Windpark-Vorhaben: In Berwangen wird ein zentrales Versprechen der Politik untergraben
Es wirkt nicht mehr wie ein Miteinander, sondern ein Gegeneinander: Der Widerstand, der sich in Berwangen gegen Windkraftpläne formiert, ist Ergebnis einer ignoranten Politik.

Der Fall Berwangen zeigt exemplarisch, woran die Energiewende zunehmend krankt: nicht an fehlender Technik, sondern an fehlender Akzeptanz. Und an einer Politik, die das offenbar billigend in Kauf nimmt.
Drei Windräder mit 262 Metern Höhe sollen entstehen, in Sichtweite vieler Berwanger. Bedenken vor Ort gab es längst. Doch sie spielten am Ende keine entscheidende Rolle. Selbst kommunale Gremien wurden übergangen. Kirchardts Bürgermeister Gerd Kreiter sagt offen, man könne die Anlagen „nicht mehr verhindern“. Deutlicher lässt sich kaum formulieren, wie begrenzt der Einfluss der Betroffenen inzwischen ist.
Konkrete Belastung der Menschen vor Ort gerät zur Nebensache
Damit wird ein zentrales Versprechen der Politik untergraben: Große gesellschaftliche Projekte sollen gemeinsam getragen werden. In der Realität ist davon wenig zu sehen. Stattdessen entsteht der Eindruck, dass der Ausbau der Windkraft mit politischem Druck durchgesetzt wird – abgesichert durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das ein „überragendes öffentliches Interesse“ definiert. Die konkrete Belastung für Menschen vor Ort gerät zur Nebensache.
Es geht nicht nur um Windräder, die Lärm verursachen oder Schatten werfen. Es geht um die Frage, ob politische Entscheidungen noch ausgewogen getroffen werden. Oder ob eine einseitige energiepolitische Agenda den Ton angibt. Viele Bürger gewinnen den Eindruck, dass wirtschaftliche Interessen und eine gut organisierte Branche mehr Gehör finden als ihre eigenen Sorgen.
Der Einzelne darf Stellungnahmen formulieren, die dann zur Kenntnis genommen werden
In Berwangen ist bereits vom „gallischen Dorf“ die Rede. Das zeigt, wie die Bundespolitik wahrgenommen wird: als Übermacht, gegen die sich der Einzelne vor Ort kaum noch wehren kann. Er darf Stellungnahmen formulieren, die dann maximal zur Kenntnis genommen werden. So wächst die Distanz zu einer Politik, die viele Menschen ohnehin nicht mehr erreicht.
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