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Raußmühle
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Eppinger Förderverein sucht neuen Eigentümer für Raußmühle

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Förderverein Raußmühle stellt Weichen für Zeit nach Frank Dähling. Ehemalige Wassermühle in Eppingen soll zugänglich bleiben. Diese Veranstaltungen sind in dem historischen Ensemble geplant:

Kistenweise Bücher: Franz Budke vom Förderverein Raußmühle lädt Interessierte zum Sichten und Sortieren des umfangreichen Fundus ein.
Foto: Kühl, Jörg
Kistenweise Bücher: Franz Budke vom Förderverein Raußmühle lädt Interessierte zum Sichten und Sortieren des umfangreichen Fundus ein. Foto: Kühl, Jörg  Foto: Kühl, Jörg

Kann die Raußmühle als Gesamtheit erhalten bleiben? Der voriges Jahr im Alter von 81 Jahren verstorbene Eigentümer der Raußmühle, Frank Dähling, hat das Objekt immer als Gesamtkunstwerk betrachtet: Alles gehört zusammen. Nach seinem Tod am 8. Juli 2025 beschäftigen sich der Förderverein Raußmühle und Eppingens Verwaltungsspitze mit der Frage, wie es mit der einstigen Wassermühle im Südwesten der Fachwerkstadt weitergeht.

Ende vorigen Jahres gab es ein wegweisendes Treffen des Fördervereins Raußmühle mit Eppingens OB Klaus Holaschke. Jetzt liegt ein Fünf-Säulen-Konzept vor.

Das sind die jüngsten Strategien für die Raußmühle in Eppingen

Wichtigste Überlegung darin: „Die Mühle muss weiter bewohnt sein.“ Dies sei nach Rücksprache mit der Ehefrau Dählings für die nächsten zwei Jahre gesichert, teilt der Vorsitzende des Fördervereins, Franz Budke, mit. Auch sollen die drei Öffentlichkeitstage erhalten blieben. Der Förderverein kümmert sich um deren Organisation. Die privaten Führungen durch das Alltagsmuseum der bäuerlichen Kultur und die Mühle werden weiter angeboten. Das Archiv für die Geschichte des ländlichen Lebens mit seinen vielen gesammelten Exponaten wird gesichtet, sortiert und reduziert.

Und wie geht es mit der Frankeburg weiter?

Das Eigentum und die Verantwortung für das zweitälteste Haus Eppingens in der Steingasse 4 (die „Frankeburg“) werden an die Stadt und die Heimatfreunde abgegeben. Der Förderverein um Frank Dähling hatte das historische Haus in Eppingens Altstadt im Jahr 2011 für einen symbolischen Betrag erworben und die windschiefe Immobilie so vor dem Abriss bewahrt.

Über all diesen Überlegungen steht der Wunsch von Stadt und Förderverein, für die Raußmühle einen neuen Eigentümer zu finden. Im ersten Anlauf will der Förderverein eine Annonce veröffentlichen, die die Bedingung enthält, dass der neue Eigentümer den Geist der Raußmühle bewahrt und weiterentwickelt, so der Vereinsvorsitzende.

Warum die Raußmühle für einen neuen Eigentümer interessant sein könnte

Budke hält es nicht für abwegig, dass sich für die Immobilie ein Liebhaber findet. Die Raußmühle böte bei interessierter Nutzung auch Chancen auf Erlöse. „Mit Hilfe des Archivs könnte man zehn bis 15 neue Ausstellungen produzieren.“ Fertig aufbereitete Sammlungen, wie die Mausefallen, könne man gegen Entgelt entleihen, ist der Vereinsvorsitzende überzeugt. Es gibt auch Überlegungen für Plan B: „Falls sich nach Ablauf eines Jahres kein Interessent meldet, würden wir die Ausschreibung in eine gewöhnliche Immobilien-Annonce ändern.“

So oder so muss das Inventar deutlich reduziert werden. Dabei hilft Rainer Scherb, ein langjähriger Freund des Raußmüllers. Der Hesse, der ursprünglich aus der Eppinger Region stammt, verfügt über fachliche Expertise bei der Auflösung historischer Sammlungen, wie Budke berichtet. Dazu zählen unter anderem Hunderte von Büchern, die der Verein teilweise entsorgt, und teilweise in Bananenkisten verpackt.

Was der Förderverein mit Frank Dählings Büchern vorhat

Einen Großteil der Bücher will der Verein im Rahmen von Flohmärkten veräußern. „Frank Dähling hat eingerahmt von Büchern gelebt. Auf wenigen Quadratmetern, wie ein Mönch, verrät Budke, der nach Dählings Tod von der Witwe um den Vereinsvorsitz gebeten worden war. Der Förderverein trifft sich jeden vorletzten Samstag in der Mühle, um Dählings Nachlass zu sichten und zu sortieren. Dabei werden regelmäßig auch die notwendigsten Aufräumarbeiten auf dem Hof and seinen Gemäuern durchgeführt.

Der Förderverein lädt dazu ausdrücklich auch interessierte Außenstehende ein, so Franz Budke. Die nächste Arbeitsaktion ist am 24. Januar. Im Rahmen des verkaufsoffenen Sonntags am 26. April wird der Förderverein in der ehemaligen Gaststätte Turmschänke vis à vis des Pfeifferturms Bücher gegen Spenden abgeben.

Welche Exponate aus der Raußmühle im städtischen Museum zu sehen sind

Bis 1. März ist im städtischen Museum „Alte Universität“ in Eppingen die Familienausstellung „Flickwerk – Upcycling durch die Jahrhunderte” aus der Sammlung Frank Dähling zu sehen. Gezeigt werden unter anderem Objekte, die am Ende ihrer Nutzung einer neuen Verwendung zugeführt wurden. Die Ausstellung hat auch eine Mitmach-Komponente: Am 10. Januar können Kinder ab sechs Jahren Kresse-Töpfchen basteln. Kontakt unter Telefon 07262 920 1500. 

Gesamtkunstwerk: In jedem Winkel der Eppinger Raußmühle hat der vor einem halben Jahr verstorbene Eigentümer Zeugnisse des bäuerlichen und handwerklichen Lebens aufbewahrt.
Foto: Jörg Kühl
Gesamtkunstwerk: In jedem Winkel der Eppinger Raußmühle hat der vor einem halben Jahr verstorbene Eigentümer Zeugnisse des bäuerlichen und handwerklichen Lebens aufbewahrt. Foto: Jörg Kühl  Foto: Kühl, Jörg
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