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Seit fünf Jahren gibt es in Wollenberg einen Freizeitclub - Langeweile den Kampf angesagt

Von Karoline Beck

"Jetzt probiere ich was", dachte sich Harry Fortwingel, nachdem er sich zwei Jahre lang mit angehört hatte, dass in Wollenberg nichts los sei. Vor sieben Jahren war der heute 42-jährige Kaufmann nach Wollenberg gezogen und besuchte öfter mal am Sonntagmorgen den Stammtisch, um sich ins Dorfleben zu integrieren. Dort hörte er immer wieder: "In Wollenberg gibt's nix." Er hingegen ist der Ansicht: "Es lohnt sich nicht, für Freizeitaktivitäten nach Bad Rappenau zu fahren. Das ist für beispielsweise eine Stunde Gymnastik oder Tischtennis zu aufwändig."

Um diesen unbefriedigenden Zustand zu ändern, suchte er Gleichgesinnte. Fortwingel erinnert sich: "Nach einigen Info-Abenden probierten wir es ein Jahr lang miteinander, und seit 2000 ist der Wollenberger Freizeitclub ein eingetragener Verein."

Schnell fand der Club in dem 390-Seelen-Dorf guten Zuspruch und zahlreiche Mitglieder. Von da an wurde gemeinsam Tischtennis gespielt, Joga und Gymnastik geübt und Fitnesstraining mit Geräten betrieben. Wichtig ist den Freizeitclub-Mitgliedern auch der Aufenthalt in freier Natur. "Zweimal jährlich machen wir eine größere Wanderung. Traditionell am 3. Oktober mit Einkehr und einmal im Sommer mit anschließendem Grillfest", erzählt der Vereinsvorsitzende. Kleinere spontane Wanderungen gibt es häufig zwischendurch. Ein großer Ausflug kommt noch hinzu, der vom Verein finanziert wird. Auf dem Rad sind die Männer und Frauen auch mit Kind und Kegel unterwegs. Das Alter der 58 Mitglieder liegt zwischen sechs und 85 Jahren.

Der große Höhepunkt im Jahr ist für die Wollenberger und auch für den Verein der Jakobimarkt. Seit Bestehen des Freizeitclubs bewirten die Mitglieder die Gäste auf dem Kelterplatz und sorgen mit fetziger Live-Musik für gute Stimmung. Zehn Prozent vom Erlös geben sie für wohltätige Zwecke ab. Im Wechsel werden die Feuerwehr, der Kindergarten und auch die Kirche bedacht. Stolz ist Harry Fortwingel, weil der Freizeitclub mit seiner Unterstützung zur Renovierung der Kirche beitragen konnte.

Eine Zeit lang gab es beim Freizeitclub auch einen Jugendtreff für sechs- bis elfjährige Jungen und Mädchen. "Wir haben damals viel Tischtennis gespielt, sind zusammen zum Wandern und Pizza essen gegangen oder haben eine Schnitzeljagd veranstaltet", erinnert sich Fortwingel.

Was sich der ehrenamtlich tätige Clubchef wünscht: Das Miteinander möge noch besser werden. "Ich würde mich sehr freuen, wenn die Dorfgemeinschaft noch mehr zusammenrücken würde." Denn der Zusammenhalt zwischen den Wollenbergern, das sei ein wichtiges Anliegen. "Schön wäre es, wenn alle an einem Strang zögen und die freiwillige Feuerwehr, die Kirche, die drei örtlichen Gaststätten und der Freizeitclub den nächsten Jakobimarkt auf dem Kelterplatz gestalten", wünscht sich der Neu-Wollenberger. Er könnte sich vorstellen, dass bereits am Samstagabend etwas für die Jugend veranstaltet wird und dass am Sonntagmorgen ein Gottesdienst im Freien stattfindet. Für neue Ideen, Wünsche und Vorschläge zeigt er sich offen. Jeder - auch Nicht-Wollenberger - seien im Freizeitclub willkommen.

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