Weihnachtsmärkte in Dörzbach und Buchenbach leben von engagierten Vereinen
Es sind nicht nur Weihnachtsmärkte, sondern gleichzeitig winterliche Dorffeste: Im Jagsttal bescheren sich Vereine, Familien und ganze Dorfgemeinschaften selbst ein paar Stunden Geselligkeit und Besinnlichkeit.

Wie ein Dorffest im Winter mutet der Weihnachtsmarkt in Buchenbach an: In der Sporthalle gibt es Mittagstisch und Kaffee, werden Weihnachtslieder gesungen, Kinder tollen herum. Drinnen ist fast mehr los als draußen auf dem Parkplatz der Halle, wo die Buden in einem lauschigen Viereck stehen. Vier Vereine haben vor Jahren die Vereinsräume an der Halle finanziert, und um Einnahmen zu generieren diesen Markt ins Leben gerufen. Das Konzept geht auf: Noch vor 13 Uhr ist das Mittagessen weg.

Draußen gibt es derweil bei Birgit Munz alles vom Alpaka – von Socken bis Salami –, bei Sara und Andreas Paratschek Honig in einer Farbpalette von hellgelb bis dunkelbraun und an einem weiteren Stand Deko aus weißer Raysin-Gießmasse.

Und Tannenbäume, die der Eberbacher Getränkehändler Gerold Prümmer vertreibt: „Das ist bei uns schon immer so“, erklärt er: „Am dritten Advent kaufen die Buchenbacher ihren Baum. Sie gehen aus der Kirche und kommen dann zu mir.“ Zwar mache das nicht jeder, aber wer sich zur Dorfgemeinschaft zähle, der komme auch zum Weihnachtsmarkt. „Zusammenkommen, das ist hier das Wichtige. Dass man Leute trifft, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht.“ Viele junge Leute, die damals den Weihnachtsmarkt mit aufgebaut haben, seien nun in dem Alter, dass sie eine Familie gründen – daher das große Gewusel in und um die Halle. „Das ist alles familiär hier, das ist bewusst so gewollt.“

Weihnachtsmarkt in Dörzbach: Von Feuerwurst bis Fisch zeigt sich die Vielfalt der Vereine

Auch in Dörzbach spielen die Vereine eine große Rolle: Auf dem Kirchplatz in der Ortsmitte bläst die Musikkapelle Laibach Weihnachtslieder, grillen die Motorradfreunde Feuerwurst, schenken örtliche Winzer Glühwein aus, die Imker bieten passend zur Jahreszeit Kerzen und Handcreme an. Die Landfrauen Hohebach haben nicht nur ihren Stand über und über mit Tannenzweigen und Misteln geschmückt, sondern von Brot über Plätzchen bis Deko alles selbst gemacht und der Förderverein der Grundschule backt Waffeln, um damit Bücher und Spielsachen anzuschaffen.
Fassförmige Feuertonnen mit großen Schornsteinen wärmen die Besucher. Ins Auge sticht der sechseckige Holzturm, in dem jeweils ein Verein, eine Schule oder Kita ein Adventsfenster liebevoll und kreativ gestaltet hat.
Nicht überall wird so viel Fisch serviert wie hier, dafür sorgen Alexej Moser und sein Fischereiverein. „Das ist Dorfleben pur hier“, erläutert er: „So läuft das auf den Weihnachtsmärkten, die etwas kleiner sind.“ Und genauso soll Weihnachtsmarkt sein, findet er: „Man muss den Vereinen ein Riesen-Lob aussprechen.“

Künstler-Kommune: Welchen kreativen Hobbys die Gemeindebediensteten aus Dörzbach nachgehen
Das schönste Kunsthandwerk stammt in Dörzbach indes von kommunalen Beschäftigten, deren Stände vor dem Rathaus stehen: Rathaussprecherin Tamara Jenke malt „zum Ausgleich“ coole Comicfiguren, die sie auf Grußkarten oder T-Shirts druckt. Detailreich gestaltete Tiere, Herzen und Fantasy-Figuren mustern erwartungsvoll den potenziellen Käufer, und Jenke verrät: Nächstes Jahr soll ein Fantasy-Buch von ihr erscheinen – eigenhändig illustriert.

Georg Teufel sägt und schnitzt alles aus heimischem Holz, von Spruchtafeln über Kerzenhalter bis zu 1000 Sternen im Jahr. „Nach Weihnachten ist für mich vor dem nächsten Weihnachten“ erklärt der Bauhofleiter von Bad Mergentheim, der zuvor lange Jahre in Dörzbach tätig war. Auch für ihn ist es „Hobby mit Herzblut“, denn: „Wenn man das nur für den Gewinn machen würde, kämen nicht solche Unikate heraus.“ Teufel hat einst das hochwertige Kunsthandwerk auf dem Weihnachtsmarkt in Dinkelsbühl etabliert und bereichert nun den kleinen, aber feinen Markt seiner Heimatgemeinde.


Stimme.de
Kommentare