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Bürgerinitiative angedacht

In Berwangen formiert sich Protest gegen geplante Windräder

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Nachdem beim Landratsamt ein Bauantrag für drei Windräder zwischen Eppingen-Richen, Ittlingen und Kirchardt-Berwangen gestellt wurde, wächst insbesondere in Berwangen Unmut. Es gibt Überlegungen, eine Bürgerinitiative zu gründen.

Auf dem Höhenrücken zwischen Berwangen, Richen und Ittlingen ist ein Windvorranggebiet ausgewiesen.
Auf dem Höhenrücken zwischen Berwangen, Richen und Ittlingen ist ein Windvorranggebiet ausgewiesen.  Foto: Hoffmann, Adrian

Die Nachricht, dass auf dem Höhenrücken im Dreieck zwischen Ittlingen, Eppingen-Richen und Kirchardt-Berwangen drei Windräder gebaut werden sollen, hat viele Menschen vor allem in Berwangen verschreckt. Es formiert sich Protest. Zwar war schon länger bekannt, dass in diesem Bereich durch den Regionalplan ein Windvorranggebiet ausgewiesen ist, doch der von einem Projektierer bei der Stadt Eppingen gestellte Bauantrag macht das Thema für viele Anwohner erst jetzt greifbar. Andreas Schumm, Direktor des Regionalverbands Heilbronn-Franken, sagt zur jetzigen Entwicklung in Berwangen, es sei ihnen durchaus bewusst, „dass dieses Thema emotional aufreibend ist“. Man nehme deshalb alle vorgetragenen Belange auch ernst.

Ein 59 Jahre alter Anwohner, der ungenannt bleiben möchte, gründete vor wenigen Tagen eine Whatsapp-Gruppe mit dem Titel „Keine Windräder um Berwangen“, der bereits 100 Menschen angehören, vorwiegend sind es Berwanger. „Hier laufen die Drähte heißt“, sagt er. Er kritisiert, dass die Fläche am äußersten Rand Eppingens so gewählt wurde. Da er in der Forststraße lebe, sei er besonders nah dran an den Windrädern. Er befürchte einen „Discoeffekt“ - damit ist ein lästiger Schattenwurf durch die Windradrotoren gemeint.

Anwohner Klaus Lebherz: „Ich will nichts unversucht lassen“

„Wir werden uns wehren“, kündigt er an. Berwangen sei wie ein gallisches Dorf bei dieser Thematik. Er glaube nicht daran, dass dort oben noch Rotmilane fliegen werden, wenn die Windräder gebaut würden. Vom Lärm ganz zu schweigen, den Windräder seiner Erfahrung nach verursachten, es sei wie ein Pfeifen oder Fauchen.

Man denkt in Berwangen aktuell über die Gründung einer Bürgerinitiative nach. Ebenso gibt es die Idee, eine Petition gegen die Pläne zu starten. „Ich will nichts unversucht lassen“, sagt Klaus Lebherz, Anwohner in der Höhenstraße. Er möchte „diese Dinger nicht für den Rest meines Lebens vor der Nase haben“. Sein Ziel sei es, dass sich alle Projektgegner in den umliegenden Gemeinden vereinten. Es störe ihn besonders, dass Bürger von Politik und Lobby übergangen würden. Lebherz engagiert sich derzeit auch für eine Initiative gegen Windräder in Kirchardt, die es seit Mitte vergangenen Jahres gibt. „Pro Kirchardt“ nennt sich diese.

Blick über die Felder nach Berwangen. Anwohner fürchten um Lebensqualität.
Blick über die Felder nach Berwangen. Anwohner fürchten um Lebensqualität.  Foto: Hoffmann, Adrian

Einige Berwanger sind in Gesprächen mit weiteren Akteuren von Initiativen, zum Beispiel vom Verein „Weitblick Eppingen“ oder „Pro Heuchelberg“.

Auch Anita Essig kritisiert die Pläne deutlich. Die Yogalehrerin aus Berwangen fürchtet um Natur und Tierwelt. Vor allem beklagt sie, dass viele Menschen nicht Bescheid wussten über das Vorhaben und auch jetzt noch vieles nicht transparent sei. „Man darf ja unterschiedlicher Meinung sein, muss aber einen Diskurs zulassen“, sagt sie. Es reiche nicht aus, dass solche Themen in örtlichen Gremien besprochen werden. Es müssten auch die Leute, die am Ende betroffen sind, informiert und abgeholt werden.

