Die Natur hat das Kommando übernommen
Bad Rappenau/Siegelsbach - Einst herrschte höchste Sicherheitsstufe auf dem Militärgelände zwischen Bad Rappenau und Siegelsbach. Jetzt ist es leer. Die Soldaten sind weg, der Zaun bleibt. Ein Rundgang über das abgesperrte Areal zeigt, dass es eine Gegend der Gegensätze ist.
Bad Rappenau/Siegelsbach - Einst herrschte höchste Sicherheitsstufe auf dem Militärgelände zwischen Bad Rappenau und Siegelsbach. Jetzt ist es leer. Die Soldaten sind weg, der Zaun bleibt. Ein Rundgang über das abgesperrte Areal zeigt, dass es eine Gegend der Gegensätze ist.
Glanz dahin
Das Militär ist Geschichte, die Natur hat das Kommando übernommen. Das verdeutlicht ein Rundgang über das einstigen militärischen Sperrgebiet bei Bad Rappenau und Siegelsbach. „Commander“: Die Buchstaben sind auf einem Gebäude im ehemaligen US-Bereich zu lesen, aber der Glanz des einstigen Besatzers ist längst dahin. An Gebäuden blättert die Farbe ab. Wind hat braunes Laub ins Gebäude geblasen. Ein paar Meter weiter eine Bude, durchnummeriert als 2025. Ein Teil des Schuppens ist zusammengebrochen. Das, was übrig ist, bleibt irgendwie windschief stehen.
Bäume sprießen, wo einst der Rasen kurz geschnitten war. Es gibt Straßenabschnitte, an denen man die Häuschen daneben auf die Schnelle kaum mehr erkennt. Der zentrale Tower des Hubschrauberlandeplatzes reckt sich in die Höhe. Klimaanlagen sind noch an den Außenwänden des dazugehörigen Gebäudekomplexes montiert. Braun-grüne Unterstände der Wachposten, Stacheldraht und Warnschilder lassen erahnen, wie hoch gesichert das Territorium einmal war.
Areal der Gegensätze
Das Gelände ist ein Areal der Gegensätze. Häuser, die zusammenkrachen. Moos an den Stufen, die in den großen Speisesaal mit den braunen Fliesen führen. Mittendrin befinden sich aber auch Anwesen wie das mit der Nummer 2051. Einer der letzten Neubauten der Amerikaner aus den 90er Jahren. Kaum gebaut, stand er leer. Das zweistöckige Haus mit dem roten Vordach sieht außen so gepflegt aus, als ob erst gestern der letzte GI den Stützpunkt verlassen hätte.
Verlassen ist auch jener Teil bei Siegelsbach, auf dem bis Ende 2010 die Bundeswehr Hunderte Fahrzeuge und Panzer lagerte. Samen finden überall ihren Nährboden, und so ziehen sich bereits Grünstreifen über Plätze, an denen die Asphaltschicht nicht durchgängig ist. Ein Busch wächst sogar vor der Eingangstür zu einem Quartier, in dem im Untergeschoss die Wände im Sanitärbereich noch weiß sind und wo an einem Brett letzte Hinweiszettel hängen. Müllcontainer sind ordentlich an Hauswänden geparkt.
Und im zentralen Haus Villa Rustica mit dem großen Saal und der Holzdecke stehen in der leergeräumten Küche Teller und Tassen, Gläser und Kaffeemaschinen in den letzten Schränken.

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