Zwei große Sammelunterkünfte für Flüchtlinge in Schwabbach werden geschlossen
Die Zahl der Asylbewerber und Ukrainer, die dem Hohenlohekreis zugewiesen werden, sinkt weiter. Parallel dazu baut das Landratsamt immer mehr Sammelunterkünfte ab. Das ist der aktuelle Stand.

Der Hohenlohekreis unterhält immer weniger Sammelunterkünfte für Flüchtlinge. Bald wird ihre Zahl weiter schwinden. Das Landratsamt plant, die zwei großen Objekte in Schwabbach dauerhaft zu schließen. Die umfunktionierte Gewerbehalle in der Moosbachstraße steht laut Amtsleiter Tim Krauter schon seit Herbst 2025 leer und sollte noch bis Frühjahr 2026 vorgehalten werden, um für möglicherweise steigende Zuweisungszahlen im Winter gewappnet zu sein. Statt dessen sind sie gesunken.
Aus für Containeranlage in der Schwabbacher Maybachstraße
73 Plätze standen dort zur Verfügung. 108 Plätze fasst die Containeranlage in der Maybachstraße. Sämtliche Verträge seien gekündigt worden, die komplette Infrastruktur werde abgebaut, erklärt Krauter. „Wir sind gerade dabei, die Bewohner in andere Unterkünfte umzuverteilen oder sie Schritt für Schritt in die Anschlussunterbringung der Kommunen zu verlegen.“ Im Herbst 2025 wurde laut Krauter die Containeranlage im Öhringer Gewerbegebiet „Im Sichert“ mit 48 Plätzen zurück gebaut und vorzeitig geschlossen. Die Unterkunft in Belsenberg mit 18 Plätzen ist ebenfalls weg.
Zahl der Sammelunterkünfte von 15 auf sieben gesunken
Im November 2023 betrieb der Hohenlohekreis noch 15 Sammelunterkünfte mit 763 Plätzen, von denen 659 belegt waren. Dies entsprach einer Auslastung von 86 Prozent. Im Juni 2025 waren es noch zehn Sammelunterkünfte mit 724 Plätzen, von denen 354 besetzt waren. Ende Februar 2026 gab es nur noch sieben Gemeinschaftsunterkünfte mit 532 Plätze, von denen 238 bewohnt waren. Die Auslastung hat sich damit mehr als halbiert und liegt aktuell bei 41 Prozent.
Neue Strategie des Landes: Hohenlohekreis ist früh dran
Damit setzt der Hohenlohekreis das vom Land geforderte „agile Liegenschaftsmanagement“ weiterhin konsequent um. „Wir waren da sehr frühzeitig dran und eine der ersten“, betont Landrat Ian Schölzel. Das Ministerium der Justiz und für Migration Baden-Württemberg hatte das entsprechende „Hinweisschreiben“ am 15. August 2025 veröffentlicht. Tatsächlich hatte der Hohenlohekreis das Thema schon vorher auf dem Schirm. Erste Signale in diese Richtung hatte das Ministerium am 7. Mai 2024 gesendet.
Das sind die Ziele des agilen Liegenschaftsmanagements
Das Land will, dass die Kreise und Städte flexibler auf veränderte Zugangszahlen reagieren, vorhandene Liegenschaften effizienter nutzen und das Unterbringungsmanagement noch wirtschaftlicher wird. Vor allem soll der ständige Auf- und Abbau von Notquartieren und Containeranlagen sowie die hektische und nur partiell erfolgreiche Anmietung privater Flächen aufhören.
Diese Sammelunterkünfte will der Kreis halten
Die Kommunen sollen sich auf wenige Gebäude konzentrieren, die größere Kapazitäten haben und bei sinkenden Flüchtlingszahlen auch anderweitig genutzt werden können. Dafür auserkoren ist zum einen die am längsten bestehende Sammelunterkunft in der Würzburger Straße in Künzelsau mit derzeit 68 Plätzen, zum anderen jene in der Neuensteiner Bahnhofstraße mit 80 Plätze, die zuletzt mit einem Wasserschaden zu kämpfen hatte, weswegen die Belegungszahlen temporär gedrosselt wurden. Das neueste Objekt steht im Ingelfinger Kelterweg. Das nutzt der Kreis gemeinsam mit der Stadt. Es bietet 54 Flüchtlingen Platz.
Pfedelbach bleibt mindestens bis 2029, Kupferzell wohl noch länger
Noch bis 2029 gilt der Vertrag für das ehemalige Seniorenheim der BBT-Gruppe im Pfedelbacher Löwengarten, das zu einer Gemeinschaftsunterkunft mit 95 Plätzen umgewandelt wurde. Das lohnendste Geschäft für den Kreis sind die beiden Containeranlagen in der Kupferzeller Schloßstraße mit 96 und 84 Plätzen, weil es sich um eine Liegenschaft des Landes handelt, für die das Landratsamt kaum etwas zahlen muss. Viel spricht also dafür, dass der Standort in Kupferzell mit den beiden Containeranlagen dauerhaft erhalten bleibt.
Wie viele Flüchtlinge kamen nach Hohenlohe? Die Zahlen im Vergleich
Die Zahl der Asylbewerber, die dem Hohenlohekreis neu zugewiesen wurden, ist im Jahresvergleich zwischen 2023, 2024 und 2025 drastisch gesunken: von 456 über 208 auf 76. Für 2026 rechnet das Land mit monatlichen Zuweisungen von zehn Personen, im Februar waren es nur vier. Von Januar bis Mai 2024 waren 83 Asylbewerber und 64 Ukrainer neu in den Kreis gekommen. Im gleichen Zeitraum waren es 2025 hier 26 und dort 37. Im Mai 2025 waren es nur noch drei Asylbewerber und acht Ukrainer im Vergleich zu 15 und 20 im Mai 2024. Auffällig ist, dass die Zahl der im Hohenlohekreis neu ankommenden Asylbewerber zwischen Juni und Dezember 2025 von vier auf 13 gestiegen ist und die der Ukrainer von zwölf auf 33. Bis Februar 2026 ging die Zahl der Ukrainer aber bis fünf zurück. Dies liegt daran, dass Baden-Württemberg im Gegensatz zu den anderen 15 Ländern seit Herbst 2025 seine Aufnahmequote für jene Flüchtlingsgruppe übererfüllt hat und seitdem keine Ukrainer mehr vom Bund zugewiesen bekommt.
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