Am Sonntag, 25. Mai, feiert der Bürgerbusverein in der Bad Rappenauer Innenstadt sein Jubiläum. Los geht es um 11 Uhr auf dem Kirchplatz. Es gibt Livemusik von Holger Ries und Peter Trunzer. Außerdem werden Bücher und Gebrauchtwaren angeboten. Vor dem Ratsstüble ist ein Grill aufgebaut. Beim Eiscafé Cortina gibt es ein spezielles Bürgerbus-Eis. Für Getränke, Kaffee und Kuchen sorgt der Förderverein der Grundschule Obergimpern. Der Bürgerbus fährt an diesem Tag von 11 Uhr bis 17 Uhr im Linienbetrieb wie samstags stündlich alle 16 Haltestellen an.
Bürgerbusverein Bad Rappenau feiert Jubiläum
Trotz anfänglicher Widerstände hat sich der Bürgerbusverein Bad Rappenau etabliert – und gerade zwei Meilensteine erreicht: 20.000 Fahrgäste und zehnjähriges Jubiläum. Am 25. Mai wird gefeiert.

Eine Schallmauer hat der Bürgerbusverein Bad Rappenau gerade erst durchbrochen: Vor wenigen Wochen wurde der 20.000. Fahrgast begrüßt. Jetzt steht bereits der nächste Meilenstein an, denn der Verein wird zehn Jahre alt. Der Stichtag ist zwar erst im August, gefeiert wird allerdings bereits am 25. Mai.
Widerstand im Rathaus und Gemeinderat verzögerte den Start
An die Anfangszeit denkt der Vorsitzende Klaus Ries-Müller mit gemischten Gefühlen zurück. Denn der Weg zum Fahrbetrieb war lang und mitunter steinig. „Heribert Blättgen war deutlich dagegen“, erinnert sich Ries-Müller. Doch nicht nur der damalige Oberbürgermeister stand den Plänen negativ gegenüber. Auch die Stadträte stimmten mehrheitlich gegen einen Probebetrieb im Jahr 2017. Dabei hatten sie mit dem Bürgerbusverein im benachbarten Bad Wimpfen ein gut laufendes Vorbild. Dort wurden bereits 2011 die ersten Busse eingesetzt.
Dass der Antrag vor acht Jahren nicht durchging, sei für ihn enttäuschend gewesen, sagt Klaus Ries-Müller, der selbst für die ÖDP im Gemeinderat sitzt: „Es was wirklich frustrierend.“ Dann habe man sich aber innerhalb des Vereins gedacht: „Jetzt erst recht.“ Das dachte sich wohl auch Olaf Werner. Der Geschäftsführer der Kur- und Rehakliniken (KuK) meldete sich kurz darauf und bot einen der Kurbusse an. Die waren samstags nicht im Einsatz, standen also zur Verfügung. Mit einem dieser Fahrzeuge wurde dann der Probebetrieb ab Ende 2017 aufgenommen. Nach sechs Monaten starteten schließlich die regulären Busfahren.
Zwölf Fahrerinnen und Fahrer steuern den Bürgerbus
Seitdem sind die momentan zwölf Fahrerinnen und Fahrer samstags auf einer festgelegten Route in der Kernstadt unterwegs. Kurgäste lernen dadurch den Ort kennen, Bürger können unkompliziert zu den Supermärkten gebracht werden. Kurz vor dem Lockdown im Frühjahr 2020 kaufte der Verein das erste eigene Fahrzeug – mit 3000 Euro ein echtes Schnäppchen. Und erstmal nicht im Einsatz, denn der Fahrbetrieb wurde vorübergehend eingestellt. Dabei lief es bis dahin gut, zwischen 50 und 60 Gäste wurden jeden Samstag von A nach B transportiert.

Doch die Krise brachte auch neue Gelegenheiten, den gerade erstandenen Van zusätzlich einzusetzen. Mit der Zulassung des Corona-Impfstoffes für ältere Menschen Anfang 2021 nahm der Transport zu den Kreis-Impfzentren in Sinsheim und Ilsfeld Fahrt auf. Die Idee kam von einem Vereinsmitglied. „Das hat uns finanziell sehr geholfen, weil die Senioren sehr großzügig waren“, erinnert sich Klaus Ries-Müller.
Fahrten zu Arztterminen, Gottesdiensten und ins Umland
Aus den Impffahrten wurde im Laufe der Jahre ein dauerhaftes Angebot. Jetzt geht es aber statt in die Zentren in Arztpraxen. Auch Fahrten zu Gottesdiensten sowie Ausflüge in und um Bad Rappenau sind im Angebot. Die werden mittlerweile mit einem „echten“ Bürgerbus unternommen: Den ausgebauten Sprinter konnte der Verein für 16.000 Euro erwerben. Bevor er in den Kraichgau kam, war der Bus in Nordrhein-Westfalen in der gleichen Funktion im Einsatz. Große Reparaturen, die ein finanzielles Loch in die Vereinskasse reißen würden, standen in den ganzen Jahren übrigens nie an.
Doch der Verein wäre nichts ohne seine Fahrer: „Ohne sie könnten wir den Betrieb nicht aufrechthalten“, sagt der Vorsitzende. Gerne würde er noch einen weiteren Tag dazu nehmen. Doch mit den im Juli 2022 eingeführten Mittwochsfahrten ist momentan eine Grenze erreicht.
Prominenter Fahrer hilft am Sonntag aus
Aber vielleicht gewinnt der Bürgerbusverein in seinem Jubiläumsjahr einen prominenten Lenker dazu. Während der Feier am Sonntag setzte sich auch Oberbürgermeister Sebastian Frei für eine Stunde hinters Steuer. Und wer weiß: Vielleicht kommt der Rathauschef auf den Geschmack.

Stimme.de
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