Alte Obstsorten, bunt gestreut
In Kleingartach sprießen junge Äpfel, Birnen und Zwetschgen - Ärger mit Baumklau

Eppingen - Überall verschwinden die Streuobstwiesen. In Kleingartach wird eine neue angelegt. Anlässlich der Heimattage hat die Stadt auf einem 15 Ar großen Grundstück zwischen der Leinburg und der Straße nach Eppingen junge Bäume pflanzen lassen.
Zeichen setzen Sie tragen wohl klingende Namen wie Schöner von Berwangen, Köstliche von Charneux oder Zabergäu Renette. Alte, traditionsreiche Obstsorten, die in der intensiven Landwirtschaft heute kaum noch eine Rolle spielen. Weil etwa die Äpfel einen leicht säuerlichen Geschmack haben, „passen sie nicht mehr in den Markt“, weiß der Kleingartacher Landwirt Thomas Faber, der sich bereit erklärt hat, die neu angelegte Streuobstwiese zu pflegen. Zwei Dutzend mannshoher Bäumchen sprießen auf dem Grundstück, von dem aus man einen prächtigen Panoramablick über den Eppinger Stadtteil hat. Mitarbeiter des Bauhofs haben die Pflanzen gesetzt. Überwiegend sind es Apfelbäume, aber auch Zwetschgen, Mirabellen und Birnen gehören zum Streuobstsortiment. „Damit wollten wir ein Zeichen setzen“, sagt Bauhofleiter Kurt Gebhard.
Ein Zeichen für den Erhalt der wertvollen Biotope, die Lebensraum für viele Pflanzen- und Tierarten sind. Streuobstwiesen sind auf dem Rückzug, weil sich Siedlungsflächen ausdehnen und weil sich die Bewirtschaftung kaum lohnt. „Die Wiesen machen viel Arbeit und liefern wenig Ertrag“, bringt es Thomas Faber auf den Punkt. Der Verkaufserlös, den das Streuobst bringe, decke gerade mal die Kosten der Lese. Welche Bedeutung Streuobstwiesen haben, erläutert eine Schautafel, die in Kleingartach neben den Reihen junger Bäume aufgestellt wird. Auch drei Sitzbänke sollen hinzukommen. Bis der Schatten der Baumkronen auf die Bänke fällt, wird es noch einige Jahre dauern. Zu voller Größe aufgeschossen sind die Stämme in der Birnbaumallee, die gleich neben der neuen Streuobstwiese aufragt. Auch hier hat der Bauhof einige alte Exemplare ausgetauscht und neue gepflanzt.
Langfinger Die Stämmchen haben auch einem Langfinger gefallen. Zwei Bäume wurden ausgegraben, vier über Nacht gestohlen, bevor sie in die Erde gesetzt werden konnten. „Das ist ärgerlich“, beklagt Bauhofchef Gebhard, auch wenn sich der materielle Schaden in Grenzen hält. Wer die Birnbaumallee und die Streuobstwiese unter fachkundiger Führung durchstreifen will, hat dazu spätestens am 23. September Gelegenheit. Die Grünanlage ist eine der Stationen beim Weinberg-Rundgang im Rahmen des historischen Kleingartacher Weinfests.
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