Auf der Suche nach den Unterschieden
Beide Bewerberinnen sind, wie sie selbst sagen, „blond, vom Land“ - und vor allem: qualifiziert. Die Zweiflinger haben am Sonntag, 8. März, die Wahl zwischen Susanne Uebel-Madenciler und Katrin Veyel. Wer wird Bürgermeister Klaus Gross beerben? Das HZ-Wahlforum in der vollbesetzten Gemeindehalle soll die Entscheidung leichter machen.

Einmal wird es in der vollbesetzen Gemeindehalle von Zweiflingen richtig laut: Auf die Frage, wer am Sonntag wählen geht, trampeln die Zuschauer beim Wahlforum der Hohenloher Zeitung. Doch wen sie wählen werden? Ob am Ende die 45-jährige Juristin Katrin Veyel oder die 38-jährige OB-Referentin Susanne Uebel-Madenciler die Nase vorne hat nach 90 Minuten ernster und weniger ernster Fragen? Das lässt sich an den Reaktionen des Publikums nicht ausmachen. Deutlich zu unterscheiden sind nur die Sitzpositionen der beiden Fanclubs.
Denn die haben zwei Bewerberinnen. Beide sind heimische Gewächse. Und beide haben in den vergangenen Wochen viele Türklinken geputzt, um zu hören, was die Menschen in der kleinsten Gemeinde des Hohenlohekreises bewegt. Vor allem erfahren die Zuhörer in dem von den HZ-Redakteuren Stefanie Jani und Götz Greiner moderierten Forum viel Persönliches. Etwa, dass sich der Hund von Katrin Veyel am öftesten die Bewerbungsrede für die öffentliche Kandidatenvorstellung anhören musste. „Er war meistens da.“ Und dass Susanne Uebel-Madenciler vor ihrer Familie geübt hat, ehe ein Büttelbronner Landwirt Testperson war.
Bewerberinnen um Rathaus-Sessel sind sich oft einig
Was wird Chefinnensache? Die Aufgaben seien vielfältig, sind sich die Bewerberinnen einig. Beide sehen den Bürgermeister-Job nicht als Karrieresprung, sondern haben sich beworben, weil sie etwas bewegen wollen. Die Aufgaben seien vielfältig, sagt Veyel. Gerade in einer kleinen Verwaltung, in der man alles tun müsse, meint Uebel-Madenciler. Sie nennt Kommunikation und Feuerwehrgerätehaus als wichtige erste Projekt. Veyel würde Glasfaser ausbauen, wäre das nicht schon im Werden. Dann bleibt das Gewerbe. Auch dass es keine Einkaufsmöglichkeiten gibt, hat sie bei ihren Touren erfahren. Bezahlbarer (Miet-)Wohnraum, das ist für die Menschen ein weiteres Anliegen, weiß Uebel-Madenciler.
Wo die Bürgermeister-Kandidatinnen ins Schwitzen kommen
Ein schwäbischer Haushalt, das ist es, was Veyel vorschwebt. „Man kann mit kleinen Dingen viel erreichen“, freut sie sich täglich über die Blumen in Tiefensall, wenn sie dort vorbei fährt. Sie will „streng auf die Ausgaben schauen“. Und vielleicht die Heizung runter drehen: „In der letzten Gemeinderatssitzung war es sehr warm.“ Es war übrigens die zweite, die sie in Zweiflingen besucht hat. Und was ist, wenn die Kämmerei ausfällt? „Dann würde ich kurz einen Schweißausbruch bekommen“, gibt sie zu - es dann aber so halten wie in ihrem Anwalts-Job bis jetzt auch: „Dann würde ich mich einarbeiten.“ Sie habe schon geschaut, wo es Seminare für Bürgermeister gibt.
Fördergelder nach Zweiflingen zu holen, das strebt Uebel-Madenciler an. Die Ehrenamtlichen in Projekte einbeziehen, sie dafür zu entschädigen („Wer was tut, bekommt was, wer dafür den Rasenmäher mitbringt, den halben Satz vom Maschinenring“). Im Austausch mit den anderen Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft, also Öhringen und Pfedelbach, will sie schauen, wo neben dem Bauamt weitere Aufgaben für alle erledigt werden könnten. Hauptamt und Ordnungsamt wären für sie denkbar. Auch sollten die touristischen Schönheiten der Gemeinde im Verbund mit den Hohenloher Perlen besser vermarktet werden. Der auf einer Länge von rund 800 Metern sichtbare Limes bei Pfahldöbel sei ein schönes Alleinstellungsmerkmal, das man hervorheben könne. Ein Limesfest schwebt dafür ihrer Konkurrentin vor, die mit Stellplätzen Wohnmobile anlocken will. Mit den regionalen Produkten der Direktvermarkter würde Uebel-Madenciler werben.
Bürgermeisterinnen wollen keinen Wolkenkratzer
In Sachen Wohnraum haben beide Bewerberinnen ein Ziel: Es sollte Innenentwicklung betrieben werden, die Ortsteile dürfen ihren Charakter aber nicht verlieren, maximal drei Geschosse würde Veyel erlauben. „Einen Wolkenkratzer würden die Zweiflinger der Bürgermeisterin wohl übel nehmen“, vermutet Moderator Götz Greiner. Uebel-Madenciler nickt: Sie würde auf die Eigentümer zugehen, nach Lösungen suchen. Sie weiß: „Nicht jeder will seine nicht mehr genutzte Hofstelle verkaufen.“ Sie würde Lösungen suchen, auch nach Fördermitteln.
1,2 Millionen Euro Sondervermögen kommen vom Bund: Uebel-Madenciler würde einen Teil davon zur Dorfplatz-Sanierung geben, wenn die prinzipielle Förderzusage dafür und für die Schulsanierung da sei. Veyel würde damit Schule oder Feuerwehrhaus bezahlen.
Und was wäre am ersten Tag als Bürgermeisterin von den Kandidatinnen zu erwarten? Veyel würde einen kurzen Einstand mit den Mitarbeitern machen. Uebel-Madenciler spendiert Schweinehaxen. Sie ist nicht Team Brokkoli, sondern Team Rostbraten. „Ich bin bekennender Fleischesser. Am liebsten so richtig fettig.“ Veyel greift zu Kaffee und ab und an einem Muskateller. Vielleicht auf dem Jubiläumsfest des TSV Zweiflingen, das Uebel-Madenciler mit den Worten „Die Gemeinde steht hinter Euch“ eröffnen würde. Oder auf dem Apfelfest, das Veyel nach dem Limesfest als neues Fest ins Spiel bringt. Oder bei einer gemeinsamen Besichtigung ihrer Höfe, die sie sich gegenseitig zeigen.
Kleine Unterschiede bei den Kandidatinnen
Und es gibt doch einen Unterschied: Während Katrin Veyel ihren Mann nicht an die Wäsche lässt, „die Schmutzwäsche“, wie sie betont, hat Uebel-Madenciler, die im übrigen fünfmal verzeiht, wenn man ihren komplizierten Namen falsch ausspricht, damit kein Problem. „Wäsche machen ist nicht meins.“
Es wird eng am Sonntag, bekunden die Zuhörer am Ende des Forums. So sind auch die Prognosen der Kandidatinnen nah beisammen: Uebel-Madenciler hofft auf 61 Prozent, Veyel auf 58. Rein rechnerisch geht das nicht. Eine von beiden wird auf jeden Fall leer ausgehen. Und dann? „Dann geh ich wieder in mein Büro“, sagt Veyel. „Dann liegt mein Herz immer noch in Zweiflingen“, sagt Uebel-Madenciler.
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