Ein schlagkräftiges Duo

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Der Richener Reinhold Gebhard ist fahrender Hufschmied, sein Vater geht ihm zur Hand

Von Alexander Hettich
Packt heiße Eisen an: Reinhold Gebhard aus Richen beschlägt mit seiner mobilen Werkstatt Pferde im Umkreis von 80 Kilometern.
          Fotos: Alexander Hettich
Packt heiße Eisen an: Reinhold Gebhard aus Richen beschlägt mit seiner mobilen Werkstatt Pferde im Umkreis von 80 Kilometern. Fotos: Alexander Hettich

Eppingen- Capriccio heißt der Hannoveraner Wallach, der im Stall beim Hammberger Hof in Ittlingen für die Fußpflege Position bezogen hat. Der Name lässt auf ein launisches Wesen schließen. Aber das Pferd ist die Ruhe selbst, rührt sich nicht vom Fleck, als sich Reinhold Gebhard an die Arbeit macht. „Den beschlage ich schon seit mehr als zehn Jahren“, erklärt der Hufschmied. Man kennt sich.

Mit Respekt Nicht immer läuft die Pferdebesohlung so harmonisch ab. Einmal wurde der Richener von einem Tritt am Knie getroffen, trug monatelang einen Gips. Aber Angst? Nein. „Angst ist in dem Job ein schlechter Berater, Respekt sollte man vor den Tieren allerdings haben.“ Gebhard und sein Vater Reinhard legen ihre ledernen Schürzen an. Der 69-Jährige schnappt sich ein Pferdebein, sein Sohn macht sich mit dem Schneidewerkzeug am Huf zu schaffen. Maßarbeit. Der so genannte Tragrand, der schmale Hornsteg außen am Pferdehuf, auf dem später das Eisen aufsetzt, darf nicht zu kurz geschnitten werden. Sonst hat das Pferd Schmerzen. Auch wenn ein Nagel daneben geht und in den empfindlichen Innenteil des Hufes dringt, leidet das Tier Qualen. „Das ist kein totes Material, mit dem man da umgeht“, betont der frühere Kaufmann Reinhard Gebhard, der sich seit 40 Jahren mit Pferden beschäftigt.

Sein Sohn Reinhold zieht seit 1993 als staatlich geprüfter Hufschmied übers Land. Die mobile Werkstatt im Kleintransporter ist immer dabei: der Amboss, der einen Zentner wiegt. Der Gasofen, um das Eisen auf geschmeidige Temperaturen zu bringen.

Die Zeiten, als Pferdebesitzer ihre Tiere in die Schmiede brachten, sind lange vorbei. „Von 100 Pferden beschlägt man vielleicht noch fünf in der eigenen Werkstatt.“ Der Arbeitsradius des Richeners, der ausschließlich Sportpferden neue Sohlen verpasst, beträgt rund 80 Kilometer. Das fahrende Volk hat laut Gebhard regen Zuwachs. „Das ist eine Boombranche.“

Ganz so weit würde Uwe Lukas nicht gehen. „Der Beruf wird gut angenommen“, drückt sich der Vorsitzende des ersten deutschen Hufbeschlagschmiede-Verbands (EDHV) vorsichtiger aus. Die Berufsausbildung wurde zum Jahreswechsel komplett überarbeitet - und verbessert, wie Lukas findet: „Die Zugangsvoraussetzungen wurden angehoben, das ist auch wichtig bei einem Beruf, der so nahe am Tierschutz ist.“

So viel Zeit muss sein Sorgfalt ist gefragt. Etwa beim Aufbrennen des heißen Eisens auf den Huf, das bei Reinhold Gebhard nur wenige Sekunden dauert. „Damit werden letzte Unebenheiten beseitigt und Bakterien abgetötet“, erklärt der 40-Jährige, der ungefähr eine Stunde braucht für die Prozedur, die bei jedem Pferd alle sechs bis neun Wochen wiederholt werden muss. „So viel Zeit muss sein, das kann man nicht im Akkord machen.“

Fast jedes Pferd wird beschlagen, weil das Reiten auf härterem Untergrund die Hornschicht schneller abnutzt, als sie nachwachsen kann. Die eisernen Glücksbringer erfüllen aber auch einen orthopädischen Zweck und gleichen leichte Fehlstellungen aus. Capriccio hat mittlerweile vier neue Eisen auf den Hufen. Er hat während der ganzen Behandlung nicht einmal gezuckt. Ein letzter prüfender Blick. Das neuer Schuhwerk passt. Wie angeschmiedet.

Auf harten Sohlen: Bevor die passgenauen Eisen auf den Huf genagelt werden, stehen für Reinhold Gebhard und seinen Vater Reinhard einige Arbeitsschritte an.
Auf harten Sohlen: Bevor die passgenauen Eisen auf den Huf genagelt werden, stehen für Reinhold Gebhard und seinen Vater Reinhard einige Arbeitsschritte an.
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