Eppingen finanziert Glasfaserkabel nach Elsenz
Schnelles Internet in Sicht: Land und Stadt Eppingen investieren 2,1 Millionen Euro, um eine Glasfaserstrippe über Rohrbach nach Elsenz zu ziehen. Ein Privatanbieter, der den Job erledigt, hat sich nicht gefunden.

Stadt und Land Eppingen investieren 2,1 Millionen Euro, um eine Glasfaserstrippe über Rohrbach nach Elsenz zu ziehen. Jeder potenzielle schnelle Internetanschluss wird mit fast 20.000 Euro subventioniert. Dann muss sich noch ein Betreiber finden, der das Geschenk annimmt. Mit der Faust in der Tasche stimmten die Stadträte dem Vorhaben am Dienstag zu.
Elsenz ist ein weißer Fleck
Die Eppinger Kernstadt und die meisten Stadtteile surfen mit zeitgemäßen Geschwindigkeiten um die 50 Mbit pro Sekunde oder schneller. Elsenz ist ein weißer Fleck auf der Landkarte. Das Schneckentempo von unter zwei Mbit lässt potenzielle Neubürger zweimal überlegen, ob sie nach Elsenz ziehen. Für viele örtliche Unternehmen ist es ein handfester Standortnachteil. Für private Telekommunikationsanbieter ist es nicht attraktiv, in die Infrastruktur zu investieren, um in ländlichen Gebieten einige Hundert Haushalte ans Netz zu bekommen.
"Dann liegt der Ball im Feld der öffentlichen Hand", beschrieb OB Klaus Holaschke im Gemeinderat den üblichen Mechanismus. Dann gehen Kommunen notgedrungen in Vorleistung. Das passiert jetzt auch in Elsenz. Rund 2,1 Millionen Euro wird es kosten, ein 13 Kilometer langes Rohr mit Glasfaserleitungen von Eppingen über das Rohrbacher Gewerbegebiet und weiter über die Felder bis nach Elsenz zu ziehen. Das Land hat fast eine Million Euro Fördermittel zugesagt.
Vorsichtige Prognose: Anfang 2020
Parallel läuft die Ausschreibung für den Netzbetreiber, der die Leitungen dann gegen eine Konzessionsabgabe nutzt und die Elsenzer ins Breitband-Zeitalter befördert. Dabei geht es um ein Potenzial von 1000 Haushalten und 140 Betrieben. Ausgebaut wird nach dem Standard FTTC (Fibre to the curb). Hier endet die Turbo-Trasse in einem grauen Verteilerkasten am Straßenrand, die letzten Meter reisen die Daten auf alten Kupferkabeln. Der Standard kann später ausgebaut werden zu Fibre to the Building, dann reicht die Glasfaser bis ins Gebäude. In den Gewerbegebieten Wiesental und Streitland in Rohrbach und Elsenz wird das schon mit dem jetzigen Ausbau erreicht.
"Es gibt wenige Orte, die so groß, aber immer noch unterversorgt sind", erläuterte Thilo Kübler von der Breitbandberatung Baden-Württemberg. Er geht davon aus, dass es Jahrzehnte dauern wird, bevor sich die Investition durch Konzessionszahlungen amortisiert hat - so sich denn ein Anbieter findet, der zuschlägt. "Das ist keine Garantie", betonte OB Holaschke.
"Wenn die Baumaßnahme fertig ist", so Kübler, "kann der Schalter umgelegt werden." Seine vorsichtige Prognose: Im Frühjahr 2020 könnte Elsenz das Schneckennetz los sein. Die Stadträte begrüßten, dass es voran geht, machten aber auch ihrem Ärger Luft. "Es passt mir nach wie vor nicht, dass das eine kommunale Aufgabe sein soll", nannte Michael Mairhofer (SPD) den Vorgang "eine Schweinerei".
Stadträte verärgert über Vorgang
Auch Peter Wieser von den Grünen sieht darin ein "Riesenärgernis". Die Telekommunikationsunternehmen könnten sich die Rosinen herauspicken. "Das Ganze ist eigentlich ein Trauerspiel für die Bundesregierung."
Das Trauerspiel mit dem Internet soll für die Elsenzer bald vorbei sein. "Das ist dort immer ein großes Thema, vor allem für die Gewerbetreibenden", weiß Melanie Veith (CDU) um die Stimmung im Ort. "Wir müssen diesen Service bringen."
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