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Kraichgau
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Bürger-Energie-Genossenschaft Kraichgau hat alle Hände voll zu tun

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In Kirchardt baut die Bürger-Energie-Genossenschaft Kraichgau eine Nahwärmeversorgung. Zum Einsatz kommt eine Holz-Hackschnitzelanlage. Die Genossen setzen auf ökologische Wärme und Energie. Welche Projekte aktuell in der Pipeline stehen:

Florian Oeß, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bürger-Energie-Genossenschaft Kraichgau, und Vorstandsmitglied Clarissa Böhm-Weiser.
Foto: Jörg Kühl
Florian Oeß, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Bürger-Energie-Genossenschaft Kraichgau, und Vorstandsmitglied Clarissa Böhm-Weiser. Foto: Jörg Kühl  Foto: Kühl, Jörg

Die Notwendigkeit, möglichst rasch von Gas- und Ölimporten unabhängiger zu werden, ist längst auch in der Region angekommen. Alternative Stromlieferanten wie Sonne, Wind und Holz aus heimischem Anbau liegen im Trend. Genau auf diesem Feld ist die Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) Kraichgau tätig. Entsprechend groß ist die Nachfrage, berichtet der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Florian Oeß. Gemeinsam mit seiner Vorstandskollegin Clarissa Böhm-Weiser hat er in Eppingen die Genossenschaft vorgestellt. Zu dem Treffen eingeladen hatte die Interessengemeinschaft Klima und Natur der Region Eppingen.

Wer zu den ersten Abnehmern der Wärme zählt

In Kirchhardt ist die Genossenschaft gerade dabei, eine Nahwärmeversorgung fertigzustellen. Sie arbeitet mit Holzhackschnizeln, also klimaneutral. Bereits die kommende Heizperiode werde mit dem nachwachsenden Energieträger bestritten, berichtet Michael Baumgartner, Leiter des Bau- und Ordnungsamts der Gemeinde Kirchardt.

Zu den ersten "Ankernutzern" zählt die neue Zweigstelle des Katharinenstifts, auf deren Gelände auch die Anlage installiert wird. Außerdem werden die Schule, die Festhalle, die Sporthalle, das Hallenbad und das bisherige Rathaus mit der Nahwärme versorgt. Die Gemeinde erwägt aber, die Nahwärmeversorgung auszuweiten, verrät Baumgartner.

Warum die Nahwärme für die alten Neubaugebiete jetzt interessant wird

Dazu werde es am 23. Mai im Gemeinderat eine Beratung geben. Jetzt schon in Planung ist die Anbindung des Kindergartens in der Goethestraße und des neuen Rathauses. Beide Einrichtungen verfügen über konventionelle Heizanlagen, die noch drei bis vier Jahre laufen sollen. "Wir können nicht überall gleichzeitig umstellen", so der Bauamtsleiter. Künftig dürften sich auch angrenzende Wohngebiete für das Angebot interessieren, ist Baumgartner überzeugt. Auch die Neubaugebiete, die in den 60er bis 80er Jahren entstanden sind, dürften als Nahwärmekunden in Frage kommen. Die Ausweitung der Versorgung könnte sich der Bauamtsleiter mit der BEG Kraichgau gut vorstellen, der Gemeinderat muss dies jedoch ebenso sehen.

Wie die Genossenschaft für Basisdemokratie sorgt

Die Gemeinde hat mit BEGs laut Baumgartner bisher gute Erfahrungen gemacht. Seit 2015 betreibt eine Gesellschaft Bürgerlichen Rechts, an der die Energeno Heilbronn sowie die BEGs Kraichgau und Neckar-Odenwald beteiligt sind, eine Photovoltaikanlage auf der ehemaligen Erddeponie in Richtung Grombach und auf einem Streifen entlang der A6 .

Die BEG Kraichgau wurde 2010 gegründet. Sie wird von ehrenamtlichen Vorständen geführt. Die Zahl der Mitglieder hat sich seit 2018 beinahe verdoppelt. Knapp 400 Anteilszeichner sind inzwischen an Bord. Ein Anteil kostet 100 Euro, jedes Mitglied kann maximal 500 Anteile zeichnen, erhält aber trotzdem jeweils nur eine Stimme. So möchte die Genossenschaft den basisdemokratischen Ansatz sichern, ohne Ansehen der Höhe der Einlage.

Ein Seecontainer voller Photovoltaikzellen

Wie Oeß berichtet, ist die BEG aufgrund der vielen Anfragen und Projekte gut ausgebucht. Es gebe allerdings jetzt schon Engpässe im Bereich des Personals und des Materials. Um dem entgegenzusteuern, habe die Genossenschaft gerade einen Seecontainer voller PV-Module geordert. "Mit tausend Stück ist das kein Pappenstiel", meint der stellvertretende Vorstandsvorsitzende.

Die BEG ist auf den Gebieten der ökologischen Strom- und Wärmeerzeugung tätig, sie weitet aber auch die Geschäftssparte Elektromobilität aus. Hier geht es hauptsächlich um den Ausbau einer Ladeinfrastruktur und um die Vorhaltung eines Carsharing-Angebots im Kraichgau.

So hat die BEG bereits an den Auto- und- Technikmuseen in Sinsheim und Speyer Ladesäulen für Elektroautos installiert. Auf dem Dach des Schulzentrums in Sinsheim ist eine große PV-Anlage entstanden. In der Gemeinde Mauer hat die Genossenschaft eine Nahwärmeversorgung installiert, an der derzeit 25 Gebäude angeschlossen sind.

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