Alles Schwindel in einem ehrlich gelungenen Stück
Schwank ist den Schauspielerinnen der Hellbergschule-Theatergruppe auf den Leib geschrieben – Premiere in der Aula

Doppeldebüt
Trotz des schwülheißen Wetters waren zahlreiche Zuschauer in die Aula gekommen. Eltern waren gespannt, welche Talente in ihren schauspielernden Töchtern – Jungen sucht man im Ensemble vergebens – so schlummern. Es gab Premieren im doppelten Sinn: Nicht nur das Stück, das Meike Hille-Blaser maßgeschneidert hatte, feierte sein Debüt. Alicia Hennig schlüpfte in die Rolle von Nathalie Knobel, der schönen Heldin, die von Seiten ihrer Mutter finanziell gut unter die Haube gebracht werden sollte, und stand erstmals im Rampenlicht. Trotzdem bestritt sie die Rolle glänzend.
„Aufgeregt war ich auch nicht“, meinte Hauptdarstellerin Eva-Maria Knupfer, ein alter Hase auf der Hellbergschulen-Bühne. Zum vierten Mal war sie dabei, gab die Rolle der furiosen Brautmutter, die nur auf den Geldbeutel, nicht aber auf das Herz ihres zukünftigen Schwiegersohnes schaute, mit so viel Bravour, dass allein ihr Spiel immer wieder für Lachsalven sorgte. „Wie sie gurren und glucksen kann und ihr die Gefühle so herausrutschen, einfach klasse.“ So brachte Zuschauerin Beate Hambacher auf den Punkt, was viele amüsiert hatte.
Das Zusammenspiel brachte die Würze. Gianna Freiboth als kleine, vorwitzige Brautschwester Sophia oder Reyhan Öztürk als Heiratsschwindler Riccardo Ricci mit charmant aufgemaltem Schnurrbart bescherten dem Publikum amüsante Momente. Alle paar Minuten gab es heiteres Gelächter. Meike Hille-Blasers Stück war so konzipiert, dass keiner abschalten wollte. Zum Ganzen des Puzzles steuerten ebenso vehement die Spielerinnen in den Rahmenrollen bei. Etwa Aysenur Toksoz als gütige und doch moralische Pfarrerin oder Francesca Carluccio als Polizistin, die den Betrüger letztlich zur Strecke brachte. Eine Prise makaberen Humors durfte nicht fehlen.
Ideen sprudeln
In den Reihen der Verflossenen des Heiratsschwindlers Riccardo fand sich auch eine mit dickem Kissen unter dem T-Shirt. „Ich habe nur Angst, dass mir bald die Ideen ausgehen“, meinte Meike Hille-Blaser im Anschluss an den elften Auftritt ihrer Theater-AG. „Hoffentlich nicht“, kam sofort die Gegenreaktion. Wer weiß, ob sich in einem eingekauften Stück jeder in seiner Rolle so wohl fühlen würde wie im Heiratsschwindler.
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