Instagram-Clip von AfD-Kandidat vor Hüffenhardter Kirche sorgt für Kritik
AfD-Landtagskandidat Lukas Huber beklagt in einem Clip ein vor der evangelischen Kirche in Hüffenhardt stehendes „Flüchtlingsboot“ sowie eine darüber wehende „LGBTQ-Flagge“. Beides habe aber nicht viel damit zu tun, was die Kirche sich dabei gedacht habe, sagt der Dekan.
In einem Wahlkampf-Clip auf Instagram kritisiert der AfD-Landtagskandidat Lukas Huber die evangelische Kirche in Hüffenhardt. Mit den Worten „Die Prioritäten der Evangelischen Kirche Deutschland“ ist sein Kurzvideo überschrieben: „Flüchtlingsboot und LGBTQ-Flagge“. Huber steht in dem Clip vor der evangelischen Kirche in Hüffenhardt und sagt: „Man könnte den Eindruck haben, die evangelische Kirche dient sich vor allem Asylbewerbern und queeren Menschen an.“ Im Hintergrund ist ein Boot zu sehen, über dem eine Regenbogenflagge weht.
Dekan in Hüffenhardt: Boot seit einigen Jahren vor Kirche – Bezug auf Arche Noah
Folkhard Krall, Dekan für den Kirchenbezirk Mosbach, sagt dazu auf Anfrage unserer Zeitung: „Er hat sich einfach nicht informiert.“ Lukas Huber könne denken und auch Dinge deuten, wie er wolle. Möglicherweise wäre es aber hilfreich gewesen, mit der Kirche in Kontakt zu treten, so Krall - „und mit Wählern anstatt über sie zu sprechen, nur so als kleiner Hinweis“.

Das rote Boot stehe schon einige Jahre vor der Kirche in Hüffenhardt, führt Krall aus. Es beziehe sich auf die Arche Noah und darauf, dass sie die Gemeinde als Schiff verstehe. „Der Gedanke ist, dass man vieles erreichen kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht.“ Gerade im Hinblick auf eine dringend notwendige Kirchensanierung in Hüffenhardt, für die es auch einen Förderkreis gibt.
Auf Kritik angesprochen, antwortet AfD-Kandidat Huber mit einer umfassenden Mail
Die Interpretationen Hubers seien „komplett falsch“, sagt Andreas Parzer, Mitglied des Kirchengemeinderats. „Der Regenbogen ist in der biblischen Geschichte von zentraler Bedeutung“, erklärt er. Beim Hissen der Flagge sei es „nicht um die queere Bewegung gegangen“. Er habe bei einer Durchsicht Hubers sonstiger Videobeiträge festgestellt, dass es ihm darum gehe, „einer Schweinerl durch das Dorf zu treiben“ und Aufmerksamkeit zu generieren.
Auf die Kritik aus Hüffenhardt angesprochen, antwortet Lukas Huber (28) mit einer umfassenden Mail, die er mit zahlreichen Quellenangaben versieht. Der studierte Mathematiker bleibt bei seiner Perspektive. Er habe im Konjunktiv gesprochen. Dem Eindruck, dass sich die EKD tatsächlich Asylbewerbern und „queeren Menschen“ andiene, „kann man sich jedoch nur schwer verwehren.“
Beispielsweise engagiere sich die EKD mit der Organisation „United4Rescue“ in der sogenannten Seenotrettung im Mittelmeer, die sich als Transfer von Asylbewerbern nach Europa entlarve. Auch das Umgarnen „queerer“ gesellschaftlicher Schichten der EKD sei dokumentiert, schildert Huber. Insbesondere die Evangelische Landeskirche in Baden (EKIBA) als übergeordnetes Kirchenorgan für Hüffenhardt, sei bei der Erhöhung der LGBTQ-Lobby weit vorne dabei. Huber: „Wer eine Regenbogenflagge vor der Kirche positioniert, bekennt sich mit Aplomb zu diesem Weltbild und sollte auch bereit sein, sich Kritik anzuhören.“
Pfarrgemeinderats-Mitglied: „Viel effektiver, wenn wir uns nicht politisch positionieren“
Kirchengemeinderat Parzer sagt, er habe sich zunächst „massiv geärgert“ über den Clip des AfD-Kandidaten Huber. Er vertrete die Ansicht, dass die Kirche von der oberen Ebene aus politische Positionen äußern könne. Aber an der Basis, „da sind wir viel effektiver, wenn wir uns nicht politisch positionieren“. Man helfe Menschen unabhängig von politischen Ansichten. In der Symbolik der Regenboggenflagge seien alle Menschen inkludiert, „und in Gottes Namen auch ein Herr Huber“, sagt Parzer.

Huber dagegen führt in seiner Mail aus, dass AfD-Mitglieder von der Evangelischen Kirche regelmäßig ausgeschlossen würden. Er pflege Kontakt zu Bürgern aus Hüffenhardt und Mitgliedern der badischen Landeskirche, die kirchlich aktiv seien, sagt Huber. „Der Unmut über das von der Landeskirche vertretene Bild an der kirchlichen Basis ist groß.“
Dekan Krall dagegen betont den „kirchlichen Auftrag“, unter dem man stehe. Alle Menschen, die notleidend und als Minderheiten bedroht seien, gelte es zu schützen. Wenn politische Parteien Minderheiten den Schutz versagen wollten, gelte das umso mehr.
Boot in Hüffenhardt wurde 1977 von Konfirmanden und Pfarrer gebaut
Der evangelische Pfarrgemeinderat Hüffenhardt beschreibt in einem Text die Hintergründe des Bootes, dass vor der evangelischen Kirche platziert ist. Dieser Text wurde jetzt auch im örtlichen Mitteilungsblatt veröffentlicht. Darin wird auf das deutschsprachige Kirchenlied „Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt“ von Martin Gotthard Schneider aus dem Jahr 1963 verwiesen. „In dem Lied wird die biblische Metapher des Schiffes für die christliche Kirche benutzt, um die Gemeinschaft der Gläubigen im Vertrauen auf Gott darzustellen“, führt der Kirchengemeinderat aus.
Das „Segelboot“ sei vor langer Zeit von Konfirmanden eines Jahrgangs mit ihrem damaligen Pfarrer Hans Ade gebaut worden. Zu ihrer Jubelkonfirmation hätte es noch im Ort wohnende Jubelkonfirmanden „wieder ausgegraben“ und instandgesetzt. Das Boot soll demnach symbolisieren: „Wir, die evangelische Kirchengemeinde Hüffenhardt, machen uns auf einen neuen Weg.“ Pfarrer Ziegler habe die Gemeinde im September 2025 verlassen „und wir müssen uns selbst verwalten und versorgen“.
Da jedes Boot eine Fahne brauche, „haben wir auch eine an das oberste Ende des Mastes gehängt“, heißt es weiter mit Verweis auf die Bibelgeschichte: „Als Noah mit seiner Arche am Ende der großen Flut auf dem Wasser trieb, kam zuerst die Taube mit dem grünen Zweig zur Arche zurück. Da sahen alle, jetzt kann auf der Erde das Leben wieder anfangen. Und als sie die Arche verlassen hatten, dankten sie Gott und ein Regenbogen zeigte sich, der Himmel und Erde verbindet. Seitdem ist der Regenbogen ein Zeichen für den Bund, den Gott mit allen Menschen geschlossen hat.“
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