art und die Förderung von Toleranz unter anderem gegenüber Minderheiten sowie um ein "soziales, vielfältiges und friedliches Miteinander."

Als Beweggrund für die Resolution nannte Kreiter die Anschläge von Hanau, Chemnitz oder Halle. Sie seien die prominentesten Beispiele für die Zunahme von Hass und Gewalt. Auch die Verbreitung von Hassbotschaften, die Hetze gegen Andersdenkende und die Diskriminierung von Minderheiten nehme im Alltag zu. "Rettungskräfte, Politiker jedweder Couleur, Amtsträger, Schiedsrichter von der Bundes- bis zur Kreisliga, Pressevertreter oder Angehörige von Minderheiten, Polizisten und viele mehr sind davon betroffen", so der Bürgermeister in seiner Ansprache.

Was die Resolution bewirken soll

Diese Entwicklung sei eine Gefahr für die freiheitlich demokratische Grundordnung und für das friedliche Miteinander. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dieser Entwicklung in aller Deutlichkeit entgegenzutreten. "Wir schlagen vor, mit der Verabschiedung einer Resolution deutlich zu machen, dass bei uns in Kirchardt Hass, Gewalt, Hetze und Diskriminierung nicht erwünscht sind."

Als einziger Redner nahm der Fraktionsvorsitzende der SPD, Gerd Wolf, zu der Beschlussvorlage Stellung. Er erinnerte an Gewalt im Alltag und im Sport. Es sei eine "rote Linie" überschritten. Zur Aberkennung der Ehrenbürgerschaft Hitlers, von Hindenburgs und Wagners sagte der Gemeinderat: "Das sind Leute, die die Menschen- rechte in der Nazizeit mit Füßen getreten haben."

Die Kommunen haben das Recht, zu bestimmen, wer geehrt wird

Mit dem aktuellen Beschluss Kirchardts könnte der Umgang mit problematischen Protagonisten der Zeit des Nationalsozialismus und der Weimarer Republik hier und da wieder auf die Tagesordnungen der Städte und Gemeinde kommen. Der Umgang mit dem Thema unterliegt der kommunalen Selbstverwaltung.

Die Gemeinde Kirchardt verfügt mit Rudi Kübler aktuell über einen Ehrenbürger. Der heute 70-Jährige war von 1984 bis 2016 Bürgermeister der Gemeinde.

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