Das Fest beginnt am Freitag um 18 Uhr mit dem Fassanstich, Tanz und einer Band. Am Samstag geht es um 18 Uhr weiter. Auch da spielt eine Band. Der Sonntag beginnt um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst und umfangreichem Programm, auch für Kinder. Das Jubiläum wird mit einer Fotoausstellung und den Vorträgen um 14 Uhr im Haus am Sternbach gewürdigt.
Westernhausen gibt es wohl eigentlich viel länger als die gefeierten 800 Jahre
Woher der Ort seinen Namen hat und warum es schlüssig ist, dass hier schon vor gut 1400 Jahren Menschen lebten.

Dem Osterfest hat Westernhausen mutmaßlich seinen Ortsnamen zu verdanken. Das sagte zumindest der 2005 gestorbene Historiker Engelbert Kemmer, der viel zu Schöntal geforscht hat. Auf seine Arbeit beruft sich Ulrich Gallistl. Der Westernhäuser hält zum dreitägigen Dorffest am kommenden Wochenende einen Vortrag über die Geschichte der Kirchengemeinde – den weltlichen Part übernimmt Theresa Ruhdorfer vom Kreisarchiv.
Denn der Ort feiert heuer 800-jähriges Bestehen. Erstmals wurde der heutige Teilort der Gemeinde Schöntal in einer Urkunde im Jahr 1225 erwähnt, wie Ortsvorsteher Joachim Specht berichtet. Allerdings gebe es die Urkunde selbst nicht mehr, sondern nur eine weitere Urkunde, die diese erwähnt. Und offenbar haben sich schon viel früher Menschen an dem Ort in Jagsttal niedergelassen.
„Bereits im sechsten Jahrhundert gab es in Westernhausen eine christliche Siedlung“, sagt Gallistl, der auch Vorsitzender des Kirchengemeinderats ist. Der zum Christentum konvertierte fränkische König Chlodwig hat sein Reich nach Osten ausgebreitet. Die Alemannen, die in der Jagsttalregion damals siedelten, durften zwar bleiben. Für ihre – damals noch nicht christliche – Tradition des Osterfestes mussten sie allerdings die „Ostersteuern“ zahlen, erläutert Gallistl. Von diesem Fest her rühre auch der Name des Gewannes „Osterheide“, das auf Westernhäuser Gebiet liegt. „Um diesem Ostern etwas entgegenzusetzen, haben die christlichen Bauern ihren Ort Westernhausen genannt“, beschreibt Gallistl die Vermutung des Historikers Kemmer. Ebenfalls für ein hohes Alter der Kirchengemeinde spricht, dass die Kirche in Nord-Süd-Ausrichtung gebaut ist. Denn in der römischen Tradition sind Kirchen nach Osten ausgerichtet – also in Richtung Heiliges Land. Außerdem deutet der Patron der Kirche darauf hin: „In der Zeit Chlodwigs gab es einen großen Kult um den Heiligen Martin“, nach dem die Kirche benannt ist.
Westernhausen sei vermutlich die älteste christliche Siedlung im Jagsttal, führt Gallistl Kemmers Forschung aus. Zwar gibt es auch eine Martinskirche in Ailringen. „Aber die ist nach Osten ausgerichtet“.
Die Westernhäuser Kirche hat seit dem 17. Jahrhundert noch einen zweiten Patron: St. Sebastian, „das ist der Schutzheilige der Pestkranken“, denn die Krankheit grassierte damals. Das Gebäude war nicht so groß wie heute. „Vermutlich war sie ursprünglich ein Wehrturm“, erläutert Gallistl. Erst als es um die Nachfolge des berühmten Schöntaler Abtes Knittel ging, ist die Kirche erweitert worden: „Angelus Münch hat versprochen, dass in Westernhausen eine neue Kirche gebaut wird, wenn er zum neuen Abt in Kloster Schöntal gewählt wird.“ Im Jahr 1732 wurde er gewählt und über dem Eingangsportal der heutigen Kirche steht 1744 als Jahreszahl.
Eigentlich sollte noch ein weiteres Stockwerk auf den Kirchturm, der heute eine stumpfe Form hat. Aber wahrscheinlich sei beim Bau abzusehen gewesen, dass der Kirche das Geld ausgehe. „Außerdem gab es in dieser Zeit eine große Viehseuche“.
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