Die Initiative "Gemeinsam in Bad Rappenau" organisiert Sammelaktion für Menschen in Nordsyrien
Schlafsäcke, Gehhilfen, Babynahrung: All das wird in Nordsyrien zurzeit benötigt. Viele Bad Rappenauer haben jetzt diese Güter gespendet. Kommende Woche werden sie abgeholt.

"Schlafsäcke kommen da hinten hin, Isomatten direkt daneben." Dolama Tlass Farzat weiß genau, in welcher Ecke welche Warengruppe liegt. Die Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte ist allerdings nicht unter die Lageristen gegangen, sondern sortiert gemeinsam mit anderen Frauen Hilfsgüter, die für die Erdbebenopfer in Nordsyrien in der Riemenstraße 29 in Bad Rappenau abgegeben werden.
Nur neue Kleidung darf verschickt werden
Decken, Kissen, Hygieneprodukte, Masken oder Kindernahrung zum Anrühren: Die Palette ist vielfältig. Doch nicht alles darf gespendet werden. "Kleidung darf nur fabrikneu und mit Etikett verschickt werden, damit die Lkw durch den türkischen Zoll kommen", sagt Dolama Tlass Farzat. "Das ist natürlich unheimlich schade."
Und auch wenn die ehrenamtliche Initiative "Gemeinsam in Bad Rappenau" in den sozialen Netzwerken und den Printmedien auf die strengen Regeln hingewiesen hat, gibt es eine Ecke in der Halle, in der Kleidung gestapelt liegt. Die wird anschließend aber nicht weggeschmissen, sondern entweder in die Bad Rappenauer Kleiderkammer im Kurgebiet gebracht oder in die Ukraine gefahren.
Während Dolama Tlass Farzat einen neuen Karton aufklappt, um Babynahrung einzupacken, die gerade eine Frau vorbeigebracht hat, steht eine weitere Bad Rappenauerin im Raum. Drei neue und aufgeladene Handys sowie Ladekabel und Powerbanks hat sie dabei. "Ich muss erstmal fragen, ob das erlaubt ist", ruft die Flüchtlingsbeauftragte und verschwindet kurz. Derweil sortieren die anderen Frauen fleißig weiter, der Stapel mit Gehhilfen wird immer größer.
Frauen waren sofort dabei
"Wir mussten gar nicht fragen, sie haben sofort zugesagt", erzählt Jeanette Renk-Mulder, seit 2016 Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte in Bad Rappenau. "Sie haben gesagt: Wozu brauchen wir denn die Männer?" Die Frauen sind als Flüchtlinge in die Kurstadt gekommen und können sich besser als viele andere mit der aktuellen Not in Syrien identifizieren.
Nur wenige Hilfsorganisationen durften bisher in das Land einreisen, die Infrastruktur ist nach jahrelangem Krieg weitgehend zerstört. Deshalb benötigen die Menschen dort, im Gegensatz zur Türkei, dringend Sachspenden. "Viele haben ja immer Zweifel, ob die Sachen tatsächlich ankommen", sagt Jeanette Renk-Mulder: "Aber wir haben vollstes Vertrauen, weil die Hilfe von Syrern organisiert wird."
Zusammenarbeit mit gemeinnütziger Hilfsorganisation
Anfang März werden die gespendeten Güter vom Verein "Syrische Flüchtlinge in Deutschland" abgeholt und nach Hamburg gefahren. Dort sollen sie zusammen mit weiteren Kartons in Lkw verladen und auf dem Landweg in das über 4000 Kilometer entfernte Land gebracht werden. Zuständig für den Transport ist die gemeinnützige Hilfsorganisation Hamburger Hilfskonvoi. Doch auch sie müssen sich genau an die Zollbestimmungen halten. Und die sehen vor, dass auch Smartphones mit eingepackt werden dürfen. "Laut der Liste darf man das", erklärt eine zufriedene Dolama Tlass Farzat.
Neben vielen Sachspenden haben die Bad Rappenauer auch Geld vorbeigebracht, von dem die gebürtige Syrerin neue Schlafsäcke gekauft hat. "Wir sind dankbar, für jede Hilfe", sagt sie, während sie ihren Blick über den Raum schweifen lässt. Am Ende des Tages ist alles in Kartons oder Tüten verpackt und sorgsam aufgestapelt. "Wer jetzt noch etwas abgeben möchte, muss sich direkt bei uns melden", sagt Jeanette Renk-Mulder.
Weitere Spendenmöglichkeiten
Wer weder in dieser noch in der vergangenen Woche eine Spende abgegeben hat und das gerne nachholen möchte, kann sich noch bis Anfang März bei Jeanette Renk-Mulder oder Dolama Tlass Farzat im Bad Rappenauer Rathaus melden. Die beiden Flüchtlings- und Integrationsbeauftragten der Stadt sind unter der Telefonnummer 07264/922-375 oder -376 zu erreichen. Vor Ort sind sie Montag bis Freitag zwischen 8 und 13 Uhr. Gespendet werden darf nur erkennbar neue Kleidung. Schlafsäcke, Zelte, Isomatten oder Gehhilfen dürfen allerdings auch gebraucht, aber in gutem Zustand abgegeben werden. Auch Batterien und Powerbanks werden benötigt.
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