Hausmacherkost servieren, Geschirr abräumen. Die Bewirtung der Mostprobe übernimmt der Heimatverein Richen. „Wir sehen es als Dienst für den Verein an“, sagt Simone Neubrand. Ihr gefällt der Abend. Es mache Spaß, man komme mit anderen zusammen. „Das ist typisch Richen.“ Zu den Helfern gehört auch ihr 14 Jahre alter Sohn Paul. „Es macht Spaß“, sagt er. „Gemeinschaft ist alles.“
„Macht der Keller“: Worauf es bei einem guten Most ankommt
Mostfreunde aus Eppingen-Richen küren das beste Getränke aus ihrem Teilort. Diese Tipps gibt der Gewinner. Und wie gut die örtliche Feuerwehr abschneidet.

Spaß, Ernst, Geselligkeit: Die Mostprämierung im Eppinger Teilort Richen hat sich gerade wegen dieser Mischung zur Traditionsveranstaltung gemausert. Die langen Tischreihen im Bauernmuseum reichen wieder einmal kaum aus, um Dutzende Besucher unterzubekommen. Sie treffen Freunde, schätzen die Hausmacherkost mit Lyoner oder Leberwurst, und natürlich: Sie mögen den Most. Der steht wieder einmal einen Abend lang im Mittelpunkt. Und zwar solcher Most, der ausschließlich von Richenern stammt. Die Regeln sind streng.
Die Jury der Mostfreunde hat das letzte Wort, aber mitprobieren ist ausdrücklich erwünscht. „Birnig, der ist gut“, sagt Matthias Steudinger. Der Eppinger trifft sich mit Freunden in Richen. Wie viele andere auch hat der Stammgast Zettel und Stift vor sich liegen und bewertet die selbstgemachten Moste selbst. Seit 2019 ist Matthias Steudinger immer wieder bei der Mostprobe. Sein Opa hat regelmäßig Most getrunken. Und der Enkel? „Selten.“
Während der Probe machen neutrale grüne Flaschen die Runde. Wer hinter dem einzelnen Most steckt? Der Jury ist es nicht bekannt, den Besuchern erst recht nicht. Nur Nummern kennzeichnen die Proben, und so schreiben sich viele hinter den Nummern ihre eigene Einschätzung auf.
Manche Mosten schmecken angenehm, andere riechen streng, bei wieder einem schmeckt der kleinste Schluck. Die eine Probe ist klar, die nächste trüb. Die Proben sechs und sieben hat die Jury früh aussortiert, diese beiden schaffen es nicht in die Finalrunde. „Mit Recht“, sagt einer aus dem Publikum.
Dieses Mitprobieren macht den Reiz aus, denn am Ende können alle mitreden. Die Besucher testen, wollen selbst möglichst jede einzelne Proben einmal schmecken. Annette und Georg Müller gehören zu den Besuchern. Fruchtig, nicht zu herb: So muss für Georg Müller ein guter Most schmecken. Dieser Abend hat alles. „Von ausbaufähig bis trinkbar war alles dabei“, sagt er.
Wenn die Jury die Bewertungen bekanntgibt, steigt die Stimmung. Jeder schaut auf die eigenen Notizen, kommentiert mal lauter oder leiser die Punkte der Mostfreunde. Passen die zu den eigenen Noten für den jeweiligen Most, oder wagten es die Offiziellen tatsächlich, anderer Meinung als man selbst zu sein?

Der Jury fiel es nach eigenen Angaben in diesem Jahr sehr schwer, die Moste zu bewerten. Die Qualität bei vielen war ähnlich. Cevdet Urcun und Holger Walch gehören dem Komitee an, beide lieben eher herbe Moste. „Es war eng“, sagt Holger Walch. Die besten sechs lagen eng beieinander. „Es war schwierig.“
Die Freiwillige Feuerwehr aus dem Teilort ist sogar mit mehreren Mosten im Rennen. „Kameradschaftspflege“ nennt Christoph Varga das. Alles hätten die Einsatzkräfte von Hand gemacht, selbst das Obst so gepresst. Im vergangenen Jahr war die Wehr in der vorderen Hälfte, aber dieses Jahr will sie es endlich aufs Treppchen schaffen. Auf die Ränge sechs, drei und zwei schafft es die Truppe mit drei verschiedenen Getränken.

Vorn ist zum zweiten Mal Francesco Pulignano. Worauf es ankommt? „Die Säure und die Süße müssen stimmen“, sagt der Richener, der seit 30 Jahren hier wohnt und das Mosten gelernt hat. 300 Liter sind dieses Mal bei ihm zusammengekommen. Äpfel, Birnen, ein paar Quitten mischt er zusammen. Und das große Geheimnis? „Der Keller macht einen guten Most.“ Den können Interessierte beim Richener Handwerkermarkt am 17. Mai, 11 bis 19 Uhr, erleben: Dann schenkt Francesco Pulignano aus. Im Keller, aus dem Fass.
Übrigens: Mit in die Bewertung kommt auch ein industriell hergestellter Most. Welcher das ist, weiß natürlich niemand in der Jury. Wie sich danach herausstellt: Auch dieser Most schaffte es in Richen nicht einmal über die Vorrunde hinaus.

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