Das Bad Rappenauer Modehaus Bauer feiert einen stolzen 100. Geburtstag
Das Bad Rappenauer Modehaus Bauer feiert zurzeit seinen 100. Geburtstag mit satten Rabatten. Karin und Frank Bauer sind das Gesicht des Unternehmens. Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft.

Kurz bevor das Bad Rappenauer Modehaus Bauer Ende der 60er-Jahre von der Schwärzsteige 1 in das neu gebaute Citycenter am Kirchplatz 16 zog, inserierte Ferdinand Bauer jun. „Verkaufsräume im Erdgeschoss, zirka 50 qm und 100 qm, Geschäftsräume im Obergeschoss, unterteilbar nach Wunsch und Wohnungen mit 1-2-3- und 4 Zimmern mit Küche, Bad, WC.“ Unterschrift „Das leistungsfähige Textilhaus“. Die eigene Verkaufsfläche stieg damals von 50 auf 285 Quadratmeter. Heute präsentiert das „Modehaus mit Großstadtanspruch“ auf einer Fläche von 1200 Quadratmetern trendige Damen- und Herren-Mode. Mit ihrem sehr persönlich geführten Haus besetzen Karin und Frank Bauer eine Nische und ziehen Kundinnen und Kunden aus einem Umkreis von zirka 40 Kilometern an. Jetzt feiern sie gerade den 100. Geburtstag ihres Unternehmens.
Rappenauer Modehaus Bauer blickt auf 300 Jahre Schneiderhandwerk zurück
Gesicht Karin und Frank Bauer sind nicht nur als Ehepaar ein starkes Team. Sie ist gelernte Werbekauffrau und kümmert sich um den Einkauf, um Umbauten, die Präsentation der Ware und das Design des Ladens. Er ist Kaufmann und der geborene Verkäufer. 1983 stieg er ins Modehaus seines Vaters Ferdinand jun. ein. „Ich lebe Mode schon immer“, sagt er: in einer Familie, die auf 300 Jahre Schneiderhandwerk zurückblickt.
Der Großvater Ferdinand sen. hatte noch eine kleine Werkstatt mit Verkauf von Berufskleidung in Bonfeld. Erst der Vater verlegte das Unternehmen in die Kernstadt.
Mit Sekt oder Aperol Spritz, 80-er Jahre-Musik mit dem Oedheimer DJ Dede, Mitarbeiterinnen und vielen Kunden „die mit uns durch Dick und Dünn gegangen sind“ haben Karin und Frank Bauer ihr Jubiläum dort am Kirchplatz 16 am Donnerstagabend gebührend gefeiert.
An der Bar gibt’s Espresso oder Cappuccino. Der Einkauf wird zum Event: „Das wird geschätzt“, sagt sie. Aber ebenso geschätzt werde, dass man hier leicht ins Gespräch komme. Das Modehaus sei heute fast ein sozialer Treffpunkt, sagt Frank Bauer: „Das hat man im Internet nicht.“ Und auch, wenn die Pandemie doch ein paar Jahre zurück liegt: Dort hätten viele gemerkt, sagt er, was ihnen gefehlt habe.

Modehaus Bauer trotzt erfolgreich dem Wandel in der Textilbranche
Wo früher mehrere Läden unter einem Dach waren, und auch das Modehaus selbst Kurzwaren, Kinderkleidung und Nachtwäsche anbot, konzentrieren sich die Textilprofis heute auf die Be-kleidung und Be-gleitung von Männern und Frauen. „Früher haben wir versucht, jedem etwas zu verkaufen“, sagt Frank Bauer. „Heute helfen wir unseren Kunden, ihren Stil zu finden.“ Die meisten sind Stammkunden.
60 Tage im Jahr sind Karin und Frank Bauer unterwegs, um einzukaufen. Schon da habe man die eine oder andere Kundin im Kopf mit der Frage, ob ihr dieses oder jenes stehen könnte.
Im Erdgeschoss haben die beiden zurzeit eine kleine historische Ecke. Neben einem übergroßen Ausschnitt aus der Heilbronner Stimme vom 23. November 1949, in dem das 25. Jubiläum des Modehauses Bauer gewürdigt wird, steht ein 100 Jahre alter Anzug, handgenäht und aus edlem Zwirn. Im Modehaus Bauer waren lange noch zwei Schneiderinnen fest angestellt. Sie kürzten Hosen, machten Oberteile enger und ersetzten kaputte Reißverschlüsse.
Gekauft wird an Kleidern, was auf Anhieb sitzt und sich gut kombinieren lässt
Heute, sagt Frank Bauer, würden die Leute das kaufen, was auf Anhieb sitze: „Das Trageverhalten hat sich komplett gewandelt.“ Man kaufe gezielter. Mode sei heute vielschichtiger, sagt Karin Bauer: „Jeder sucht seinen eigenen Stil. Aber jeder wird auch so akzeptiert, wie er ist.“ Die Jeans in der Oper? Das Pailletten-Shirt im Büro? Wer den Mut hat, pfeift auf alte Gewohnheiten. Alles ist - nochmal verstärkt durch das Arbeiten im Homeoffice - lässiger geworden.
Langjährige Mitarbeiterinnen beraten, was sich gut kombinieren lässt. Wenn sich die Branche geändert hat, sind Karin und Frank Bauer mitgegangen: Vor zwölf Jahren haben sie sich von ihrer Kinder-Abteilung getrennt. „Der Kinderkleidermarkt hat sich über den Preis aus den Fachgeschäften geschossen“, sagt Frank Bauer. Nicht nur in Bad Rappenau. Gardinen, Schürzen und Kurzwaren gibt es dort schon viel länger nicht mehr. Was nicht mehr ging, flog raus. Das war auch spannend.
Modehaus Bauer wünscht sich mehr Leben in der Bad Rappenauer Innenstadt
„Wir haben noch immer Spaß und sind voll Energie und Leidenschaft im Beruf“, sagen die Bauers. In einer Branche, die sich stetig wandelt.
Für Bad Rappenau ist ihr Modehaus DER Frequenzbringer in der Innenstadt. Dort wünschen sich die beiden deutlich mehr Leben. Sie sagen aber auch: „Wir sind froh, dass wir hier kostenlose Parkplätze haben. Das ist der große Unterschied zwischen ländlichem Raum und Stadt."


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