Projektierer hat Flächen für Windpark bei Öhringen
Im Wald zwischen Schwöllbronn und Friedrichsruhe sollen vier Windräder gebaut werden. Der Projektierer hat die Flächen beisammen und Verträge mit den Eigentümern geschlossen. Nun fragt der Ortschaftrat von Schwöllbronn, warum die Anlagen im Wald und nicht am Rand zum Feld hin gebaut werden sollen.

Der Schutz des Waldes als Lebensraum für Tiere und als Naherholungsraum ist dem Ortschaftsrat von Schwöllbronn wichtig. Zumal gerade jetzt im Frühjahr bald mehr als 100 Hektar Ackerfläche unter Folie verschwinden und deshalb für die Tiere nicht zur Verfügung stehen. Und zumal rund um Öhringen in den vergangenen Gemeinderatssitzungen viele große Freiflächen-PV-Anlagen auf etwa 60 Hektar Fläche genehmigt wurden. Nun sollen im 70 Hektar großen Wald zwischen Schwöllbronn und Friedrichsruhe vier Windräder gebaut werden. Warum im Wald und nicht an der Kante zwischen Wald und Feld, das fragt Schwöllbronns Ortsvorsteher Markus Mugele bei der jüngsten Ortschaftsratssitzung. Und diese Frage stellt der Ortschaftsrat nun an den Regionalverband.
Befürworter von Windkraft
Mugele wie auch weitere Ortschaftsräte stellen klar: Generell sind sie Befürworter von Windkraft, von grüner Energie. „Aber der Waldverbrauch für jedes Windrad, vor allem für den Bau, ist enorm“, sagt Mugele und verweist auf den Wald bei Waldenburg. Dort werden aktuell Windanlagen gebaut. „Das bedeutet, Industrie in den Wald tragen“, sagt Mugele.
Warum der Regionalverband sich auf die Fläche im Wald verständigt hat, das konnte Hartmut Sailer auch nicht beantworten. Er stammt aus Schwöllbronn und lebt in einem Öhringer Teilort. Und er ist Projektierer bei der RWE, die die besagten Windanlagen bauen will. Er konnte allerdings ein paar Fakten zur Sitzung des Ortschaftsrates beitragen. Beispielweise indem er die Zuständigkeiten und Abläufe des Verfahrens zur Auswahl geeigneter Flächen aufzeigte. Von insgesamt 110 vom Regionalverband Heilbronn-Franken ermittelten Flächen sind nun 17 in einem separaten Annexy-Verfahren. Die restlichen Flächen sind im Hauptverfahren. Aktuell werden die Windkraftanlagen oberhalb von Michelbach gebaut.
Verfahren für Windkraftanlagen weit
Aber auch das Verfahren für die Flächen in besagtem Wald ist schon weit gediehen: Aktuell laufe das Gutachten für den Windertrag. Ein Jahr wird geprüft. Zudem werden aktuell vorhandene Tiere dokumentiert. „Ein Schwarzstorch würde das Verfahren stoppen“, erklärt Sailer.
Er denkt: Im Sommer wird der Satzungsbeschluss kommen und bis Herbst fix sein. „Da führt kein Weg mehr dran vorbei.“ In den vergangenen Wochen seien die Verträge mit den insgesamt etwa 50 Grundstückseigentümern für 110 Flurstücke im Bereich Unterohrn, Büttelbronn und Westernbach geschlossen worden.
Sailer sagt: Im Prinzip würde auch der Projektierer lieber auf dem Acker statt im Wald bauen. Das sei einfacher. Im Wald muss gerodet werden. Ausgleichsflächen müssen aufgeforstet werden. Pro Windrad rechne man während der Bauzeit mit 1,2 Hektar benötigter Fläche für Zuwege und Kranaufstellung. Später sind um die Anlagen 0,6 Hektar Fläche nötig. „Wir planen gerade mit vier Anlagen.“
Warum es Windkraftanlagen braucht
Warum Windkraftanlagen, auch wenn es komplizierter sei, häufig im Wald gebaut werden? „Waldflächen haben meist die größten Abstände zur Wohnbebauung.“ Oft seien sie zudem in Höhenlage. Sie hätten oft allerdings auch den Nachteil, dass die Flächen schwer zu erreichen seien.

Sailer lenkt den Blick auf das Klimaschutzkonzept der Stadt, das vorsieht, bis 2035 klimaneutral zu sein. „Um das zu erreichen braucht Öhringen 15 Windräder. Ziehen wir die sieben Richtung Waldenburg ab, bleiben noch acht übrig.“ Katharina Heinrich ergänzt: „Wenn man es nur auf Windkraftanlagen runterbrechen würde, aber wir haben ja auch Dämmung, E-Mobilität, PV-Anlagen.“ Eine Windkraftanlage erzeuge etwa 15 Millionen Kilowattstunden Energie, sagt Sailer. Um das mit einer konventionellen PV-Anlage zu erreichen, brauche man dafür 15 Hektar Fläche oder 650 Hektar Mais, um eine Biogasanlage zu befüllen.
Info zur Finanzierung
Wenn sich ein Windrad für den eigenen Geldbeutel drehe, sei die Akzeptanz höher, sagt Katharina Heinrich und erkundigt sich nach Bürgerbeteiligungsmodellen. Hartmut Sailer von RWE erklärt: Pro Anlage bekomme die Kommune rund 30 000 Euro pro Jahr, dazu komme die Pacht an die Flächeneigentümer. Dazu gebe es die Möglichkeit, Bürgersparbriefe zu zeichnen. Die haben unterschiedliche Höhen zwischen 500 und 10 000 Euro. Aktuell gebe es darauf etwa fünf Prozent Zins. Zeichnungsberechtigt seien Bürger in der Nähe der Anlagen.
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