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Großer Ärger über illegale Müllentsorgung – "Stadt muss sauber bleiben"

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Illegale Müllentsorgung belastet den Kraichgau: In Bad Rappenau landen Farbeimer im Wald, in Eppingen sammeln Ehrenamtliche wöchentlich Abfall– und das ist offenbar arg nötig.


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Leere Farbeimer im Wald, Tüten mit Unrat rund um Containerplätze, Verpackungen in der Nähe von Fastfood-Restaurants oder achtlos weggeworfene Vespertüten, Kippen und leere Getränkedosen im Park: Die Städte und Gemeinden im Kraichgau kämpfen gegen illegale Müllentsorgung.

Bad Rappenau: Bauhof muss immer wieder illegal entsorgten Müll im Wald beseitigen

Beispiel Bad Rappenau: Dort haben Umweltsünder am ersten Dezemberwochenende wieder einmal Sondermüll am „Gimperner Eck“, also im Wald zwischen Bad Rappenau, Obergimpern und Siegelsbach, abgeladen. Illegal entsorgt wurden Malerutensilien, Kanister sowie Teile einer Motorhaube. 

Einmal mehr musste der Bauhof ausrücken, die Hinterlassenschaften einsammeln und ordnungsgemäß entsorgen: „Auch dieses Mal auf Kosten des Steuerzahlers“ Für den Bad Rappenauer Oberbürgermeister Sebastian Frei ist das ein ständiges Ärgernis. 

Illegale Müllentsorgung ist zudem eine Umwelt-Straftat, die geahndet wird. Bußgelder können je nach Bundesland und je nach Art der Entsorgung variieren: mit Höchstbeträgen von bis zu 100 000 Euro. Eine weggeworfene Zigarettenschachtel, gebrauchte Taschentücher oder Bananenschalen können in Baden-Württemberg laut www.bussgeldkatalog.org schnell mal 25 Euro kosten. Für abgelegten Bauschutt können Umweltsünder mit bis zu 2500 Euro zur Kasse gebeten werden. So man sie denn findet.

Ein Bild aus Heilbronn, das so auch im Kraichgau zu sehen ist: Bauhofmitarbeiter, die an den Containerstandorten regelmäßig Müll einsammeln, der dort nicht hingehört. Dabei könnte vieles ganz legal in den Recyclinghöfen abgegeben werden.
Ein Bild aus Heilbronn, das so auch im Kraichgau zu sehen ist: Bauhofmitarbeiter, die an den Containerstandorten regelmäßig Müll einsammeln, der dort nicht hingehört. Dabei könnte vieles ganz legal in den Recyclinghöfen abgegeben werden.  Foto: Lina Bihr

Müll rund um Containerplätze: Belastung für Stadt Bad Rappenau und Personal

„Das ist ein leidiges Thema und für unseren Bauhof, der damit jeden Tag zu tun hat, wirklich schlimm“, sagt Sebastian Frei. Was sich regelmäßig rund um Containerplätze an Müll sammele, sei „eine umwelttechnische Sauerei“, wird der OB schon etwas deutlicher. Außer täglichem Ärger kommen Personalkosten und Kosten für die Entsorgung hinzu: „Unsere Bauhofmitarbeiter können in dieser Zeit nicht woanders eingesetzt werden.“

Abgesehen davon, rufe illegale Müllentsorgung auch viel Unverständnis in der Bevölkerung hervor. „Einfach nur krank“, steht unter einem Social-Media-Post im August: Damals wurden Unmengen von Kartonagen im Bad Rappenauer Wald entsorgt. Verpackungsmüll, der in jedem Recyclinghof kostenlos abgegeben werden kann.

Ordentlich nebeneinander gestellt und trotzdem unordentlich entsorgt: Leere Farbeimer am "Gimperner Eck" im Wald der Stadt Bad Rappenau. Das Thema ist ein dauerndes Ärgernis in den Städten und Gemeinden im Kraichgau.
Ordentlich nebeneinander gestellt und trotzdem unordentlich entsorgt: Leere Farbeimer am "Gimperner Eck" im Wald der Stadt Bad Rappenau. Das Thema ist ein dauerndes Ärgernis in den Städten und Gemeinden im Kraichgau.  Foto: Stadt Bad Rappenau

Besonders schwere Fälle bringe man zur Anzeige, sagt Frei. „Wenn es über ein Kaugummipapier hinausgeht, wird ermittelt, und es kommt zu einer Geldstrafe.“ Wie hoch die ist, könne man nicht pauschal sagen. Nur so viel, die Frau, die die Kartonagen entsorgt hatte, wurde geschnappt.