Stefanie Achauer: „Ich muss meinem Unmut Luft machen“

Stefanie Achauer schreibt in einer E-Mail an unsere Redaktion, sie habe von der Planung der Windräder überhaupt nichts mitbekommen. Sie lebt erst seit Mai 2023 wieder in ihrem Heimatort Berwangen. Bei der betroffenen Gemarkung handle es sich um einen letzten Rückzugsort für Rehe. „Bestimmt sind dies keine Argumente für die Geldgeber, aber ich muss meinem Unmut Luft machen“, so Achauer. 

Beim Heilbronner Landratsamt heißt es, im konkreten Fall von Eppingen-Richen handelt es sich um ein laufendes Verfahren, bei dem gemäß aktueller Gesetzesbestimmungen keine verpflichtende Beteiligung der Öffentlichkeit mehr vorgesehen ist. Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber den Ausbau der Windenergie beschleunigen will. „Es steht den Projektierern frei, die Öffentlichkeit dennoch in den Planungsprozess einzubeziehen“, erklärt Andreas Zwingmann, Sprecher des Landratsamts - allerdings sei das eben nicht mehr vorgeschrieben. „Somit sind unsere Möglichkeiten als Genehmigungsbehörde begrenzt.“ Das Landratsamt könne lediglich darauf hinweisen, dass die Öffentlichkeit in den Prozess eingebunden werden sollte.

Und weiter: „Als Genehmigungsbehörde führt das Landratsamt Gesetze aus, macht diese aber nicht.“ Sehe der Gesetzgeber ein Verfahren ohne Öffentlichkeitsbeteiligung vor, so könne die Genehmigungsbehörde das nicht ändern. „Insofern beziehen wir auch keinerlei Position - weder hinsichtlich der Gesetzgebung auf der einen, noch hinsichtlich der Proteste auf der anderen Seite.“

Andreas Schumm vom Regionalverband: Haben einen „gesetzlichen Auftrag zu erfüllen“

Andreas Schumm vom Regionalverband Heilbronn-Franken sagt, grundsätzlich sei die Meinungsäußerung ein Grundrecht. Vor diesem Hintergrund nehme man den Protest auch zur Kenntnis. Jedoch habe der Regionalverband einen „gesetzlichen Auftrag zu erfüllen“, so dass man die Belange sorgfältig untereinander abwägen müsse.

Dem Vorwurf von Bürgern, sie seien spät über die Pläne informiert und nicht abgeholt worden, entgegnet Schumm, dass das Vorranggebiet für Windenergie in der Versammlung des Regionalverbands am19. Juli 2024 öffentlich vorgestellt wurde. „Seitdem konnte man davon ausgehen, dass diese Fläche zu einem Windenergiegebiet wird.“

Projektierer ist das Unternehmen WEBW mit Sitz in Stuttgart

Die Gemeinderatsgremien in Eppingen, Ittlingen und Kirchardt hatten in der Vergangenheit allesamt Bedenken geäußert hinsichtlich des Standorts, der im Regionalplan als Windvorranggebiet ausgewiesen wurde, geäußert. Doch sie wurden vom Regionalverband nicht berücksichtigt.

Die wesentlichen technischen Daten der vom Projektierer vorgesehenen Windräder sind: 174,5 Meter Nabenhöhe, 175 Meter Rotordurchmesser und eine Gesamthöhe von 262 Metern. Hinter dem Bauantrag steht das Unternehmen WEBW mit Sitz in Stuttgart. Es ist ein Gemeinschaftsunternehmen, das aus der Landsiedlung Baden-Württemberg und KWA Contracting hervorgegangen ist. Somit sind das Land Baden-Württemberg und die Stadtwerke Schwäbisch Hall, von denen KWA eine Beteiligungsfirma ist, involviert. Von WEBW wurden bislang keine Presseanfragen beantwortet.

In der Kirchardter Gemeinderatssitzung am 24. März sagte Bürgermeister Gerd Kreiter, man habe einen Monat Zeit für eine fachliche Stellungnahme an das Landratsamt. Wobei er anmerkte, dass im Erneuerbaren-Energien-Gesetz explizit auf „ein überragendes öffentliches Interesse“ beim Bau von Windkraftanlagen hingewiesen werde. „Wir hätten auf dieses Windvorranggebiet gerne verzichtet“, sagte Kreiter. Und weiter: „Wir können, so ehrlich muss man sein, die Windräder nicht mehr verhindern.“

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