Eppingen übernimmt evangelischen Kindergarten
Die Vereinbarung ist unterzeichnet, die Eltern sind informiert. Zum 1. Januar wird die Stadt Eppingen die Trägerschaft des evangelischen Kindergartens am Hellberg übernehmen.

Auch unter der neuen Regie wird die Einrichtung ihr christliches Profil behalten. „Wir sehen das als Weltbild“, bekräftigt Oberbürgermeister Klaus Holaschke.
Kooperation 60 Mädchen und Jungen besuchen derzeit den 1997 eröffneten Kindergarten, der 78 Plätze bietet. Neben einer Regelgruppe gibt es zwei weitere mit verlängerten Öffnungszeiten. Gleich nebenan hat die Stadt vor zweieinhalb Jahren das Kinderhaus eröffnet. „Durch diesen Neubau stellte sich die Frage der Kooperation“, verdeutlicht Pfarrer Friedhelm Bokelmann.
Drei Jahre intensiver Gespräche
Als die Planungen konkreter wurden, ergriff das Rathaus die Initiative. Die Kirchengemeinde zeigte sich neuen Lösungen gegenüber aufgeschlossen. „Wir haben das von Anfang an gefördert“, betont Bokelmann. Als Träger habe man gespürt, dass es zu wenig Betreuungsplätze gebe und eine Entlastung in der Südstadt notwendig.
Drei Jahre intensiver Gespräche endeten jetzt mit einer Einigung. „Das Ziel war klar: eine große, neue Einrichtung“, verdeutlicht Holaschke. Sie sei bei der Betreuung, der Organisation und im Personaleinsatz flexibler.
Zudem müssten bei mehr als vier Millionen Euro Defizit in den Kindertagesstätten, die jährlich bei der Stadt hängen bleiben, wirtschaftliche Antworten gefunden werden. Der Rathauschef nennt ein Beispiel: Gruppen, die nachmittags nicht so stark belegt sind, könnten jetzt am Hellberg zusammengelegt werden. Und eine zweite Kochküche werden jetzt auch nicht mehr gebraucht.
Es gibt weitere triftige Gründe für die Verzahnung der beiden Einrichtungen. Sie nutzen einen gemeinsamen Außenbereich, der ineinander übergeht. Der Kindergarten war von Anfang an zu 100 Prozent ein städtisches Gebäude. Und als es um die Realisierung des Kinderhauses ging, hat die Elise-Doll-Stiftung der evangelischen Gemeinde der Kommune einen Grundstücksteil verkauft. Bokelmann: „Wir waren uns relativ schnell einig, dass es passt.“
Kostenneutrale Regelung
Ein Problem tauchte allerdings während der Verhandlungen auf und zog diese in die Länge. Es ging um die in die kirchliche Zusatzversorgungskasse eingezahlten Beiträge für die Erzieherinnen. Die Stadt hätte hier einen Ausgleichsbetrag von einer Viertelmillion Euro zahlen müssen. Diese Summe ist jetzt vom Tisch, nachdem eine kostenneutrale Regelung gefunden wurde. „Wir sind sehr froh, dass wir es mit dem Personal hinbekommen haben“, meint Holaschke.
Auch unter städtischer Regie würden die Erzieherinnen tarifgerecht bezahlt, versichert der OB: „Es gibt keine Einschnitte.“ Kirche und Stadt orientierten sich an derselben Gehaltstabelle.
„Am 2. Januar wird sich nicht viel ändern“, ist Friedhelm Bokelmann überzeugt. Die Erzieherinnen blieben dieselben, die Betreuungszeiten auch: „Da sind wir um Kontinuität bemüht.“ Christine Senn, die seit 2000 den Hellberg-Kindergarten leitet, bleibt im Haus und wird in der großen Einrichtung Stellvertreterin von Ute Schäfer-Kern.
Qualität statt Quantität
Bislang schon hat die Stadt das Defizit am Hellberg zu mehr als 90 Prozent getragen. Die Mittel, die die evangelische Gemeinde nun nicht mehr aufbringen muss, will sie in ihre beiden anderen Kindergärten stecken.
„Wir sparen nichts und werden fast dasselbe einbringen“, kündigt Bokelmann an, „allerdings auf zwei Einrichtungen verteilt.“ Statt auf Quantität werde hier jetzt auf Qualität geschaut. An der Waldstraße soll zeitnah eine Mittagsverpflegung kommen, und im älteren Kindergarten hinter der Kirche sind räumliche Verbesserungen vorgesehen.
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