In Ittlingen endet der Kindergarten bald um 15.15 Uhr
Gemeinde Ittlingen strafft die Betreuungszeit in den Kindergärten. Zuvor hatten eine Umfrage und das Abholprotokoll einen geringen Bedarf an Spätbetreuung ergeben. So argumentieren Mitglieder des Gemeinderats und der Verwaltung:

In vielen Kommunen werden die Zeiten der Kinderbetreuung immer mehr ausgedehnt, weil die Berufstätigkeit der Eltern es erfordert. In Ittlingen ist der Trend entgegengesetzt: Die Betreuungszeiten werden nachmittags immer spärlicher ausgenutzt. Jetzt reagieren Verwaltung und Gemeinderat: In Ittlingen werden die Kinder der gemeindeeigenen Betreuungseinrichtungen künftig schon um 15.15 Uhr abgeholt. Darauf hat sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung verständigt. Der Satzungsbeschluss dazu ist für September vorgesehen. Mit der Einigung auf 15.30 Uhr findet eine Harmonisierung mit den Abholzeiten der örtlichen Grundschule statt, die um 15 Uhr täglich endet. Im Moment endet die Betreuungszeit im Ganztags-Kindergartenbetrieb um 16.30 Uhr.
Was die Umfrage zur Kinderbetreuung in Ittlingen ergeben hat
Der Entscheidung ging eine breit angelegte Elternbefragung voraus. Sie zeigt, dass es in Ittlingen nach 15 Uhr keinen oder nur geringen Betreuungsbedarf von Kindergartenkindern gibt. In der Gemeinde gibt es die Vorgabe, dass eine Kindergartengruppe mindestens zehn Kinder umfassen soll, um das Personal effizient einzusetzen.
Die neuen Betreuungszeiten sollen ab dem kommenden Kindergartenjahr, also ab September, gelten und werden in der einschlägigen Satzung der Gemeinde festgeschrieben. Die entsprechende Gemeinderatssitzung ist für den 11. September angesetzt.
In Ittlingen gibt es als Hauptstandort das Familienzentrum mit mehren Gruppen sowohl im Krippenkindalter (U3) als auch im Alter ab drei Jahren (Ü3). Daneben gibt es den Naturkindergarten Wurzelkinder (Ü3), der bis 13.30 Uhr geöffnet ist.
Im Rathauskindergarten, dem dritten Standort, sind Kinder im Vorschulalter. Hier sollen künftig die Kinder mit einem Betreuungsbedarf bis 15.15 Uhr zusammengefasst werden.
Koordinatorin aller drei Einrichtungen ist Carmen Albrecht. „Bis 16.30 Uhr sind sehr wenige Kinder in unseren Einrichtungen, oft gar keins“, beobachtet die Pädagogin: „Eine Eins-zu-Eins-Betreuung ist auch für die Kinder nicht gut.“ Auch Bürgermeister Kai Kohlenberger hält die Reform der Betreuungszeit für notwendig: „Es gibt zahlreiche Kinder, die sind bis 16 Uhr oder länger angemeldet, werden aber schon um 15 Uhr abgeholt.“
In der Aussprache gab es seitens der Gemeinderäte breite Zustimmung zur Verkürzung und Harmonisierung der Betreuungszeiten. Simone Eglsäer, die im Familienzentrum einen Elternkurs anbietet, hält die neue Regelung für einen „gangbaren Weg“. Sie sei froh, dass die Einrichtungen das Angebot nicht so weit ausdehnen müssen: „Das tut sowohl Kindern als auch den Eltern gut.“ Sicher gebe es den ein oder anderen, der längere Ganztagsbetreuung brauche, „aber da gibt es sicherlich auch andere Lösungen“.
Sind Eltern verpflichtet, Mittagsessen mitzubuchen?
Simone Eglsäer erkundigte sich noch, ob das Mittagessen verpflichtend sei. Wenn die Betreuung sieben Stunden übersteige, handele es es sich um Ganztagsbetreuung, antwortete Kitaleiterin Carmen Albrecht. In diesem Fall müsse die Gemeinde Mittagessen bereitstellen: „Das ist Voraussetzung für die Ganztagsbetreuung, selbst wenn es niemand beansprucht. Für Simone Eglsäer heißt das im Umkehrschluss: „Eltern können es nutzen, aber sie sind nicht verpflichtet, Essen zu ordern. Sie können ihren Kindern auch ein geeignetes Vesper mitgeben.“
Eine Straffung der Öffnungszeiten hält auch Gemeinderat Karlfred Ebert für sinnvoll: „Eine individuelle Betreuung der Kinder ist für uns nicht bezahlbar.“ Auch die Anlehnung an die Schulkindbetreuung hält der Gemeinderat für plausibel: „Passt so.“
Was Schulkinder in der Zeit des Religionsunterrichts anstellen
Die Gemeinde Ittlingen bietet eine zweite Randzeitenbetreuung pro Woche an. Hintergrund ist die immer geringere Inanspruchnahme des Faches Religion. Weil es in der Grundschule noch nicht das Fach Ethik als Alternative gibt, entsteht hier für viele Kinder eine unterrichtsfreie Zeit. Um diese sinnvoll zu nutzen, gibt es bald zusätzlich zum bestehenden Betreuungsangebot, das freitags von 11.25 bis 12.20 Uhr stattfindet, eine weitere Randzeitenbetreuung: mittwochs von 11.25 bis 12.20 Uhr. Die Gebühren für die Betreuung wurden im Frühjahr angepasst.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare