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Bad Rappenau

Eine Freundin, die hilft

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Pia gibt Nachhilfe und ist mit ihren 15 Jahren in Bad Rappenau die jüngste Ehrenamtliche in der Arbeit mit Geflüchteten. Derzeit greift sie Faten unter die Arme. Das Mädchen stammt aus Aleppo und braucht in der Schule Unterstützung.

In Pia (rechts) hat die 15 Jahre alte Faten auch eine Freundin gefunden. Die beiden lernen im Bad Rappenauer Jugendhaus Maximal miteinander. 
Foto: Ulrike Plapp-Schirmer
In Pia (rechts) hat die 15 Jahre alte Faten auch eine Freundin gefunden. Die beiden lernen im Bad Rappenauer Jugendhaus Maximal miteinander. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Für ein Ehrenamt ist man nie zu jung. Das zeigt das Beispiel von Pia, die sich bei der Nachhilfebetreuung im Bad Rappenauer Jugendhaus Maximal engagiert. In der vierten Klasse stieg sie ein, "da hatte ich vergessen, einen Zettel abzugeben", erzählt sie. Zur Strafe sollte sie entweder einen Text abschreiben oder bei der Hausaufgabenbetreuung aushelfen.

Pia entschied sich für die Hausaufgabenbetreuung - und blieb hängen. Seit zweieinhalb Jahren gibt sie der 15 Jahre alten Faten Nachhilfe in Deutsch, Mathe und Englisch und hilft ihr bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten.

Die beiden sind Freundinnen geworden: "Wir haben uns durch Zufall im Jugendhaus gefunden", sagt Pia, während Faten nickt. "Und wir haben uns gleich gut verstanden."

Wunsch nach mehr jungen Ehrenamtlichen

Die 15 Jahre alte Pia besucht das Schmitthenner-Gymnasium in Neckarbischofsheim und ist mit Abstand die jüngste Ehrenamtliche, die sich in der Kurstadt für Geflüchtete einsetzt. Jeanette Renk-Mulder, die Integrationsbeauftragte der Stadt Bad Rappenau, ist stolz auf Pia. "Ich hätte gerne mehr junge Ehrenamtliche", sagt sie. Jugendliche hätten zu jungen Leuten einen anderen Zugang. "Ich bin nicht die Lehrerin, sondern die Freundin, die hilft", sagt Pia. "Und ich gebe immer mein Bestes und hoffe, das es hilft."

Fatens Familie stammt aus dem syrischen Aleppo, wo der Krieg bis zur vollständigen Zerstörung der Stadt wütete. Bevor Faten nach Deutschland kam, war sie noch keinen Tag in der Schule.

"Ich war hier acht Monate lang in einer Vorbereitungsklasse", erzählt sie jetzt in gutem Deutsch. Ihre reguläre Schulzeit begann aber erst in der sechsten Klasse. "Das war ein schwerer Start", sagt Renk-Mulder. Deutsch, Englisch und Mathe - in diesen Fächern muss Faten viel aufholen. Mit Hilfe ihrer Klassenkameraden und vor allem von Pia komme sie aber klar.

Wenn sie was nicht wisse, frage sie - und wenn sie etwas auf dem Herzen habe, könne sie auch jederzeit zu Pia kommen. "Die beiden sind in der gleichen Entwicklungsphase", sagt Renk-Mulder. "Sie ist aber auch intelligent", sagt Pia. "Wenn ich daran denke, dass ich nach Syrien gehen müsste, dann wäre ich auch froh, wenn mir jemand helfen würde", erklärt die junge Rappenauerin mit niedersächsischen Wurzeln ihr Engagement.

Kinder brauchen Unterstützung

"Ich bin froh, dass ich hier in Sicherheit lebe", betont sie. Und sie sei stolz, wenn Faten etwas verstanden habe: "Da freue ich mich mit ihr." Dass Pia ihren Job mit Einfühlungsvermögen, Herz und Verstand macht, das schätzt die Integrationsbeauftragte besonders an ihr.

Einmal die Woche lernen die Jugendlichen miteinander, ihr Verhältnis basiert auf Offenheit und Vertrauen. "Ich bin sehr froh, dass ich diese Hilfe habe", sagt Faten: "Das hat auch schon was gebracht."

Dass Corona und Homeschooling die Situation vor allem für Menschen, die Aufholbedarf haben, erschwert, macht Pia deutlich: "Wenn ich was mit Händen und Füßen erklären kann, dann ist das doch was anderes."

Wer sich für ein Ehrenamt Im Netzwerk Gemeinsam in Bad Rappenau interessiert, kann sich jederzeit an die Integrationsbeauftragte der Stadt, Jeanette Renk-Mulder, Telefon 07264 922-375, oder an ihre Kollegin Dolama Tlass Farzat, Telefon 07264 922376, wenden.

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