Die Autorin ist Stipendiatin der Journalistischen Nachwuchsförderung (Jona) der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Jona ist eine studienbegleitende Ausbildung, die mit jedem Fach kombinierbar ist. Die Geförderten lernen das journalistische Handwerk von Profis aus der Praxis, werden finanziell unterstützt und individuell auf ihrem Weg in die Redaktionen betreut. Acht Stipendiatinnen und Stipendiaten aus ganz Deutschland kamen im März für zehn Tage nach Heilbronn für ein Seminar zu Lokaljournalismus. Unter dem Oberthema„Eine Stadt im Spannungsfeld“ haben sie Texte für die Heilbronner Stimme geschrieben und Social Media-Beiträge produziert.
Junger Nepalese berichtet online über sein Leben als Koch in Bad Rappenau
Um Koch zu werden, ist Manoj Neupane aus seiner Heimat Nepal nach Bad Rappenau gekommen. In den sozialen Netzwerken klärt er jetzt andere Nepalesen über das Leben in Deutschland auf. Was treibt ihn an?

Manoj Neupane nimmt sich ein Schneidebrett, ein frisch geschärftes Messer und drei Stangen Lauch. „Den Lauch in Scheiben?“, fragt Neupane. „In Scheiben“ sagt sein Kollege. Im Hintergrund surrt die Dunstabzugshaube. Immer wieder kommt einer von Neupanes Kollegen vorbei. Entweder, um ihm eine Anweisung zu geben, oder sich einfach kurz mit ihm zu unterhalten. Neupane schätzt vor allem das Miteinander unter den Kollegen. „In der Küche hat man schon Spaß”, sagt er.
Der 23-Jährige kommt ursprünglich aus Parbat, einem Distrikt in Nepal, der vor allem durch die hügelige Landschaft und tiefe Flusstäler bekannt ist. Um sich seinen Traum zu erfüllen, hat er seine Heimat verlassen und ist nach Deutschland gekommen. Damit ist er nicht allein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 2024 mehr als 10.000 Menschen mit nepalesischer Staatsangehörigkeit in Deutschland, fast 6.000 mehr als zehn Jahre zuvor.
Nach Angaben des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung blieb im Juli 2024 im Durchschnitt jede fünfte der insgesamt 16.216 offenen Stellen für ausgebildete Köche in Deutschland unbesetzt. Das Anwerben von internationalen Fachkräften ist eine Strategie, dem Personalmangel entgegenzuwirken. Und für Manoj Neupane die Chance, von seiner Leidenschaft auch finanziell leben zu können. Denn in Nepal sei es schwierig, mit Kochen Geld zu verdienen.
Fachkräfte aus dem Ausland helfen der Gastronomie
Die ersten Bestellungen kommen über den Bildschirm in der Küche an. Spätzle mit Linsen stehen auf der Liste. Neupane beginnt die Spätzle in einer Pfanne zu braten. Nebenbei setzt er die bereits vorbereiteten Linsen auf die Herdplatte und lässt sie erhitzen. Mittlerweile durchzieht warme Luft den Raum. Die fertigen Spätzle und Linsen richtet er auf einem Teller an und verziert sie mit ein paar Salatblättern. Auch den Rand des Tellers säubert Neupane noch einmal, bevor er die Küchenklingel läuten lässt. Das Gericht ist fertig. Manchmal vermisst er die nepalesische Küche. Vor allem sein Lieblingsgericht Momos, nepalesische Teigtaschen, die mit verschiedenen Füllungen zubereitet werden.

Neben Manoj Neupane arbeiten noch fünf weitere nepalesische Mitarbeiter im Saline Hotel 1822. Vier davon haben dort erst im vergangenen Jahr ihre Ausbildung im Rahmen einer Kooperation mit dem Nepal Secretariat of Skills and Training, einer deutsch-nepalesischen Initiative, angefangen. Die Organisation bereite die Auszubildenden sehr gut vor und habe ein gutes Netzwerk in der Region, sagt Hoteldirektor Michael Ciesléwicz. Ohne diese Hilfe wäre es aus seiner Sicht deutlich schwerer, Fachkräfte aus dem Ausland anzuwerben. Die Erfahrungen mit einem internationalen Team empfindet er als bereichernd für das Unternehmen: „Wir haben so viele Kulturen hier, so viele Menschen aus so vielen Ländern und Kontinenten und damit auch anderen Kulturen – und du lernst ja dadurch.”
Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Heilbronn-Franken ist das Interesse an Fachkräften aus dem Ausland in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Aktuell haben 31 Nepalesen in der Region Heilbronn-Franken einen Ausbildungsvertrag, 12 davon machen eine Ausbildung zum Koch.
Durch Social Media der Heimat ganz nah
Neben dem Kochen dreht Neupane Videos für Instagram und Tiktok, in denen er Eindrücke von seinem Leben in Deutschland mit seinen nepalesischen Zuschauern teilt. Zusammen mit seinem Freund Khem Magar läuft er durch die Gänge eines Supermarktes. Seine Idee: ein Video über Lebensmittel, die in Deutschland weniger als einen Euro kosten. Dabei ist er vor allem auf der Suche nach Lebensmitteln, die die Menschen in Nepal oft nutzen. Schließlich bleibt er vor den Kidneybohnen stehen und nimmt sich eine Dose. Sein Freund Magar richtet die Kamera auf ihn und Neupane zeigt die Dose in die Kamera. Auf Nepalesisch spricht er über die Bohnen und nennt ihren Preis: 0,69 Euro. Später erzählt er: „Unser nationales Traditionsessen ist Reis, Fleisch oder Gemüse und Linsen. Das essen wir zweimal am Tag, morgens und abends.“ Kurze Zeit später ist der Dreh schon vorbei. Der Grund: Neupane hat keine Drehgenehmigung.
Direkt mit den Menschen in den Austausch gehen, das ist Neupanes Ziel. Er wohnt bei einer Gastfamilie und hat dort ein eigenes Zimmer. Der Kontakt zu Familie Schmalzhaf entstand durch eine Zeitungsannonce. In seinem Zimmer startet Neupane einen Tiktok-Livestream. Er lädt sich Gesprächspartner ein und spricht mit ihnen auf Nepalesisch über die Möglichkeiten einer Ausbildung in Deutschland.
„In Deutschland hat man vielfältige Arbeits- oder Ausbildungsplätze“, erklärt Manoj Neupane. „In meinem Heimatland geht das nicht.“ In Zukunft könnte er sich vorstellen, in der Küche eines Bundesliga-Vereins zu arbeiten. Oder irgendwann sein eigenes Restaurant zu eröffnen.
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