Erst gelitten, dann herzlich gelacht
Rappenauer Chefarzt Peter Trunzer begeistert mit Musikkabarett "Mal ernst, mal heiter"

Schlicht der Titel, großartig die Ausführung: Mit Lesung und Musikkabarett unter dem Motto "Mal ernst, mal heiter" hat der Chefarzt der Kraichgauklinik, Peter Trunzer, im Bad Rappenauer Wasserschloss alle Facetten einer besonderen Arztpersönlichkeit vorgestellt.
Die Veranstaltung war schon seit über einer Woche ausverkauft: "Erst wollten wir den Abend im Gewölbekeller abhalten, dann reichten aber die Plätze nicht und wir mussten ins Dachgeschoss umziehen", erklärte die Leiterin der Stadt- und Kurbücherei, Christa Hauß-Allacher. Sie hatte die Idee zu der besonderen Lesung gehabt. Allen, die keine Karte bekommen hatten, versprach die Büchereileiterin eine Wiederholung.
Bescheiden gab sich der Star des Abends: "Ich weiß gar nicht, ob es richtig war, Lesung und Kabarett zusammenzubringen." Er werde aus seinem Buch "Kehrseite" lesen, das die schmerzlichen Erfahrungen einer eigenen Krebserkrankung wiedergibt - und das Publikum anschließend heiter unterhalten, kündigte Trunzer an.
Für das Publikum stellte sich die Frage nicht. Es hatte den Anspruch Trunzers - "Krebs muss gesellschaftsfähig werden" - verinnerlicht und folgte ihm zunächst mehr als 20 Jahre zurück. Zu dem Zeitpunkt, da der damalige Medizinstudenten mit der Diagnose Hodenkrebs konfrontiert wurde. "Damals schrieb ich an gegen die Angst und das Vergessenwerden", meint der Arzt heute.
Tagebuchaufzeichnungen haben Erlebnisse und Empfindungen festgehalten: "Als Patient habe ich mich plötzlich ganz klein gefühlt", schildert Trunzer. Der Student befand sich plötzlich auf die Kehrseite des Medizinsystems. Erlebte die sachliche unbeteiligte Aufnahme in der Klinik - die ebenso unbeteiligt ausgesprochene Diagnose: "Das Alleinsein war das Schlimmste", erinnerte er sich. Wichtig ist dem heutigen Chefarzt einer Nachsorgeklinik, wie es weiter geht - nach der Therapie. Einige Ideen dazu hat er zum Schluss aufgeschrieben.
Freundschaften, Sport, Musik, Kunst und Kreativität sowie "Leben lernen - hier und jetzt" erscheinen ihm wichtig. Und vor allem Humor und Lachen. Dazu gab er seinem Publikum nach der Pause auf umwerfende Weise mehr als eine Stunde Gelegenheit. Mit Unterstützung von Gerhard Knoppek am Akkordeon schlüpfte Trunzer in köstliche Rollen, präsentierte sich als Multitalent. War schüchterner Teenager: "Was meinen Sie, was sich alles auf -üchtern reimt?"; zeigte sich als überzeugter Dicker, begehrenswerter Prinz. Großartig zum Tango-Rhythmus sein "Masseur": "Ich knete alle Stellen, auch die ganz speziellen." Das Publikum, das im ersten Teil des Abends mit dem Arzt gelitten hatte, genoss die erlösende Heiterkeit und entließ Trunzer erst nach einigen Zugaben.
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