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Buh-Rufe zu Beginn
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Landwirte enttäuscht über Absagen der Spitzenkandidaten

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Die Landwirtebewegung „Land schafft Verbindung“ hat in Bad Rappenau am Dienstag zu einer Podiumsdiskussion eingeladen. Die drei Spitzenkandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten von CDU, Grüne und AfD sagten ihre Teilnahme aber ab.

Zahlreiche Besucher bei einer Podiumsdiskussion von "Land schafft Verbindung" vor der Landtagswahl
Zahlreiche Besucher bei einer Podiumsdiskussion von "Land schafft Verbindung" vor der Landtagswahl  Foto: Hoffmann, Adrian

Am Montag hatte es noch geheißen, zwei Spitzenkandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten hätten abgesagt - aber einer, der kommt. Cem Özdemir von den Grünen. Am Dienstagabend dann Ernüchterung unter vielen von rund 500 Besuchern einer Podiumsdiskussion vor der Landtagswahl in Bad Rappenau-Fürfeld. Auch Özdemir sprang kurzfristig ab. Landwirte quittierten das gleich zu Beginn der Veranstaltung mit Buh-Rufen.

Es war nicht die klassische Wahlveranstaltung, wie man sie sonst so erlebt hat in den vergangenen Wochen. Bierbänke wurden in einer Maschinenhalle der Reitanlage Feeser in Fürfeld aufgestellt, es gab lokales Bier und Wildgulasch. Vielleicht hat er ja deshalb abgesagt, der Vegetarier Cem Özdemir, witzelten Landwirte in den Zuschauerreihen, wegen des Wildgulaschs.

LsV-Vorsitzender Christian Coenen kritisiert die Politik: „Große Ankündigungen und umgesetzt wird wenig“

Ausrichter der Podiumsdiskussion unter dem Titel „Bauer sucht Partei“ war die Landwirtebewegung „Land schafft Verbindung“ (LsV), die zuletzt in der Region im Dezember mit ihrer Protestaktion vor der Lidl-Deutschlandzentrale in Bad Wimpfen aufgefallen war. Hunderte Traktoren parkten vor dem Firmengebäude anlässlich eines extrem niedrigen Butterpreises von 0,99 Euro, mit dem Lidl geworben hatte.

Der baden-württembergische LsV-Vorsitzende Christian Coenen beklagte in seiner Begrüßung der Zuschauer, dass die Spitzenkandidaten Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) ihm persönlich zur Podiumsdiskussion zugesagt hatten. Bereits im Vorfeld machte er im Gespräch mit unserer Zeitung seine Enttäuschung deutlich. „So ist das in der Politik in den letzten Jahren. Große Ankündigungen und umgesetzt wird wenig.“

Zahlreiche Besucher bei einer Podiumsdiskussion von "Land schafft Verbindung" vor der Landtagswahl
Zahlreiche Besucher bei einer Podiumsdiskussion von "Land schafft Verbindung" vor der Landtagswahl  Foto: Hoffmann, Adrian

Ähnlich äußerte sich Marko Feeser, auf dessen Hof in Fürfeld die Veranstaltung stattfand. Feeser ist ebenfalls im LsV-Vorstandsteam. Außerdem ist er in Bad Rappenau Stadtrat bei den Freien Wählern. Seine Fraktionskollegen halfen bei der Bewirtung mit. „Das freut mich sehr“, sagte Feeser. Und das zeige gut den Unterschied zwischen Zusagen auf kommunaler Ebene und dem Vorgehen in der großen Politik. Wenn seine Fraktionskollegen von den Freien Wählern etwas ankündigten, dann würden sie das auch machen. „Da kann ich mich darauf verlassen“, so Feeser. „Es kann ja immer mal was dazwischen kommen“, äußert er aber grundsätzliches Verständnis für Absagen von Politikern. Bei einem Außenpolitiker, der jetzt mit dem Krieg im Nahen Osten zu tun habe, würde er das zum Beispiel verstehen. Nur in den Fällen Hagel, Özdemir und Markus Frohnmaier (AfD) - was könnte jetzt vor der Wahl wichtiger sein als mit Wählern ins Gespräch zu gehen? Hagel hatte bereits vor Wochen abgesagt wegen Terminüberschneidungen, Frohnmaier wegen einer USA-Reise. Özdemir habe auf einen anderen wichtigen Termin in Stuttgart verwiesen.

Diskussion um Mindestlohn ist für viele Landwirte von besonderem Interesse

Die Intention bei der Podiumsdiskussion ist es laut Marko Feeser gewesen, dass die Landwirte die Gelegenheit bekommen, die drei Spitzenkandidaten und ihr Auftreten persönlich zu erleben. Einige Landwirte seien auch deshalb von weit her angereist. Manche kamen trotz des aktuellen Brandes im Engelberg-Tunnel. Die Absagen seien auch ihnen gegenüber nicht fair. „Das zeigt mir, welchen Stellenwert die Landwirtschaft in der Politik einnimmt“, so Feeser.

In der Podiumsdiskussion ging es um eine ganze Bandbreite landwirtschaftlicher Themen. Im Anschluss wurden Fragen von Zuschauern gestellt. Besonders die Mindestlohn-Debatte fand Interesse. Agrarbetriebe sehen sich regelmäßig durch einen Mindestlohn für Erntehelfer belastet. Sarah Schweizer (CDU) sprach sich für Ausnahmeregelungen in der Landwirtschaft aus. Auch Martin Hahn (Grüne) sprach von einem „Riesenproblem“ und Georg Heitlinger (FDP) sagte: „Es braucht Ausnahmen, ganz klar.“ Emil Sänze (AfD): „Ich halte nichts von dem Mindestlohn. Er ist schädlich für die Landwirtschaft.“ Die SPD wird hier unter vielen Landwirten als Blockierer wahrgenommen. Klaus Ranger (SPD) sagte, es gelte das gleiche Recht für alle. Es sei ein Thema, das in Berlin besprochen werden müsse.

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