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Zu viel Bürokratie: Die zehn größten Hindernisse für hiesige Bauernhöfe

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Immer mehr Pflichten, Regeln und Vorschriften: Viele Landwirte fühlen sich von der ausufernden Bürokratie ausgebremst. Sie lähmt die Arbeitsprozesse und hemmt die Investitionsbereitschaft. Hier sind die Top Ten des Hohenloher Bauernverbands. 

Die Landwirte verbringen immer mehr Zeit im Büro und am Computer, um mit zu vielen Programmen alles haarklein zu dokumentieren. Auch Jürgen Maurer aus Feßbach kann ein Lied davon singen.
Die Landwirte verbringen immer mehr Zeit im Büro und am Computer, um mit zu vielen Programmen alles haarklein zu dokumentieren. Auch Jürgen Maurer aus Feßbach kann ein Lied davon singen.  Foto: privat

Wir haben den Hohenloher Bauernverband nach den zehn größten Hindernisse gefragt. Sprecher David Benzin hat sie zusammengetragen, Vorsitzender Jürgen Maurer kommentiert einige als Vollerwerbslandwirt. Der 51-Jährige führt in Kupferzell-Feßbach einen Ackerbaubetrieb mit Schweinemast und Lohnarbeiten.

1. Flächennachweise beim Gemeinsamen Antrag

Wer bei der EU Direktzahlungen beantragt, muss die Flächen und Nutzungsarten auf einen Quadratmeter genau herunterbrechen. „Das führt zu einer ineffizienten Fehleranfälligkeit, weil um Kleinstflächen unter der Nachweisgrenze diskutiert werden muss“, so Benzin. Maurer: „Der Aufwand zur Kontrolle auf Quadratmeterebene braucht viel zu viel Personal und ist ärgerlich, da sich der Landwirt im Detail auch mal um zwei bis Quadratmeter vermessen kann und so falsche Werte liefert.“

2. Gülleausbringung zu Gerste im Herbst

Wintergerste muss vor dem 1. Oktober gesät sein, wenn auf dem Feld Gülle ausgebracht werden soll. „Gleichzeitig sind viele Pflanzenschutzmittel zur Bekämpfung des Ackerfuchsschwanzes verboten“, sagt Benzin. „Das Ungras kann im Herbst also nicht mehr wirkungsvoll chemisch bekämpft werden.“ Maurer bekräftigt: „Um hier Spielräume zu haben, wird die Wintergerste so spät wie möglich gesät. Dann hat Ackerfuchsschwanz weniger Chancen zu wachsen.“ Habe ein Betrieb Tierhaltung und Ackerbau, sei im Spätsommer das Güllelagerbecken häufig voll. „Man muss also die Gülle im Herbst ausbringen.“ Geschehe dies im September, müsse die Gerste bis 30. gesät sein. Dann herrschten wiederum gute Bedingungen für den Ackerfuchsschwanz. Auch das Wetter müsse passen. Sein Fazit: „Landwirtschaft lässt sich nicht nach planwirtschaftlichen Gesichtspunkten ausrichten, sondern nur an der Realität.“

3. Pflügen und Bodenbearbeitung im Herbst

Erosionsgefährdete Flächen dürfen im Herbst nicht mehr gepflügt werden. Frühestens ab 15. Januar ist das möglich. Maurer: „Landwirte würden gerne die Frostgare ausnutzen. Hier müsste allerdings im Herbst gepflügt werden dürfen, da ab Mitte Januar oft Schnee liegt oder Äcker zu Nass zum Pflügen sind und nicht relativ sicher noch einmal Frost auftritt.“

4. Zu viel Büroarbeit

Etwa ein Arbeitstag pro Woche verbringen Landwirte im Büro. Tierhalter und Ackerbauern müssen etliche Datenbanken pflegen, um ihre Arbeit zu dokumentieren. Sie würden dies lieber in der Praxis tun und den Wust an Programmen lichten, sagt Benzin. Alles müsse einfacher sein. Maurer ergänzt: „Kontrollen sind an sich gut. Aber alles haarklein zu regeln, schafft nur Misstrauen.“

5. Rückerstattung der Steuer für Agrardiesel

Laut Benzin wird es hier „sehr bürokratisch“. Alle Tankbelege eines Jahres müssten gesammelt und die Pkw-Kilometer herausgerechnet werden, ebenso Traktordiesel aus lohnunternehmerischer Tätigkeit. Maurer: „Eine pauschale Rückerstattung wäre einfacher.“

6. Tierwohlkriterien in der Schweinehaltung

Diese „verlieren sich im Klein-Klein“, so Benzin. „Es gibt keine verlässlichen Aussagen bezüglich der Umsetzung.“ Jede Kontrolle verlaufe anders. Maurer: „Oft stehen die hohen nationalen Anforderungen in keinem Verhältnis zu internationalen Standards.“

7. Buchtengröße bei Schweinehaltung

Dies betrifft die „freie Abferkelung für Sauen“. Hierzu würden 7,5 Quadratmeter Buchtenfläche benötigt. Die Sau müsse sich auch jederzeit umdrehen können. Bautechnisch bedeute dies „eine Kreisfläche, die immer freigehalten werden muss“. Diese zusätzliche Vorgabe führe automatisch zu neun Quadratmetern. Diese „sich widersprechenden Vorschriften“ führten dazu, „dass heute im Grunde keine Ställe mehr gebaut werden“.

8. Auslaufhaltung von Mastschweinen

Um diesen Standard zu erfüllen, müsse die Bewegungsfreiheit der Tiere gesichert sein. Landwirte könnten parallel dazu keinen Kontroll- oder Treibgang einbauen. Benzin: „Das ist praxisfern und herausfordernd beim Stallbau.“

9. Schwanzbeißen und Kupierverzicht

Wenn der Schwanz bei Schweinen nicht kupiert werde, knabberten die Tiere an ihren Ringelschwänzen. „Das ist erstmal angenehm. Das Problem beginnt, sobald Blut fließt. Dann erwacht der kannibalistische Trieb und das Beißen führt zu Verletzungen“, so Benzin. Also: „Kupierverzicht ist bürokratisch und löst Tierleid erst aus.“

10. Fehlende Planungssicherheit bei Bauvorhaben

Weil sich die Vorschriften ständig änderten, hinkten Bauprojekte den Bestimmungen oft hinterher. Neue Ställe seien rasch gesetzlich veraltet, die Investitionen rechneten sich nicht mehr.

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