Bad Rappenau setzt auf Bildung statt Überwachung im Kampf gegen Müllsünder

Aus der Bürgerschaft kommt immer mal wieder das Thema Videoüberwachung von Containerplätzen auf. Hier äußert sich Frei zurückhaltend. Lasse man Themen wie Datenschutz und Kosten mal außer Acht, sagt er, dann verlagere sich das Problem nur in die Landschaft und in den Wald.

Gespannt ist der Oberbürgermeister, wie sich das neue Müllentsorgungssystem des Landkreises Heilbronn auf die Kommunen auswirkt: Hier wurde jeder verpflichtet, einen Mülleimer zu haben. Das war vorher nicht der Fall. „Der Weg kann nur über die Bildung gehen“, meint Sebastian Frei. „Müll gehört in den Mülleimer“, das müssten schon die kleinen Kinder lernen. 

Eppingen kämpft mit Müll an 21 Standorten – Ehrenamtliche helfen wöchentlich mit

Auch in Eppingen kämpft die Stadtverwaltung mit diesem Thema: „Fast alle 21 Containerstandorte der Gesamtstadt sowie das Bahnhofsumfeld sind betroffen“, lässt Rathaussprecherin Vanessa Heitz wissen. Die Kosten für die regulären Mülleimerleerungen kann sie genau beziffern: „Wir haben in der Gesamtstadt 561 Mülleimer und zählen 1053 Leerungen pro Woche, das macht rund 371.875 Euro im Jahr aus.“ Die Einsätze für die Beseitigung illegaler Müllablagerungen kommen da noch oben drauf.

Wie Bad Rappenau organisiert auch die Stadt Eppingen jedes Jahr Aktionen mit dem Ziel, für „ordnungsgemäß entsorgten Müll“ zu sensibilisieren. Seit 32 Jahren gibt es dort die Stadtsäuberungsaktion mit allen Eppinger Schulen. „Zudem freuen wir uns über das Engagement einer ehrenamtlichen Gruppe, die sich seit der Gartenschau wöchentlich darum kümmert, das Gelände zwischen Weiherpark und Areal Bachwegle sauber zu halten“, sagt Heitz.

Müllsünder melden

Die Stadt Bad Rappenau bittet Bürgerinnen und Bürger regelmäßig, aufmerksam zu sein: Wer Hinweise auf Müllsünder geben kann, kann sich beim Vollzugsdienst Bad Rappenau unter Telefon 07264 922338 oder bei der Stadtverwaltung Bad Rappenau unter Telefon 07264 9220 melden. Die Stadt Eppingen hat sogar eine App: Meist kommen Rückmeldungen zu wild abgelegtem Müll „über unsere medialen Kanäle (beispielsweise Schadensmelder über die Service-App) oder per Mail an“, gibt Vanessa Heitz bekannt. rik

Peter Albert führt diese Gruppe mit vier Männer im Alten zwischen 70 und 80 Jahren an. Seit zweieinhalb Jahren sind sie unterwegs, erzählt er. Die Zusammenarbeit mit der Stadt „klappt einwandfrei“. Sie sammelten jeden Freitag zwischen 8 und 11 Uhr Müll – die Stadt holt ihn ab und entsorgt ihn.

Eppinger Rentner sammeln Müll – und wünschen sich mehr Unterstützung

Die Männer sind unterwegs, „weil es notwendig ist“, so Albert. Jeden Tag mache die Stadt auch in den Parks sauber. „Aber wenn wir durchlaufen, finden wir trotzdem noch einen Sack voll Müll: Papiertüten, Getränkedosen, Kleinigkeiten, die achtlos weggeworfen werden.“ Albert ärgert sich darüber. Aber er diskutiert nicht mehr. Stattdessen packen er und seine drei Mitstreiter mit an: „Wir machen das gern“, sagt er. „Wir machen drei bis vier Stunden sauber. Und dann setzen wir uns irgendwo hin und trinken eine Tasse Kaffee.“ Die bezahlt ihnen die Stadt, verrät der rüstige Rentner, wobei man das nicht ausnutze.

Freuen würde er sich über Verstärkung: „Die Stadt muss sauber bleiben“, heißt Peter Alberts Anliegen. Man muss permanent dahinter her sein. Alle müssten mithelfen, das Bewusstsein dafür zu schärfen.

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