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Klimawandel

Kostenloses Trinkwasser aus dem Spender

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Im Rahmen der kommunale Hitzeplanung baut der Wasserzweckverband Mühlbachgruppe die Versorgung der Bevölkerung mit öffentlichen Trinkwasserbrunnen nach und nach aus. Der erste steht jetzt auf dem Bad Rappenauer Kirchplatz. Siegelsbach und Hüffenhardt-Kälbertshausen folgen.  

Haben den Trinkwasserbrunnen auf dem Kirchplatz jetzt auch offiziell eingeweiht (von links): der Bad Rappenauer Oberbürgermeister Sebastian Frei, Alexander Freygang, GF des Wasserzweckverbands Mühlbachgruppe, und Klimamanager João Carlos De Oliveira Souza.
Haben den Trinkwasserbrunnen auf dem Kirchplatz jetzt auch offiziell eingeweiht (von links): der Bad Rappenauer Oberbürgermeister Sebastian Frei, Alexander Freygang, GF des Wasserzweckverbands Mühlbachgruppe, und Klimamanager João Carlos De Oliveira Souza.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Der Wasserzweckverband Mühlbachgruppe hat seinen ersten öffentlichen Trinkwasserspender eingeweiht. Im Herzen Bad Rappenaus, unterhalb der Kirchenmauer und in Sichtweite des Rathauses, steht er seit vorigem Herbst. Doch dann, sagt Sebastian Frei als Oberbürgermeister und Verbandsvorsitzender, sei es schnell kalt geworden. Über Winter wurde der Brunnen abgestellt.

Seit Ostern läuft er wieder. Ab und zu werde er auch schon genutzt. Doch das neue Angebot in der Innenstadt muss sich erst noch rumsprechen. Und im besten Fall haben diejenigen, die ihn nutzen wollen, ein Gefäß dabei. Eine Flasche oder ein Glas.

Munter sprudelt das Wasser aus dem Trinkwasser-Spender auf dem Kirchplatz heraus.
Munter sprudelt das Wasser aus dem Trinkwasser-Spender auf dem Kirchplatz heraus.  Foto: Plapp-Schirmer, Ulrike

Schatten an heißen Sommertagen: Bad Rappenau wertet Innenstadt auf

10.000 Euro haben der Spender sowie der Einbau auf dem Kirchplatz gekostet. Eine Menge Geld, das der Zweckverband aus verschiedenen Gründen setzt. Zwei Aspekte hätten bei der Anschaffung eine Rolle gespielt, sagt Sebastian Frei: der Klimawandel und die Schaffung von mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Hier sucht Bad Rappenau seit vielen Jahren nach Wegen, die Frequenz zu erhöhen. Mit einem Schattensegel über dem großen Stadtbrunnen, Bänken zum Sitzen und nun eben auch mit dem Wasserspender glaubt man, die richtigen Akzente zu setzen.

Mehr aber als die Aufenthaltsqualität wiegt der Beitrag des Wasserzweckverbands zum Hitzeschutz, vor allem in den heißen Sommermonaten. Der Trinkwasserspender ist wie das Schatten spendende Sonnensegel oder weitere Baumpflanzungen in der Fußgängerzone Teil des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Bad Rappenau. „Wo, wenn nicht hier, mitten in der Stadt“, so Frei, schaffe man einen öffentlichen Zugang zu Trinkwasser und werte diesen zentralen Bereich damit auf.

Bundesregierung fordert Städte auf, Trinkwasserspender bereitzustellen

Das Aufstellen von Wasserspendern wird von der Bundesregierung empfohlen. „Leicht verfügbares Trinkwasser ist ein wichtiger Baustein kommunaler Hitzeaktionspläne. So können sich die Menschen besser vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze schützen“, hieß es schon im August 2022 in einer Pressemitteilung des Umweltministeriums.

Die zurückliegenden trockenen und heißen Sommer hätten gezeigt, dass andauernde Hitzewellen in Deutschland kein seltenes Ereignis mehr seien. „In Zukunft werden Extremwetterereignisse wie Hitzewellen und Trockenperioden häufiger und intensiver sein“, so die Prognose vor drei Jahren. „Trinkbrunnen mit Leitungswasser gehören zu den Basisbausteinen einer guten Hitzevorsorge. Wenn Kommunen jetzt aktiv werden, dann leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Gesundheits- und vor allem Hitzeschutz von Bürgerinnen und Bürger.“

Wasserzweckverband Mühlbachgruppe pflegt die Trinkwasserspender

Doch das Aufstellen ist das eine, die Wartung des Spenders ist das andere. Über einen Sensor wird der Wasserstrahl an- und ausgeschaltet. Einmal pro Woche müsse ein Mitarbeiter schauen, ob der Spender noch in Ordnung sei. „Alle vier Wochen werden Proben entnommen“, so Alexander Freygang, Geschäftsführer des Wasserzweckverbands Mühlbachgruppe. Hygiene spielt beim Thema Wasser immer eine Rolle. Beim Thema PFAS sei man „weit unter dem Grenzwert“, streift Freygang kurz ein aktuelles Thema. 

Der Bad Rappenauer Klimaschutzmanager João Carlos De Oliveira Souza begrüßt den Trinkwasserspender auf dem Kirchplatz: In vielen europäischen Städten sei das schon Standard, in Deutschland basiere die Bereitstellung von Trinkwasser noch auf Freiwilligkeit, betont er. Sukzessive wolle man jetzt weitermachen, erklärt Alexander Freygang: „Dieses Jahr kommt noch Siegelsbach dran. Im kommenden Jahr wird ein Trinkwasserspender vor dem zentralen Hochbehälter in Kälbertshausen, direkt am Radweg, aufgestellt.“

Aufwand für den Wasserzweckverband Mühlbachgruppe steigt

Dort sollen dann auch E-Bikes aufgeladen werden. „Wir schauen gerade, ob wir da Fördermittel beantragen können“, so Freygang. Nicht jeder Zweckverband stelle Wasserspender in seinem Verbreitungsgebiet auf: wegen des Aufwands. Doch die Mühlbachgruppe stehe zu dem Projekt. Das Wasser kommt aus der Carixanlage. Es ist weich und süffig „und von bester Qualität“, so Freygang.

So geht es weiter

Zwölf Mitglieds-Gemeinden hat der Wasserzweckverband Mühlbachgruppe. In Bad Rappenau steht seit Herbst 2024 der erste Trinkwasserspender im öffentlichen Raum. Nach und nach sollen weitere folgen. „Wir werden auch unsere Ortsteile im Blick behalten“, verspricht Sebastian Frei als Oberbürgermeister und Verbandsvorsitzender. Die Kosten liegen bei 2500 Euro pro Gerät und weiteren 7500 Euro für den Anschluss und die baulichen Tätigkeiten.  

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