Gaudiwurm beim Leiergassenumzug in Eppingen bejubelt
"Und von was träumsch du so nachts?" Unter diesem Motto schlängelte sich der Gaudiwurm beim Leiergassenumzug durch Eppingen. Die Zuschauer waren begeistert von der Kreativität der Teilnehmer - und die haben noch immer was in petto.
Die Menschen träumen von den unterschiedlichsten Dingen. Von einer Bar am Rohrbach zum Beispiel, vom Weltmeistertitel oder von einer weißen Weihnacht. Wer gar nicht zum Träumen kommt, der muss Schäfchen zählen. "Und von was träumsch du so nachts?" lautete am Sonntag das Motto des Leiergassenumzugs in Eppingen. Zum Schlafen kam hier allerdings niemand, als sich der Gaudiwurm vorbei an jubelnden Zuschauern durch die Gassen der Altstadt schlängelte.
Offiziell organisiert wird der Leiergassenumzug von Kolping Eppingen. "Am Anfang, 1997, war das ein freier Haufen mit 15 Leuten und dann hat sich das so nach und nach entwickelt", erzählt Peter Wieser, der vor dem Start noch die einzelnen Gruppen einweist. Familiär und gemütlich soll der Umzug aber immer noch sein. Gruppen von außerhalb sind kaum zu finden, dafür aber viele Familien und Vereine. Wie viele es sind, kann er gar nicht sagen. "Manche sind nur zu zweit oder zu dritt, die melden sich nicht an, sondern kommen spontan." So wird der Umzug noch ein Tick bunter.
Familie Auchter/Mairhofer & Co steht bereit. "Vier Generationen sind dabei und alle stammen ursprünglich aus der Leiergasse", erzählt Vera Schubert. Sie sind als Weihnachtsmänner oder als Christkind verkleidet, denn sie sind es, die von einer weißen Weihnacht träumen. Sogar ein geschmückter Weihnachtsbaum ist dabei. "Der stand noch bei uns im Hof und passte jetzt perfekt, der nadelt nicht mal." Fasching for future nennen sie ihren Auftritt, auf einem Schild ist "CO2 stoppen für Schneeflocken" zu lesen.
Die Hexen scheinen Eppingen zu boykottieren
Aber es gibt nicht nur schöne Träume. Der Eppinger Albtraum schlechthin ist der Hexenkessel-Unfall beim Nachtumzug. "Das bewegt die Menschen heute noch, der hat den Eppinger Fasching für immer verändert", meint einer der schwarz geschminkten Teilnehmer. Früher seien viele Zünfte auch beim Leiergassenumzug mitgelaufen. Tatsächlich, nur die Sulzfelder Waldknozer halten die Hexenfahne oben und mittendrin sind auch zwei Eppinger Hexen zu sehen.
"Die Hexen scheinen Eppingen jetzt zu boykottieren", stellt auch Lisa Brune fest. Sie steht mit ihren kleinen Töchtern Lara (5) und Laura (2) gleich zu Beginn in der Leiergasse. "Da müssen wir nicht so lange warten und können auch wieder nach Hause, wenn es den beiden zu viel wird." Doch als der Zug dann nur 15 Minuten braucht, um komplett an ihr vorbei zu ziehen, ist sie doch enttäuscht. "Das ist schon erschreckend wenig", findet sie. Deswegen gehen die drei auch noch mal hoch an die Brettener Straße und schauen sich alles von vorne an.
Mitten im Spektakel gibt es Zugabe-Rufe
Hier zieht der Gaudiwurm deutlich langsamer vorbei. Das liegt auch am Männerballett, das immer mal wieder eine seiner begehrten Tanzeinlagen zum Besten gibt. "Zugabe, Zugabe", rufen die Menschen auf dem gut gefüllten Marktplatz. Mehrreihig stehen sie nicht nur hier und beobachten das Spektakel.
Die Besucher sehen jede Menge Schäfchen, die über mitgeschleifte Zäune springen, hüpfen im Takt mit der Stadtkapelle, die trotz Schlafmützen gar nicht schläfrig daher kommt und jubeln den Traumfröschen zu, die sich vielleicht doch noch mal in den einen Prinzen verwandeln. Überall ist Musik zu hören, meiste sind es Faschings- und Ballermann-Hits. Dass es auch anders geht, beweisen die Tube Creeks aus Rohrbach, die auf ihrem Wagen live Rockmusik zur Begeisterung der Zuschauer spielen.
Immer neue Ideen fürs passende Motto
Ein Motto für einen Faschingsumzug ist eher ungewöhnlich, doch Peter Wieser und seine Mitstreiter geben das ganz bewusst vor. "Die Herausforderung ist ja, sich was dazu einfallen zu lassen und die Leute bekommen nicht jedes Jahr dasselbe zu sehen", erklärt der Organisator. Auch Kolping hat inzwischen einen begehbaren Speicher, der als Fundus dient. "Es ist schon Kult, sich richtig Mühe zu geben, vieles wird selbst gebastelt und das ist dann immer schon ein Event für sich."
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