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"Gefährdeter Bezirk"
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Vergessenes Schild warnt in Forchtenberg weiter vor Wildtollwut

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Als „Wildtollwut gefährdeter Bezirk“ gilt Hohenlohe seit 2008 nicht mehr, auch wenn ein Schild in Forchtenberg anderes andeutet. Aber wie steht es um die tatsächliche Gefahr vor der tödlichen Krankheit?


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Wenn ein scheues Wildtier wie ein Fuchs sich plötzlich furchtlos Menschen nähert, dann könnte das auf eine Tollwutinfektion des Tieres hindeuten. Das wusste früher jedes Kind. Denn Tollwut ist ab den 1950er Jahren vor allem mit dem Fuchs als Epidemie aus Osteuropa nach Deutschland gelangt, breitete sich aus und hatte zur Folge, dass vielerorts Warnschilder mit dem Wortlaut „Wildtollwut gefährdeter Bezirk“ zu sehen waren. Waren?

Ein solches Exemplar ist derzeit – vielleicht hat es musealen Charakter – noch in Forchtenberg zu bestaunen. Auch Bürgermeister Michael Foss staunt, als die Hohenloher Zeitung ihn darauf anspricht. „Ist mir noch nicht aufgefallen“, gibt er zu. 

Vergessenes Schild in Forchtenberg warnt weiter vor Wildtollwut

Bereits seit 2008 gilt Deutschland als frei von der sogenannten terrestrischen Tollwut. Die Schilder wurden damals flächendeckend abgehängt. Von wem? „Für das Entfernen der Schilder sind die Gemeinden zuständig“, heißt es aus der Pressestelle des Landratsamts auf Nachfrage der Hohenloher Zeitung. Die bestätigt auch, dass Forchtenberg nicht alleine sei. „Es kommt gelegentlich noch vor, dass vergessen wurde, die Schilder zu entfernen.“ Auswirkungen hat das vergessene Schild keine. Lediglich könnten Unkundige vermuten, die Gefährdung bestehe noch. 

Auch wenn das Schild anderes andeutet: Forchtenberg gilt wie ganz Deutschland als frei von Tollwut.
Auch wenn das Schild anderes andeutet: Forchtenberg gilt wie ganz Deutschland als frei von Tollwut.  Foto: Ludwig, Tamara

Vollständig verschwunden ist die Krankheit indes nicht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von rund 60.000 Tollwut-Toten jährlich aus, vor allem in Asien und Afrika. Die meisten infolge von Hundebissen. Tollwut ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die durch sogenannte Lyssaviren ausgelöst wird. „Die Viren werden über den Speichel ausgeschieden und in der Regel durch Bisse auf den Menschen übertragen.

Auch eine Übertragung über Hautverletzungen oder die Schleimhaut ist bei direktem Kontakt mit infektiösem Speichel möglich“, erläutert das Robert-Koch-Institut (RKI). Schutz biete eine Impfung, die auch, wenn sie rechtzeitig erfolgt, nach dem Kontakt noch schützen könne. „Sobald jedoch typische Symptome wie Lähmungen oder Krämpfe, Lichtscheu und Abneigung gegen Wasser aufgetreten sind, verläuft sie in der Regel tödlich“, so das RKI. Eine heilende Therapie gebe es bisher nicht.

Schild in Forchtenberg warnt weiter: Systematische Bekämpfung der Wildtollwut war erfolgreich

Laut RKI gehört Deutschland „zu den Ländern Europas, in denen durch systematische Bekämpfungsmaßnahmen, vor allem durch die orale Immunisierung der Füchse, die Tollwut bei Wild- und Haustieren getilgt werden konnte. Der letzte identifizierte Tollwutfall bei einem Fuchs trat in Deutschland im Februar 2006 auf. Bei Fledermäusen werde das Virus auch in Deutschland noch regelmäßig nachgewiesen.

„Der illegale Import von Haustieren (Hunde und Katzen) aus Regionen, die als nicht tollwutfrei gelten, stellt weiterhin ein Risiko dar“, warnt das RKI. Das ist auch ein Grund, warum das Erkennen von Tollwut nach wie vor Teil der Ausbildung bei Jägern ist, wie das Landratsamt in Künzelsau mitteilt. „Damit Deutschland den Status „tollwutfrei“ aufrechterhalten kann, muss jedes Jahr ein bestimmter Prozentsatz von erlegten Füchsen auf Tollwut untersucht werden“, so die Behörde weiter. „Zusätzlich zu den Füchsen werden von den Untersuchungsämtern auch andere eingesandte Fleischfresser, wie Waschbären oder Marder auf Tollwut untersucht.“ Auch die Förster kämen mit dem Thema in der Ausbildung zumindest noch in Berührung, auch wenn darauf kein Schwerpunkt mehr liege.

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