Bad Rappenau verkauft eigene Christbäume – nachhaltig, regional und traditionsreich
Bad Rappenau ist die letzte Kommune im Landkreis Heilbronn mit eigenem Christbaumanbau. Am Samstag, 13. Dezember, verkaufen Claus Schall und sein Team wieder Nordmanntannen, Serbische Fichten und andere Schönheiten.
Der Weg zur Lichtung am Tannenkopf in Grombach ist frisch geschottert. Die Forstleute haben den Weg für den Christbaumverkauf an diesem Samstag geebnet. „Wenn die Leute jedes Mal ein dreckiges Auto bekommen, wenn sie zu uns fahren, kommen sie vielleicht nicht mehr“, sinniert Revierleiter Claus Schall.
Im November 1993 kam er als junger Förster in den Kraichgau. Der kommunale Christbaumverkauf mit Bäumen aus eigenem Anbau ist älter. Schalls Vorgänger Artur Hofmann hat die eingezäunte Lichtung in Grombach unter der Stromtrasse und nahe der A6 vor schätzungsweise 50 Jahren angelegt. „Ich habe das dann übernommen“, so Schall. Zwischenzeitlich ist Bad Rappenau die einzige Gemeinde im Landkreis Heilbronn, die überhaupt noch eine eigenen Kultur betreibt.
Am Bad Rappenauer Mühltalsee und in Grombach gibt es Christbäume aus ökologischem Anbau
Morgens ab 8 Uhr stehen Claus Schall und sein Team mit zirka 200 frisch geschlagenen Bäumen auf dem Parkplatz am Mühltalsee in Zimmerhof. Ab 12 Uhr gibt es dann Nordmanntannen, Blaufichten oder Nobilis am Tannenkopf in Grombach. Den Christbaumverkauf an der Gruberhütte, schätzt Schall, gibt es seit 40 Jahren: „Gleicher Ablauf, gleiches Team. Die Leute kommen, suchen sich einen Baum aus, wir sängen ihn ab und netzen ihn ein.“ Beim Punsch- und Glühweinausschank und beim Wurstverkauf helfen Forstarbeiter und Familienangehörige mit.

Für Claus Schall ist dieser Termin eine Herzenssache. Preise zwischen 15 und 35 Euro ruft er in diesem Jahr auf. „Das ist recht günstig“, sagt er. Dafür gibt es in Grombach Öko-Bäume, aber nicht immer sind sie perfekt gewachsen.
Die Lichtung am Tannenkopf ist zirka ein Hektar groß. 7000 Bäume in allen Größen und Formen stehen dort. Über 90 Prozent sind beliebte Nordmanntannen, die kaum nadeln.
Nordmanntanne, Serbische Fichte oder Nobilis? Nicht jedem gefällt der gleiche Baum
Die wohlriechende Serbische Fichte mit ihren Zapfen ist dagegen ein Charakterbaum, der nicht zu jedem passt. Auch will nicht jeder einen Baum mit zwei Spitzen. Und einige Tannen auf der Lichtung haben nur eine Schokoladenseite. Das mache gar nichts, meint der Förster: „Die wenigsten Bäume stehen in einer Wohnung frei.“ Die weniger schön gewachsene Seite könne man zur Wand drehen und gut ist, lautet sein Rat.

Im Alter von zehn bis zwölf Jahren werden die Christbäume in Grombach geerntet. „Wir verkaufen vormittags plus/minus 200 Stück und nachmittags ein bisschen mehr“, sagt Schall. Die Woche vor Weihnachten sei zwar mit die stressigste im ganzen Jahr: Doch der engagierte Förster mag den Christbaumverkauf. Das Geld wandert in die Stadtkasse.
Christbaumkultur der Stadt Bad Rappenau nutzt die Fläche unter einer Stromtrasse
„Ich hänge an der Kultur“, sagt Claus Schall und freut sich, wenn heute wieder möglichst viele Leute nach Bad Rappenau und nach Grombach kommen. „Das ist ein super interessantes Geschäft“, fügt er hinzu. Eines, bei dem man die Leute richtig kennenlerne. „Als Förster muss ich immer Entscheidungen treffen. Manchmal sehr schnell. Und immer einsam“, sagt er. Beim Christbaumverkauf lerne man dagegen. „dass zu viel Auswahl für viele Leute ein Problem ist.“
Beim Streifzug durch die Lichtung wird schnell klar, was er meint: Man kann sich bei der Suche nach dem perfekten Baum verlieren. Soll man diesen nehmen? Oder lieber den anderen? Einen gerade gewachsenen? Einen dichten? Eine Fichte mit schöner Farbe, aber spitzen Nadeln? Oder doch lieber den Klassiker? Ganz schön verwirrend.

Christbaumkultur der Stadt Bad Rappenau ist nachhaltig und ökologisch sinnvoll
Zum Christbaumverkauf käme ein anderes Klientel als beispielsweise zu den Brennholzversteigerungen, erzählt Claus Schall. Oft ganze Familien. Und die müssen sich einig werden, was sie wollen. „Auf jeden Fall merkt man, dass die Geschmäcker verschieden sind“, sagt der Forstmann.
Daher bemisst er den Preis auch nicht nach Schönheit, sondern nach Größe. Nach dem „Warum?“ dürfe man bei der Entscheidung für einen Baum nie fragen: „Viele laufen raus mit einem, von dem ich sagen würde, da hätten wir 200 schönere gehabt.“ Doch wichtig ist auch ihm, dass die Menschen mit ihrer Wahl glücklich sind und ein Stück Kultur in ihr Wohnzimmer holen.
Was abgesägt wird, wird nachgepflanzt. „Mehr als wir rausnehmen. Die Sache sollte nachhaltig sein“, meint Claus Schall.
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