Weitsicht, Vorsicht und Zuversicht beim Neujahrsempfang in Forchtenberg
Schließung der Grundschule in Ernsbach, Verschiebung des neuen Feuerwehrgerätehauses, acht Hektar zusätzliche Gewerbeflächen: Bürgermeister Michael Foss spannt einen strammen Spannungsbogen.

Die Grundschule in Forchtenberg soll bis Sommer 2028 um einen Anbau erweitert worden sein. Mit dieser Ankündigung startet Bürgermeister Michael Foss seinen Ausblick auf 2026 beim Neujahrsempfang der Stadt in der Sporthalle. Er knüpft damit nahtlos an zu seinem Rückblick auf 2025, wo zuletzt ein sehr emotionales und umstrittenes Thema für Aufregung sorgte: die Schließung der Grundschule in Ernsbach zum Sommer 2028. Eben deshalb muss die Grundschule im Hauptort ausgebaut werden, „um die Schüler von Ernsbach und Sindringen aufnehmen zu können“. Die Planungen dafür würden in diesem Jahr nun im Detail erarbeitet.
„Wir haben die Kinder in den Mittepunkt gestellt“
Anfang Dezember 2025 hatte es dazu einen ersten größeren Infoabend gegeben. Am 22. Januar 2026 hatte dann zunächst der Ortschaftsrat und am 27. Januar der Gemeinderat beschlossen, den Vorschlag der Verwaltung in die Tat umzusetzen. Der Rathaus-Chef bekräftigt: „Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, dass das die richtige Entscheidung war.“ Er verhehlt aber nicht, dass es „ein sehr schmerzhaftes und sehr schwieriges Thema“ gewesen sei. „Wir haben bei unserem Beschluss die Kinder in den Mittelpunkt gestellt. Wir wollten dauerhaft sicherstellen, dass alle die bestmögliche und gleichwertige und Grundschulbildung erhalten.“

Schülerzahl in Ernsbach ist zu niedrig
Die andere Option wäre gewesen, „die erste und zweite oder die dritte und vierte Klasse zusammenzulegen“. Doch Foss stellt klar: „Wir waren uns einig, dass wir das nicht möchten.“ Klar sei: „Die Schülerzahl ist zu niedrig. Und die Prognosen sind leider so, dass wir mit noch weniger Geburten in Ernsbach und Sindringen rechnen müssen.“Anspruchsvoll Der Neubau des Feuerwehrgerätehauses birgt ebenfalls Konfliktpotenzial. „Die Finanzierung ist extrem anspruchsvoll“, erklärt Foss. Erste Kostenschätzungen lagen bei zehn Millionen Euro, dann wurde das Projekt auf sieben Millionen Euro eingedampft. Aber auch das ist eine stattliche Summe und bringt die Stadt in Finanzierungsnöte, weil sie fast alles mit Eigenmittel stemmen muss. „Deshalb war die Entscheidung des Gemeinderats richtig, den nochmals zeitlich zu schieben.“ Erst wenn die „Finanzierung gesichert und solide ist“, soll es nun losgehen, sagt Foss.
Noch vorsichtiger sein bei den Investitionen
Der Stadt sei es gelungen, den Schuldenstand von 2020 bis 2024 von 5,5 Millionen auf 2,7 Millionen Euro zu senken. „2025 mussten wir aber wieder rund zwei Millionen Euro an neuen Krediten aufnehmen.“ Deshalb „müssen wir in Zukunft noch vorsichtiger sein, wann wir was angehen können oder schieben müssen“. Foss betont, viele Kommunen stünden „extrem unter Druck“ und vor dem „Kipppunkt“, weil Bund und Land sie mit immer neuen Pflichtaufgaben überschütte, ohne diese auskömmlich zu bezahlen. „Das muss aufhören.“

Forchtenberg braucht noch mehr Wirtschaftskraft
Gut sei, dass der kommunale Anteil an der Einkommensteuer von 2021 bis 2026 von 3,2 Millionen auf 4,1 Millionen Euro gestiegen sei. Auch mit den 3,4 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Bundes könne man etwas anfangen. Nur: Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer schwankten zwischen 2021, 2023 und 2026 (Plan) von 3,7 über 6,3 bis 4,9 Millionen Euro. Das heißt: Forchtenberg braucht noch mehr Wirtschaftskraft, um die Steuerkraft zu stärken. „Deshalb wollen wir den Gewerbepark Rauhbusch südlich der Landesstraße um acht Hektar erweitern. Die Firma Arnold hat nördlich davon ja schon ihren ersten Bauschnitt vollendet und sich weitere Flächen gesichert.“
Neue Kläranlage ist sehr teuer, aber Finanzierung „nicht dramatisch“
Das weitaus teuerste Projekt ist der Bau einer neuen zentralen Kläranlage am bisherigen Standort in Forchtenberg. Bauträger ist der Abwasserzweckverband Mittleres Kochertal, bei dem Niedernhall und Weißbach mit im Boot sind. „Wir haben im Sommer 2025 mit dem Bau begonnen, die Anlage soll im Sommer 2028 in Betrieb gehen.“ Kosten: 25 Millionen Euro. Hinzu kämen neue Leitungstrassen von den sieben alten Kläranlagen, „was 35 Millionen Euro kostet“. Die Finanzierung sei aber „nicht dramatisch, weil wir mit hohen Landeszuschüssen rechnen können“. Ganz anders die Sicherung des Hangrutsches an der Brunnensteige und die Sanierung der Kocherbrücke in Ernsbach. „Das kostete eine Million Euro, komplett aus Eigenmitteln. Darüber bin ich echt erschrocken.“
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