Eppinger Bahnsteig: 2,6 Millionen Euro für 17 Zentimeter
Hohe Kosten für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Eppingen-West sorgen für kritische Fragen. Die Erhöhung des Bahnsteigs um 17 Zentimeter soll 2,6 Millionen Euro kosten. Daran muss sich die Stadt beteiligen. Das sind die Reaktionen:

Wenn die Bahn baut, wird es gerne mal etwas teurer. Das spürt gerade auch die Stadt Eppingen. Der Bedarfshaltepunkt Eppingen West, unweit des Edeka, soll barrierefrei umgerüstet werden. Im Kern geht es um die beidseitige Anhebung von 130 Meter Bahnsteig um 17 Zentimeter. Natürlich sind dafür auch sämtliche Anbindungen, Zuwegungen und Rampen auf die neue Gesamthöhe von 55 Zentimeter anzuheben.
Der Behelfshalt erhält bei der Gelegenheit ein modernes Blindenleitsystem, wie der Projektleiter bei der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG), Ronny Adam, dem Gemeinderat in Eppingen jüngst erläuterte. Auch neue Bahnhofsmöbel und eine neue Beleuchtung zählen zum Paket.
Beim Kostenpunkt wird es interessant
Beim Kostenpunkt wird es interessant. Laut dem Projektleiter verschlingt die Maßnahme 2,6 Millionen Euro. Die Hauptlast trägt das Land, die Stadt Eppingen ist mit immerhin 850000 Euro mit an Bord. Das sorgte im Gemeinderat jüngst für interessierte Nachfragen.
Die Baumaßnahme erfolgt laut der aktuellen Planung während der Vollsperrung der Strecke 2027 zwischen Bretten und Eppingen. Bis zu einem Dreivierteljahr werde auf dem Abschnitt „alles auf links gedreht“, wie der Projektleiter zusammenfasst. Eppingen-West sei dann der letzte Haltepunkt, der barrierefrei umgebaut wird.
Kleiner Wertmutstropfen: Auf Zwischenfrage des Eppinger OB Klaus Holaschke verneinte der AVG-Mann, dass im Zuge der Baumaßnahme der zweigleisige Ausbau zwischen Eppingen und Sulzfeld gleich mit erledigt wird: „Das steht aktuell nicht auf dem Tableau“, so der Projektmanager, der auch beim zweigleisigen Ausbau der Trasse zwischen Schwaigern und Leigarten federführend tätig war.
Für das gleiche Geld erschließt Eppingen ein ganzes Neubaugebiet
In der Aussprache äußerten Vertreter des Gemeinderats einerseits Verständnis für den barrierefreien Ausbau. Andererseits wurde der Kostenrahmen und damit auch die anteilige kommunale Beteiligung mit Verwunderung zur Kenntnis genommen.
Stadtrat Michael Mairhofer (SPD) setzte die 2,6 Millionen Euro für 260 Meter laufender Bahnsteige mit der Erschließung des kompletten Neubaugebiets Burgberg in Richen, die in derselben Gemeinderatssitzung für 2,5 Millionen Euro beschlossen wurde, ins Verhältnis.
Stadtrat Jörg Haueisen verteidigte die Baumaßnahme. Barrierefreiheit sei heute zeitgemäß. Auch den Zeitpunkt findet der Fraktionschef der Freien Wähler richtig: „Besser gehts gar nicht, wenn eh gesperrt ist.“ Carmen Probst von der CDU gab zu bedenken, es handele sich um „viel öffentliches Geld für einen Bahnsteig, der eigentlich nur Bedarfshaltestelle ist“. „Die Kröte müssen wir wohl schlucken.“
Reicht es nicht, die Züge mit ausfahrbaren Rampen auszustatten?
FDP-Stadtrat Stefan Schlimm erkundigte sich, ob der Bahnsteig danach für die Zukunft gerüstet sei. Dies ist laut dem AVG-Mann der Fall. Die Lebensdauer liege zwischen 30 und 50 Jahren.
Der Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat, Peter Wieser: „Über die Bausumme sind wir auch gestolpert, besonders über die Baunebenkosten. Die werden immer gewaltiger.“ Dabei werde die Arbeit für Ingenieure auch durch KI immer leichter, so Wieser: „Da kann ich mich schon fragen, warum öffentliches Bauen gerade im Bahnbereich so teuer ist,“ zeigt sich der Grüne verärgert. Für einen Kommunalpolitiker, der vor seinen Aufgaben stehe, sei dies „schon eine Belastung“.
Stadtrat Matthias Rebel fragte abschließend, ob man alternativ zum teuren Umbau der Bahnhöfe nicht mittels technischer Vorrichtungen an den Zügen Barrierefreiheit herstellen könne. Diese Option beschrieb Bahn-Mann Adam als zu kompliziert: „Wo bringt man die ausfahrbare Rampe am Wagen an. Reicht eine, muss man sie an jede Türe anbauen?“
Das löchrige Bahnsteigdach des Hauptbahnhofs sollte gleich mit repariert werden
Mehrere Redner forderten, im Zuge der barrierefreien Ausrüstung des Bahnsteigs der Haltestelle Eppingen-West gleich das löchrige Dach der Bahnsteigüberdachung des Eppinger Hauptbahnhofs mitzusanieren. Dazu AVG-Projektleiter Ronny Adam: „Unsere Instandhaltungsabteilung arbeitet momentan am Sanierungskonzept. Eine Reparatur sei „maximal nachts in den Zugpausen“ möglich. Möglich sei, „dass man erst mal nur die größten Löcher behebt, und dann 2027 eine große Sanierung vornimmt“.
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