Abschied von einem Eppinger Leuchtturmprojekt
1,1 Millionen Euro hatte die Stadt Eppingen bereits in das Vorhaben investiert. Doch die Nachfrage nach Nahwärme im Neubaugebiet Zylinderhof III war zu gering. Nun wird das Projekt eingestellt.

Seit Monaten hatte es sich bereits abgezeichnet, jetzt haben die Eppinger Stadtverwaltung und der Gemeinderat auch ganz offiziell einen Schlussstrich unter den Bau eines Nahwärmenetzes gezogen. „Es fällt mir unheimlich schwer, Ihnen vorzuschlagen, das Projekt nicht weiterzuverfolgen“, sagte Bürgermeister Peter Thalmann in der jüngsten Sitzung des Gremiums. „Aber wenn ich eines in meinem Berufsleben gelernt habe, dann, dass man Konsequenzen trägt und nicht weiter macht, wenn es nichts wird.“
Harte Worte, denn in das Vorhaben sind bereits erhebliche Mittel geflossen. Nicht nur das Neubaugebiet Zylinderhof III, sondern auch angrenzende Bestandsgebiete sollten so mit Wärme versorgt werden. Rund 1,1 Millionen Euro wurden in den vergangenen Jahren ausgegeben.
Eppinger Nahwärme-Projekt scheitert an zu geringem Interesse
Doch um das Projekt wirtschaftlich tragen zu können, blieb die Beteiligungsbereitschaft der Bürger deutlich hinter den Erwartungen zurück. Rund 60 Prozent hätten ihre grundsätzliche Beteiligung signalisieren müssen – am Ende war es nicht einmal ein Viertel beziehungsweise lediglich 23 Eigentümer. Die finanziellen Risiken für den sowieso schon angespannten Eppinger Haushalt wären zu groß gewesen, denn das Projekt hätte bis zu 15 Millionen Euro kosten können.
Auch wenn eigentlich schon im Vorfeld der Sitzung klar war, dass das Vorhaben beendet wird: Die Stadträte folgten den Ausführungen mit teils betretenen Gesichtern. Man müsse jetzt erstmal durchschnaufen, sagte Reinhard Ihle (SPD). „Es fällt allen schwer, das Projekt beiseite zu legen.“ Er sei enttäuscht, auch von den Partnern der Stadtwerke, und habe sich mehr Unterstützung sowie Rücken- statt Gegenwind erhofft. Die Stadt Eppingen ist zwar mit 51 Prozent Mehrheitseigner, allerdings legten die Mitgesellschafter EnBW und Erdgas Südwest ihr Veto gegen das Projekt ein.
Projektabsage hat finanzielle Auswirkungen
Obwohl letztendlich das mangelnde Interesse den Todesstoß für die Nahwärme bedeutete, macht Simon Niebergall auch die schnellen Entwicklungen auf dem Energiemarkt als einen weiteren Grund aus: „Politisch hat sich viel verändert in den vergangenen 18 Monaten“, so der Leiter für Klimaschutz und Breitband im Rathaus. Das sieht auch Peter Wieser (Grüne) ähnlich. Die Zeit habe das Vorhaben überholt, obwohl die Grundidee „überragend“ gewesen sei. „Die Bürger sind verunsichert darüber, wo es hingeht.“ Die Idee habe letztendlich nicht gezündet.
Die Absage an das Nahwärmeprojekt hat nicht nur emotionale, sondern auch finanzielle Auswirkungen. Denn um die geplante Heizzentrale bauen zu können, hatte die Stadt ein Grundstück gekauft. Das könnte „gegebenenfalls für eine Erweiterung des Neubaugebiets Zylinderhof IV genutzt werden“, heißt es in der Ratsvorlage. Anders verhält es sich bei den bereits verlegten Wärmeleitungen, für die 357.000 Euro investiert wurden. Sie seien ohne konkrete Nutzung wertlos, eine künftige Verwendung derzeit nicht absehbar.
Immerhin könnten laut Erdgas Südwest die Gasleitungen für eine mögliche Wasserstoffversorgung genutzt werden. Sie seien „H2-ready“, „vorausgesetzt, eine entsprechende Infrastruktur wird in Eppingen etabliert“.
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