Bogenschießen: Alles eine Frage des Kopfes
Die Stebbacher Bogenschützen sind bei den Deutschen Meisterschaften erfolgreich. Sie wissen: Geduld und Konzentration sind gefragt.

Mit einem Meister- und einem Vizemeistertitel sowie einem sechsten Platz sind die Stebbacher Bogenschützen von den Deutschen Meisterschaften im thüringischen Mühlhausen zurückgekehrt. Bereits zum vierten Mal sicherte sich Martin Dörr den ersten Platz in der Altersklasse über 45 Jahren, Emilia Hassel holte sich in der Altersklasse U17 den Vizemeistertitel und Paul Dörr schloss den Wettkampf als sechstbester Bogenschütze bei den unter 17-Jährigen ab.
Es ist Sonntagmorgen um 10 Uhr, als Martin Dörr das Schützenhaus in Stebbach ansteuert. Begleitet wird der 51-Jährige von seinen Zwillingssöhnen Paul und Max, die Geschwister Emilia und Domenick hat er auf dem Weg zum Schützenhaus abgeholt. Gemeinsam trainiert das Quartett an diesem Morgen, die Erfolge wollen früh erarbeitet werden.
Zum zweiten Mal Zweiter
"Ich war zum zweiten Mal bei den Deutschen Meisterschaften und bin zum zweiten Mal Zweite geworden", erzählt Emilia. Sie hatte gehofft, dass das Rennen um den Titel etwas knapper ausfallen würde, sagt sie noch. Dabei schießt die 14-Jährige gerade einmal seit etwas mehr als zwei Jahren mit dem Blankbogen. Zwei Titel in so kurzer Zeit sind ein großer Erfolg. "Mir macht es Spaß, ich bin aber auch ehrgeizig", sagt Emilia. "Ich bin die Zweitbeste in meiner Altersklasse in ganz Deutschland. Das bereitet einem schon ein gutes Gefühl."
Beim Bogenschießen geht es aber um weit mehr als sportliche Wettkämpfe. Die Schützen üben sich in Geduld, lernen, sich zu konzentrieren und die Technik akkurat auszuführen. "Das Training hilft mir auch in der Schule", sagt Emilia. "Ich kann mich bei Arbeiten besser auf die Aufgaben fokussieren und lasse mich nicht mehr ablenken. Das war einer der Hauptgründe, warum ich mit dem Schießen angefangen habe." Ebenfalls motivierend und auch im Leben abseits des Sports anwendbar: Emilia vergleicht ihre Trainingsleistungen. "Ich sehe, dass ich mich im letzten Jahr deutlich gesteigert habe."
Deutscher Meister: den Titel fest im Blick
Während Emilia im Bogenschießen noch ziemlich neu ist, ist der 14-jährige Paul Dörr schon ein alter Hase. "Ich schieße, seit ich fünf bin, habe zwischendurch allerdings auch mal eine Pause gemacht", erzählt er. Mit seinem sechsten Platz ist er eigentlich ganz zufrieden. "Im nächsten Jahr will ich aber besser abschneiden und Deutscher Meister werden." Wichtig ist ihm, dass der Sport Spaß macht. "Das hat man in einem kleinen Verein vielleicht mehr als in den großen Vereinen", sagt Paul. "Bei uns kennt jeder jeden. Wir unterstützen uns gegenseitig und helfen uns."
Und dann geht es auch ziemlich familiär zu, schließlich schießen neben Paul auch sein Bruder Max und Vater Martin Dörr im Verein. "Ich wollte eigentlich nie Bogenschießen", sagt Martin Dörr, "habe aber meinen älteren Sohn immer begleitet. Irgendwann hat der Trainer gefragt, ob ich nicht mitmachen möchte." Wie Paul schießt er mit einem Jagdbogen ohne Visier. "Ich ziele nicht, ich schaue nur in die Mitte, den Rest macht der Körper von selbst", sagt Dörr.
Erfolgsrezept: nicht aus der Ruhe bringen lassen
Zu den Deutschen Meisterschaften reiste Martin Dörr mit einem Trainingsrückstand an. Wegen einer Verletzung konnte er von Januar bis Oktober nicht trainieren. Zudem war der Schießstand wegen der Pandemie lange gesperrt. "Das hat mich im Wettkampf nicht so sehr belastet", sagt Dörr. Er trat gegen 14 Konkurrenten an, sie standen nebeneinander und mussten gleichzeitig schießen. "Da sieht man, wie die Konkurrenz schießt und es heißt, sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Das ist eine mentale Geschichte."
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