Einschreiben zwischen Sprudelkisten

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Seit sechs Monaten ist die Hüffenhardter Postfiliale im Getränkemarkt untergebracht

Von Annette Gast-Prior
Willi Mößner nutzt die Post zwischen Getränkekästen häufig: Ideal findet er die Öffnungszeiten und die Lage.Foto: Annette Gast-Prior
Willi Mößner nutzt die Post zwischen Getränkekästen häufig: Ideal findet er die Öffnungszeiten und die Lage.Foto: Annette Gast-Prior

Hüffenhardt - Das DHL-Schild über dem Eingang zum Getränkemarkt In Drink in Hüffenhardt ist nicht viel größer als ein DIN A4-Papier. Im Ort findet sich kein Hinweis, dass es in der Keltergasse eine Poststelle gibt. Trotzdem findet Ute Göttmann, die Nachmittagsdienst im Getränkemarkt hat, „das wird super angenommen. Die Einheimischen wissen, wo die Post ist.“

„Partnerfiliale“ heißt der Fachbegriff dafür, dass ein Einzelhandelsbetrieb für einen Miet-Obulus der Post Unterschlupf gewährt. In Siegelsbach ist das eine Gärtnerei, in Heinsheim eine Autowerkstatt. Auch zwischen Saft und Wein ist das Postbüro ein Rollcontainer, der alles Nötige enthält. Gelb natürlich. In schönster Ordnung sind Formulare und bunte Briefmarken einsortiert.

Alles, was die Getränkeverkäuferinnen für ihr Zusatzgeschäft wissen müssen, steht in einem großen Ordner. Als der Postbetrieb im Januar eingeführt wurde, gab es eine Woche Schulung für die Mitarbeiterinnen. Was einem selten unterkomme, müsse man einfach nachlesen, weiß Göttmann.

Breites Angebot Die meisten Kunden an diesem Nachmittag kennen sich gut aus mit ihren Sendungen: Bruni Westcott macht Ferien in Hüffenhardt und achtet darauf, dass ihr Brief ins heimische Kalifornien den Luftpost-Aufkleber erhält. Was sich zu schwer anfühlt, wiegt Göttmann digital nach und in „Einschreiben mit Rückschein“ ist sie firm. „Wir haben eigentlich alles“, überlegt sie und rattert los: „Pakete, Retouren, Sperrgut, Großbriefe, Ausland.“ Alles, wozu man einen Computer braucht, kann sie allerdings in Hüffenhardt nicht abwickeln. Wenn Unternehmer Infopost verschicken wollen, muss Göttmann passen, und Geld auszahlen darf sie nicht. Allerdings waren Postbankgeschäfte schon seit 2003 in Hüffenhardt nicht mehr möglich, lange bevor im August 2004 die Post in der Ortsmitte schloss. Damals ging Empörung durch das Dorf, aber auch die Meinung, im Einzelhandel wären Paket- und Briefgeschäfte besser aufgehoben, weil die Öffnungszeiten kundenfreundlicher seien.

Nach ein paar Monaten Vakanz war zunächst der Frisörsalon Styling Team in die Bresche gesprungen. Die Rechnung mit den Öffnungszeiten ging dort nicht auf. Sie hatten sich zuletzt auf eine Stunde an den Vormittagen reduziert, die Verhältnisse waren beengt. Davon kann in Jörg Husters In Drink keine Rede sein. Auf dem Tresen Marke Eigenbau bewegt sich der Briefverkehr zwischen Biergeschenkkorb und neuen Sprudel-Experimenten aus Weißtee und Birne. Die Postkiste steht einträchtig neben Gläser-Kartons, bis Tanja Nothwang pünktlich um vier fröhlich lächelnd zur Abholung erscheint.

Kein Geld verdient Den Schließtag in Jörg Husters Getränkemarkt gibt es nicht mehr: „Wegen der Post“ habe der Laden jetzt sechs Tage die Woche geöffnet, sagt der Rappenauer Geschäftsmann. Die Integration der Postgeschäfte findet er gelungen, „unterm Strich bin ich zufrieden, dass wir das gemacht haben“. Und das Argument anderer Einzelhändler, der Postbetrieb sei ein unprofitabler Nebenerwerb? Huster widerspricht nicht: „Das ist nichts zum Geldverdienen.“ Mittelfristig verspricht er sich aber eine Attraktivitätssteigerung für seine Filiale. Rathaus und Geschäfte sind in der Nachbarschaft, eine Frequenzsteigerung konstatiert Huster schon nach dem ersten halben Jahr. Wenn der eine oder andere Postkunde das Getränke-Angebot nutzt, lohnt sich auch der höhere Personalaufwand.

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