„Schluss mit Rasen in der 30er Zone“ – Anwohnerin aus Kirchardt startet Petition
In der Ring- und Gartenstraße gilt Tempo 30 – doch viele Autofahrer ignorieren das. Anwohnerin Jasmin Tausch fordert mit einer Online-Petition mehr Sicherheit und weniger Lärm. Über 100 Unterstützer haben bereits unterschrieben.
Eigentlich ist in der Kirchardter Ring- und Gartenstraße Tempo 30 vorgeschrieben. Darauf machen Verkehrsschilder aufmerksam, es gilt rechts vor links. Eine klare Sache – könnte man meinen. Trotzdem halten sich einige Autofahrer nicht an die Vorgaben. „Besonders schlimm ist es morgens, wenn sie den Berg runter fahren, und abends, wenn es wieder hoch geht“, beschreibt Jasmin Tausch. Seit fünf Jahren lebt sie in Kirchardt. Und hat jetzt eine Online-Petition auf dem Portal „Open Petition“ gestartet, die fordert: „Schluss mit Rasen in der 30er Zone – Sicherheit und Lärmschutz vor Geschwindigkeit!“
Kirchardter Petition richtet sich an alle Betroffenen
Über 100 Personen haben unterschrieben. Nicht alle leben in dem Wohngebiet, kennen das Problem aus eigener Erfahrung aber nur zu gut. Der Tenor: Fast überall wird sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung gehalten. Jasmin Tausch spricht bewusst auch diese Menschen an: „Die Petition soll stellvertretend für alle 30er-Zonen gelten.“ Sie fordert die Verwaltung zum Handeln auf und schlägt beispielsweise Bremsschwellen vor, um die Fahrer „auszubremsen“.

Über diese und weitere Ideen hat sie bereits mit Kirchardts Bürgermeister Gerd Kreiter gesprochen. Der ist sich des Problems bewusst: „Aber solche Schwellen sind unheimliche Lautstärkefaktoren“, so der Rathauschef. Viele Anwohner, die sich diese Geschwindigkeitsreduzierer gewünscht hätten, forderten laut Kreiter bald wieder einen Abbau.
Die Kapazitäten für einen mobilen Blitzer in Kirchardt sind begrenzt
Auch dem Wunsch, eine Blitzersäule aufzustellen, könne er nicht nachkommen. Dabei war eine solche Anlage vor einigen Jahren zum Greifen nah, doch die Mitglieder des Gemeinderats lehnten eine Anschaffung ab. „Wenn, dann würden wir die Säule auch eher in der Hauptstraße aufstellen“, sagt Kreiter.
Bei den mobilen Messungen sieht es hingegen anders aus: In unregelmäßigen Abständen steht ein solches Gerät auf Kirchardter Gemarkung. Allerdings, so der Rathauschef, seien die Kapazitäten begrenzt und reichten nicht aus, um in jeder Straße aktiv zu werden. Außerdem sieht er die Halbwertszeit als sehr gering an: „Das spricht sich schnell rum.“ Dann werde zwar langsamer gefahren. Aber sobald der Blitzer verschwunden ist, drücke man wieder aufs Gas.
Freigänger-Kater wird in Kirchardt von Auto erfasst und stirbt
Der Verkehr sei bereits mit Zählgeräten analysiert worden. Das Ergebnis: Die meisten Fahrer halten sich an die Begrenzung, nur wenige „unbelehrbare“ seien viel zu schnell unterwegs.
Erklärungen, die Jasmin Tausch schon länger zu hören bekommt. Seit zweieinhalb Jahren beschäftige sie sich mit dem Thema. „Besonders schlimm ist es seit letztem Jahr geworden“, erzählt sie.
Ihr persönlicher Tiefpunkt: der Tod ihres Katers. Ein „geübter Freigänger“ sei das vierjährige Tier gewesen, das am 6. August überfahren wurde. „Der Autofahrer hat nicht angehalten.“ In dem Wohngebiet gebe es viele freilaufende Katzen. Aber auch viele Kinder, die sich jeden Morgen auf den Weg in die Schule machen.
Raser in Kirchardt: Geschwindigkeitsanzeige hat kaum Auswirkungen
Immerhin: Seit einigen Wochen hängt in der Ringstraße eine digitale Tafel, die die Geschwindigkeit anzeigt. Eine Verbesserung der Situation spürt Jasmin Tausch nicht. „Das interessiert ja niemanden, weil nicht geblitzt wird.“ Die Situation schätzt die 29-Jährige realistisch ein und erwartet auch keine solche Anlage. Ihr dringlichster Wunsch sind Bodenschwellen.
Für Gerd Kreiter wäre das Aufstellen von Hindernissen die realistischste Variante. Dennoch: „Wir können nicht in alle Wohngebiete Blumenkübel stellen.“ Einen ähnlichen Effekt sieht er in parkenden Autos, die den Verkehr ausbremsen. Und gibt zu Bedenken, dass zwischen der tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeit und der gefühlten ein Unterschied sei. Für Jasmin Tausch und ihre Mitstreiter ist das kein Trost: „Kann der Lärm ein Dauerzustand in einer ländlichen Gemeinde wie Kirchardt sein?“
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare