Krautheimer Schüler werden Artisten: „Ich hab nicht gedacht, dass mancher so gut ist“
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Zaubertricks statt Matheunterricht, Trapez statt Schulbänke: Schüler des Krautheimer SBBZ und der GWRS studieren mit Zirkusprofis Gala-Shows ein. Wie das die Schüler bilden kann.
Unter der Anweisung der Trainerin Milina Igen lernen die Kinder nicht nur Kunststücke am Trapez - sondern auch viel mehr.
Foto: Götz Greiner
Die beiden Mädchen zögern, die Seile loszulassen. Noch sitzen sie sich auf der Stange des Trapezes gegenüber, das über der Mitte der Manege hängt – jeweils das rechte Bein zwischen den Beinen der anderen. Sie sollen sich nach hinten fallen lassen – nur gehalten vom Oberschenkel des Gegenübers. „Loslassen“, ermutigt Artistin Milina Igen die beiden Schülerinnen. Eine Hand verlässt das Seil, das Mädchen fängt an zu lachen. „Nicht Kichern! Das kostet Kraft, die brauchst du am Trapez!“, rät Igen. Beide lassen los – und sie schweben über der Manege. Die anderen Schülerinnen und Schüler applaudieren.
Akrobaten, Jongeleure, Clowns: Die Kinder schlüpfen in verschiedene Rollen
Knapp 300 Kinder und Jugendliche von der Grund- und Werkrealschule (GWRS) und vom Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum Hohenlohe-Franken (SBBZ) in Krautheim studieren in dieser Woche Gala-Shows ein: Ein Projekt der beiden Schulen mit dem Projekt-Circus Renz. Dabei werden die Schülerinnen und Schüler nicht nur zu Luftartisten, sondern zu Drahtseiltänzern, Akrobaten und Jongleuren. Letzteres sei wegen der Lichteffekte die beliebteste Gruppe, wie Zirkusdirektor Francesco Renz sagt. Einige Kinder nehmen unter seiner Leitung die Rollen von Zauberern und Clowns an, bei denen ist schauspielerisches Können und Textsicherheit wichtig. Wer in welche Gruppe kommt, das haben die Schülerinnen und Schüler mit dem Zirkus-Team beim ersten Ausprobieren der Stationen am Montag festgelegt.
Drei Shows
Die Schülerinnen und Schüler treten in drei Gruppen auf mit je etwa 100 Teilnehmenden. Die Klassen aus GWRS und SBBZ sind gemischt. Die erste Gruppe tritt am Donnerstag, 12. März, um 18 Uhr auf. Die beiden anderen am Freitag, 13. März, um 15 und 18 Uhr. Das Zirkuszelt steht in Altkrautheim an der Jagst, unweit der Badestelle in den Hofstattwiesen. Der Eintritt kostet für Erwachsene acht Euro, für Kinder sechs Euro.
Der Projekt-Circus Renz hat sich auf Schulprojekte spezialisiert. Meistens arbeite er mit Grundschulen, sagt Direktor Francesco Renz. „Aber auch die neunten Klassen machen hier gut mit.“
Zirkus ist Teamarbeit und Selbstvertrauen
„Zirkus ist nicht einfach nur Zirkus, es ist Teamarbeit und stärkt das Selbstvertrauen. Ich sage immer: Wenn man es nicht ausprobiert, weiß man nicht, ob man es kann“, sagt Renz. Das zeigt sich zum Beispiel beim Drahtseillauf: Hely Renz hält Sophia an der Hand, als sie auf das Seil tritt – gut so, denn das Mädchen lehnt sich arg auf die andere Seite. Zitternd geht sie in die Hocke, um ein Tuch vom Seil zu nehmen. Es folgt Applaus von den anderen Schülerinnen und Schülern. Sophia wird immer sicherer bei ihrem Drahtseilakt. Sie läuft weiter, immer aufrechter. Beim zweiten Tuch, kurz vor dem Ende des Seils, beugt sie sich schnell hinunter und hebt es auf.
Von der Brücke bis zur großen Pyramide: Die Akrobaten von GWRS und SBBZ in Krautheim zeigen einige Kunststücke bei ihren Galashows.
Foto: Götz Greiner
Wie wichtig die Teamarbeit ist, zeigt sich bei den Akrobaten, als sie eine Pyramide formen. Sie helfen sich gegenseitig, um ihre Positionen in dem Gebilde einzunehmen. Als ein Mädchen danach sagt, „Ihr braucht mir nicht zu helfen“, antwortet Trainerin Mandy Renz: „Ihr macht das als Team! Wir sind ein Team und wir helfen uns!“
Eltern von 200 Kindern helfen mit
Es ist das erste große Projekt, das die beiden Schulen gemeinsam machen, erklärt Andreas Zeller, Rektor des SBBZ. Er war mit der Idee auf seinen GWRS-Kollegen Manuel Zürn zugegangen, der dann den Förderverein der GWRS ins Boot geholt hat. Denn so ein Projekt muss auch finanziert werden – eine genaue Summe wollen die Rektoren nicht veröffentlichen. Aber fest steht: Der Förderverein hat emsig daran gearbeitet, um Sponsoren zu finden. Auch Werbung, Aufbau und Versorgung organisiert der Verein. Vorsitzende Christine Koppe freut sich: „Die Eltern von 200 Schülern helfen mit“, beim Zeltaufbau, beim Kuchenbacken und dem sonstigen Ablauf der Proben und der Gala-Shows.
Schüler motivieren sich gegenseitig
In den Artistengruppen sind die Schüler unterschiedlicher Klassen gemischt. „Die Schüler motivieren sich gegenseitig“, beobachtet Koppe – von den jüngsten bist zu den ältesten – auch wenn die Neuntklässler zuerst gezögert hätten, mitzumachen. Aber es lohnt sich für sie, wie Alexander sagt, der bei den Jongleuren dabei ist: „Am Anfang war es schwierig, aber ich habe mich immer wohler gefühlt.“ Auch sein Klassenkamerad Philipp freut sich, was Neues zu lernen.
Die Jonglage ist sehr beliebt bei Schülern. In der Manege kommt Schwarzlicht dazu, das die Kunst visuell noch spektakulärer macht.
Foto: Götz Greiner
„Man erkennt neue Talente bei den Kindern“, sagt Zürn. „Ich habe bei dem einen oder anderen gedacht, das schaffen sie nicht – und dann haben sie sich aufs Trapez geschwungen“, staunt der GWRS-Rektor. Auch die Kinder lernen sich untereinander kennen. Darüber freut sich Viertklässlerin Eileen, die eine der Akrobatinnen ist, und sagt: „Ich hab nicht gedacht, dass mancher so gut ist.“
Nervosität überwinden und Dankbarkeit gehören zum Zirkus dazu
Wichtig ist den Trainerinnen und dem Trainer auch, dass die Kinder sich vor dem Kunststück richtig präsentieren und danach verbeugen – das üben sie einzeln mit jedem Kind. „Wenn jemand sagt: ,Das hast du gut gemacht!’, sagen wir Danke. Mit der Verbeugung sagen wir Danke für den Applaus“, erklärt Francesco Renz. „Wenn ein Kind einmal nervös ist, erkläre ich ihm: Ich bin auch nervös, aber in der Manege ist es vorbei.“ Nach der Show kommen die Kinder dann normalerweise euphorisch zu ihm. „Und dann gibt es einen Klopfer auf die Schulter.“
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